Ausstellung »Heimatfront« wird eröffnet

Schau zeigt Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf Düren

Viele ältere Dürener werden sich vielleicht noch an die Notzeiten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erinnern: Alles Lebenswichtige war mehr als knapp, von Nahrungsmitteln über Kleidung bis zu Brennstoffen. Jeder Tag brachte buchstäblich einen neuen Kampf ums Überleben.

Eine vergleichbare Situation hatte die Generation vorher auch schon erlebt. Denn als der Erste Weltkrieg begann, war das Deutsche Reich darauf, trotz aller militaristischen Töne, überhaupt nicht vorbereitet. Noch im Sommer 1914 begannen, nicht zuletzt durch die englische Blockade, die ersten Lebensmittel knapp zu werden. Und es folgten vier lange Jahre der zunehmenden Entbehrung, der Zwangsbewirtschaftung, der Improvisation, um wenigstens das Nötigste zum Überleben zu sichern. Das konnte aber nicht verhindern, dass Ende 1918 mehr als 800.000 Hunger-Tote zu beklagen waren.

Zahlreiche Dürener Feldpostkarten und -briefe hat das Stadtmuseum in den vergangenen Monaten gesammelt.

So kämpfte die "Heimatfront" auf ihre Art auch einen nahezu aussichtslosen Kampf. Denn spätestens mit dem Übergang zum Stellungskrieg wurde klar, dass sich die Aussichten auf einen kurzen, siegreichen Feldzug und damit ein Ende der Not und des Mangels zerschlagen hatten.

Es nötigt einem heutigen Betrachter ein großes Maß an Bewunderung und Respekt ab, was trotz dieser bedrückenden Umstände an Opferbereitschaft und Gemeinschaftssinn – auch hier in Düren – zu verzeichnen war. Staat und Gesellschaft veränderten sich in diesen vier Jahren grundlegend, wenn auch ganz anders, als sich die Propagandisten des "reinigenden Krieges" das gedacht hatten.

Einige Facetten dieser kurzen, aber um so umwälzenderen Zeitspanne zeigen will die neue Ausstellung des Stadtmuseums über die "Heimatfront – Düren und der Erste Weltkrieg 1914-18", die ab dem kommenden Sonntag, dem 13. April, ab 11 Uhr zu sehen ist. Dazu gehören Informationen zum Einsatz Dürener Soldaten an den Fronten, dem ausgedehnten Dürener Reservelazarett, Patriotismus-Propaganda, militärischen Lebensläufen einzelner Dürener, der Versorgungssituation der Bevölkerung sowie Modelle eines Schützengrabens, einer Kochkiste und – als “interaktives” Angebot – die Möglichkeit einer “Nagelung”. Am Eröffnungstag wird zudem mit “Graupenauer”-Brot, Muckefuck und anderen "Köstlichkeiten" ein authentischer Geschmack der Zeit vermittelt.

Der Eintritt ins Stadtmuseum in der Arnoldsweilerstr. 38 ist wie immer frei.

* * * * * * *
Hundert Jahre »Großer Krieg«

Themenprogramm Dürener Kulturinstitute April – November 2014

Zur Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor einhundert Jahren haben die Dürener Kulturinstitute Musikschule, Schloss Burgau, Stadtbücherei, Stadt- und Kreisarchiv, Theater Düren, Volkshochschule Rur-Eifel und Stadtmuseum Düren ein umfangreiches gemeinsames Programm zusammengestellt.

Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Aufführungen, Multimedia-Shows, sogar Kochevents laden zur Beschäftigung mit dem Thema und der Zeit ein.

Dank der großzügigen Unterstützung durch die Sparkasse Düren können (fast) alle Veranstaltungen für die Besucher entgeltfrei angeboten werden.

Änderungen an diesem Programm sind nicht beabsichtigt, können aber aus aktuellen Gründen notwendig werden. Daher bitten wir, auf die Ankündigungen in der Tagespresse, auf der Internetseite der Stadt Düren (www.dueren.de) oder des Stadtmuseums (www.stadtmuseumdueren.de) zu achten.

* * * * * * *
Rätselhafte Flasche

27.02. <> Ein tolles Geschenk erhielten wir jetzt von Josef Almstedt aus Düren, das uns allerdings noch einige Rätsel aufgibt.

Die Prägung der Flasche lautet: Selterswasser
Mi.Was.Fabrik
von
Apotheker
Emil Claessen
Düren

Gefunden wurde diese Flasche angeblich bei Renovierungsarbeiten in der Rhein. Landesklinik unter den Dielen eines Fußbodens. Wenn es noch der Original-Fußboden gewesen sein sollte (was wir nicht wissen), wäre diese Flasche vor 1878, dem Jahr der Errichtung der Landesklinik, dort untergebracht worden.

Von dem Apotheker Emil Claessen lässt sich leider nichts finden. In den Geburtsregistern (19. Jhd.) von Düren ist dieser Mann nicht zu finden, weder als Kind noch als Vater. Auch in den einschlägigen Datenbanken ist er nicht nachzuweisen.
Im Adressbuch Düren von 1882 findet sich ein Carl Schmidt, Mineralwasserfabrik und Kohlenhandlung, Peschstr. 7, die allerdings im Adressbuch 1910 schon nicht mehr verzeichnet ist.
Im Adressbuch 1925 gibt es 2 Mineralwasserfabriken und Handlungen:
Hölscher, Heinr, Altejülicherstr. 44
Wynand Johann, Wilhelmstr. 7

Eine andere Möglichkeit wäre, dass Claessen ein in der Landesklinik angestellter Apotheker war.

Vielleicht können unsere Leser ja etwas zur Aufklärung beitragen?

* * * * * * *
Handschriften die Geheimnisse entreißen

19.02. <> Bei der historischen Arbeit werden die Mitarbeiter des Stadtmuseums zwangsläufig auch mit handschriftlichen Quellen konfrontiert, seien es alte Kirchenbücher, Stadtratsprotokolle oder, wie jetzt im Zuge der Vorbereitung der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, mit einer Fülle von Feldpostbriefen. Nur in den seltensten Fällen sind solche Schriftstücke auf Anhieb entzifferbar, die Ausformungen der einzelnen Handschriften sind oft sehr "individuell".

Referent Anton van Reeken erläutert anhand eines Briefes von Friedrich Schiller die Technik des Entzifferns von Handschriften

Um sie dennoch entschlüsseln und somit auswerten zu können, bedarf es einer gewissen Technik. Diese zu vermitteln, war jetzt Ziel eines Workshops im internen Weiterbildungsprogramm, zu dem das Stadtmuseum mit Anton van Reeken einen ausgewiesenen Experten eingeladen hatte. Seit mehr als 50 Jahren in der Ahnenforschung tätig, gehört das Sezieren und Identifizieren von Handschriften zu seiner täglichen Arbeit.

Erscheint einem untrainierten Leser ein solches "Manu-Skript" zunächst wie eine Geheimschrift, wird mit systematischem Herangehen dem Schriftstück schnell alles Mystische genommen. Dazu werden, anders als beim normalen Leseprozess, zunächst einzelne Buchstaben identifiziert, dann kleinere Wörter, schließlich größere Passagen. Erweist sich ein Wort hartnäckig als nicht auflösbar, wird zum nächsten übergegangen. So ergibt sich allmählich ein Textgerüst, das immer weiter vervollständigt werden kann, bis das Schriftstück komplett übertragen ist.

Anton van Reeken, der übrigens schon zum zweiten Mal im Stadtmuseum zu Gast war, verstand es auf humorvolle Art, den gut zwei Dutzend Teilnehmern jegliche Scheu vor einer solchen Herausforderung zu nehmen. Der nächste Weiterbildungs-Workshop im Stadtmuseum wird sich mit der Technik der Bilderfassung und -bearbeitung beschäftigen.

* * * * * * *
Großes Interesse an »Dürens Goldene Jahre«

12.02. <> Das ließen sich die Dürener nicht entgehen: Eine Buchvorstellung mit Rahmenprogramm, und dann auch noch Verkauf zum Sonderpreis …

Schon lange vor Beginn gab es keine Sitzplätze mehr

Bernd Hahne, der Vorsitzende des gastgebenden Trägervereins, konnte also ein volles Haus begrüßen. In einem kurzen Vortrag ging er auf die Entstehungsgeschichte des Buches ein:

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wenn ich die Autoren und Mitarbeiter des Buches, das wir Ihnen jetzt vorstellen möchten, hier vorne um mich versammeln würde, könnte ich Ihnen mit Fug und Recht zurufen:

Meine Damen und Herren, hier sehen Sie einen Haufen Bekloppte!

Positiv Bekloppte, nicht gemeingefährlich, möchte ich direkt betonen. Aber wie soll man das sonst nennen, wenn wir uns im Laufe des Jahres 2010, während noch die II. Abteilung unserer im Aufbau befindlichen Ständigen Ausstellung zur Stadtgeschichte zu sehen ist, daran machen, jene etwas mehr als vierzig Friedensjahre aufzuarbeiten, die für die Entwicklung dieser Stadt so bedeutsam sind? Ohne dass wir auch nur die geringste Vorstellung davon gehabt hätten, was da an Arbeit auf uns zukam.

Ansicht der Stadt von Südwesten

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, wo Sie hier so friedlich sitzen und nicht ohne Weiteres aufstehen und weglaufen können, Ihnen etwas über die Arbeit an diesem Buch, die Schwierigkeiten, aber auch die Freuden zu erzählen. Was daraus geworden ist, können Sie ja nachher selbst begutachten.

Das Ganze begann damit, dass wir uns über die Inhalte der Ausstellung verständigen mussten. Ein Team fand sich zur inhaltlichen Arbeit zusammen, Themen wurden mehr oder weniger nach persönlichen Vorlieben verteilt, manchmal auch mit sanftem Druck zugewiesen. Es ging ans Material Sammeln.

Stadtplan von 1897

In der ersten Zeit war dieser Prozess begleitet von ständigem Jammern und Wehklagen: Es gibt nix, ich find nix, hier steht auch nix drin. Das wurde in der zweiten Hälfte der Bearbeitungszeit abgelöst durch ein: Mein Gott, wer soll das alles verarbeiten?

Dazwischen lag die Phase der systematischen Quellenerschließung, so weit das mit unseren Mitteln möglich war. Dazu gehörte u.a. die Digitalisierung der städtischen Verwaltungsberichte, die Gott sei Dank nahezu komplett für diese Periode im Stadtarchiv vorliegen und eine unglaubliche Fülle an Daten und Informationen enthalten. Durch die Digitalisierung konnte jeder Autor in Ruhe die ihn betreffenden Kapitel durcharbeiten, ohne ständig ins Stadtarchiv laufen zu müssen.

Überhaupt: Stadtarchiv! Der Leiter dieses städtischen Institutes, Helmut Krebs, ist ja nicht nur Vorstandsmitglied des Trägervereins und einer der maßgeblichen Autoren, er hat auch die Bestände unseres Stadtgedächtnisses jederzeit zugänglich gemacht und immer wieder seine Kenntnis der vorhandenen Materialien genutzt, um den anderen Autoren weiter zu helfen. Ohne diese wirkungsvolle Kooperation hätte dieses Buch nicht so entstehen können.

Im Stadtarchiv befinden sich u.a. bisher nicht verarbeitete Pläne zur Dürener Peschschule

Neben diesen städtischen Archivalien und unseren eigenen, noch bescheidenen Beständen haben wir aber weitere, bedeutende Quellen erschlossen. Über einen Bereich, den der privaten Dokumente und Erinnerungen aus traditionsreichen Dürener Familien, wird Ihnen gleich Christel Kreutzer noch ein wenig erzählen.

Sie hat sich in unseren Kreisen die durchaus als Ehrentitel zu verstehende Bezeichnung "Trüffelschwein" erworben, weil sie mit unglaublicher Hartnäckigkeit und sehr, sehr viel Einsatz an Zeit und Energie viele ihrer Opfer überzeugt hat, ihr durchaus teilweise sehr wertvolle Familienstücke anzuvertrauen. Aber davon, wie gesagt, später mehr von ihr selbst.

Eine andere Quellengruppe hätte sich uns noch vor wenigen Jahren nicht annähernd so reichhaltig erschlossen wie das jetzt im Zeitalter des Internets und von Google Books möglich war. An dieser Stelle sei einmal gesagt, dass wir in unseren Reihen Menschen haben, die "auf dem Internet" spielen wie auf einer Klaviatur und Sachen aus den hintersten Winkeln des Netzes zugänglich machen, dass es nur so ein Staunen ist.

Ich nenne hier stellvertretend für eine ganze Reihe Anderer Rosi Plücken, die als professionelle Ahnenforscherin sozuagen im Netz lebt und es in grandioser Weise für unsere Zwecke nutzbar machte.

Und wenn Sie sich nachher ein Buch kaufen – wovon ich jetzt mal ganz sicher ausgehe –, dann werden Sie bei einer ganzen Reihe von Fotos, Dokumenten oder anderen Illustrationen als Quellenangabe: "Slg. Brauweiler" lesen.

Einer von vielen Original-Briefen aus der Sammlung von Josef Brauweiler

Heinrich Brauweiler, den alle aber merkwürdiger Weise Josef nennen, ist seit vielen Jahren ein beharrlicher und konsequenter Sammler von allem, was irgendwie mit Düren zu tun hat. Dazu nutzt auch er natürlich jetzt das Netz, er ist unser "ebay-König" und hat uns schon so manchen veritablen Schatz für kleines Geld ersteigert. Viel wichtiger aber war, dass er uns seine schier unerschöpflichen Bestände vollkommen uneigennützig und problemlos zur Verfügung gestellt hat, was angesichts der oft richtig seltenen Stücke alles andere als selbstverständlich ist.

Es war in der Endphase der Buchherstellung oft so, dass ich für ein bestimmtes Kapitel noch gerne eine Illustration gehabt hätte; dann warf ich Josef im wahrsten Sinne des Wortes ein Stichwort hin und am anderen Morgen stand er mit einem Packen zur Auswahl in der Tür. Dieses Buch ist, auch wenn er keine Zeile geschrieben hat, zu einem großen Teil auch sein Werk.

Unser erstes Etappenziel aber war ja, wie ich eben schon sagte, die Gestaltung der Ausstellung, unserer nun dritten. Und es stellte sich heraus, dass wir für eine ganze Reihe von Bereichen weitaus mehr Material hatten als in den doch begrenzten Räumlichkeiten hier zu präsentieren gewesen wäre. Alldieweil wir nicht, wie in den großen Museen, einen Obermacker als Kurator haben, der sagt, wo's lang geht, ergaben sich – nun, sagen wir: Leichte Dispute um die Verteilung des Platzes für bestimmte Themen. Das haben wir ohne größere Personenschäden lösen können.

Es wurde dann aber sehr schnell klar, dass wir unser Material, das über die Ausstellung hinaus ging, in einer Publikation versammeln wollten. Dabei war zunächst nur an eine Art Begleitheft zur Ausstellung gedacht, das zu den einzelnen thematischen Bereichen tiefergehende Informationen bereit halten sollte. Als wir dann aber daran gingen, die einzelnen Kapitel zusammen zu stellen, wurde deutlich, dass daraus ein richtiges Buch werden würde.

Dabei muss und will ich auch an dieser Stelle klar stellen, dass wir nicht den Anspruch erheben, alle wesentlichen Themen, die eine Behandlung erfordert hätten, in diesem Buch zu versammeln. So fehlt beispielsweise der Sport, der ja gerade gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen großen Aufschwung nahm, wie zahlreiche Vereinsgründungen belegen.

Erinnerung der Turngesellschaft Düren an das Deutsche Turnfest 1898 in Hamburg

Es fehlt eine Darstellung der sozialen Kämpfe und der Organisationen der Arbeiterbewegung, sowohl der christlichen als auch der freien, um nur zwei wichtige Themen zu nennen.

Und innerhalb der vorgelegten Kapitel, das werden die Experten schnell merken, gibt es immer noch viele Lücken, die wir nicht haben füllen können. Zum Teil fehlten die Quellen, zum Teil waren die Angaben widersprüchlich und ließen sich in verschiedene Richtungen interpretieren, zu einem kleinen Teil waren Angaben auch irreführend oder schlicht falsch.

Trotz all dieser Mängel – die vielleicht nicht Jeder als solche empfindet – haben wir, das ist unsere feste Überzeugung, ein nach bestem Wissen und Gewissen korrektes, umfassendes und vor allem lesenswertes Buch gemacht.

Denn das haben wir, wenn wir es nicht schon gewusst haben, gelernt: Die Geschichte dieser Stadt ist spannend, auf- und anregend und bietet so viel zu entdecken, gerade auch in den hier behandelten Jahrzehnten.

Das heißt nicht, dass die Entdeckungen immer angenehm wären. Wir hatten irgendwie die Vorstellung – und vielen von Ihnen wird es genau so ergehen –, dass Düren als reiche Stadt, als die sie immer bezeichnet wird, auch einem solchen Reichtum angemessene Verhältnisse aufzuweisen hatte. So war das Erstaunen, vielleicht auch Erschrecken nicht gering, als wir erfahren mussten, dass die Säuglingssterblichkeit noch im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts höher war als vierzig Jahre vorher. Ungefähr ein Fünftel der Neugeborenen überstand das erste Lebensjahr nicht.

Kinderbilder aus der Zeit der Jahrhundertwende

Auch die politischen Verhältnisse waren nicht annähernd vergleichbar mit denen, die wir heute kennen. Nur ein geringer Prozentsatz der männlichen Bevölkerung konnte überhaupt wählen, durch das Dreiklassenwahlrecht wurden diese Stimmen dann noch einmal so "gelenkt", dass die Stadtverordnetenversammlung weitgehend aus Fabrikanten und mit diesen in geschäftlicher oder gesellschaftlicher Beziehung stehenden freien Berufen wie Architekten, Rechtsanwälten, Ärzten usw. bestand.

Erstmals versuchten wir eine Aufstellung aller Stadtverordneten jener Zeit

Erst in der letzten Wahlperiode vor dem Ersten Weltkrieg kam mit einem Weber nominell ein Arbeiter dazu. Im Übrigen haben wir zum ersten Mal den Versuch unternommen, die politischen Vertreter der Stadt in einer Übersicht zusammen zu stellen.

Im Bereich der Industrie gibt es noch großen Forschungsbedarf

Das gilt in ähnlicher Weise für die Dürener Industrie. Bis auf die verdienstvolle Arbeit von Geuenich zur Dürener Papierindustrie hat es bisher keinen nennenswerten Versuch gegeben, einen kompletten Überblick über die doch angeblich so weltberühmte Dürener Industrie jener Zeit zu bieten. Dabei ist es schon erstaunlich, dass sich selbst zu nach zeitgenössischer Aussage weltweit tätigen Dürener Firmen kaum oder gar keine Spuren nachweisen lassen. Hier ist noch viel Forschungsarbeit zu leisten.

Einem speziellen Industriezweig werden wir in unserem nächsten Buch, das sich mit der Zeit des Ersten Weltkrieges in Düren befassen wird, ein eigenes Kapitel widmen, den Dürener Rüstungsbetrieben nämlich. Dazu zählt ohne Zweifel die sogenannte "Pulvermühle", die vor allem bekannt wurde durch eine Explosion in ihren Räumen am 23. Mai 1914, die insgesamt acht Menschen das Leben kostete.

Schlagzeile zur Explosion in der Schiesswollfabrik

Trotz aller Bemühungen der Stadt, diesen Betrieb daraufhin still zu legen, wurde die Produktion in den nächsten Jahren noch erheblich ausgeweitet, und es erfüllt einen heute noch mit Schaudern, wenn man feststellt, dass hier in Düren, auch entgegen behördlicher Anweisungen, Mengen an Sprengstoff gelagert waren, die ausgereicht hätten, große Teile der Stadt dem Erdboden gleich zu machen.

Arbeiterinnen beim gemeinsamen Abendessen in der Flachsspinnerei

Schmerzlich empfunden haben wir die Tatsache, dass es so gut wie keine authentischen Quellen gibt zum täglichen Leben der einfachen Leute, der Fabrikarbeiter, Handwerker oder kleinen Kaufleute. Zwar werden wir gleich einige Auszüge aus Lebenserinnerungen hören, die auch als Quellentexte im Buch vorhanden sind, doch handelt es sich eben um Darstellungen aus dem Großbürgertum, die natürlich auch wertvoll sind, aber eben nur eine Seite der Medaille beleuchten.

Private Festgesellschaft in der "Harmonie"

Auf den Punkt gebracht kann man sagen, dass wir über den Silberschmuck in den Kirchen des Dürener Landes besser Bescheid wissen als über die Lebensverhältnisse unserer Großeltern.

Bevor ich jetzt übergebe an Christel Kreutzer und das Ehepaar Hoesch, habe ich noch die angenehme Pflicht, einen öffentlichen Dank auszusprechen an die Victor Rolff-Stiftung in Vettweiß, die die Herstellung dieses Buches mit einer großzügigen Spende gefördert hat. Dadurch ist es möglich geworden, das Buch zum Preis von 24.95 € in den Buchhandel zu bringen. Hier und heute kostet es sogar nur 19.95 €, was nun wirklich regelrecht geschenkt ist. Vielen Dank!


* * * * * * *
Buchvorstellung »Dürens Goldene Jahre«

05.02. <> Am Dienstag, dem 11.02., ist es endlich so weit: Das erste Buch der neuen Schriftenreihe des Stadtmuseums kann der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

352 Seiten, zahlreiche Abb., Grafiken und Tabellen, fester Einband, ISBN 978-3-942513-22-7

Nahezu drei Jahre haben die insgesamt zwölf Autoren an Konzept, Recherche und schließlich Erstellung der Texte gearbeitet. Ursprünglich nur als Begleitheft für die derzeit laufende Ausstellung gedacht, wurde schnell klar, dass wesentlich mehr Material vorhanden war, als man in der Ausstellung in den begrenzten Räumlichkeiten des Stadtmuseums unterbringen konnte.

Ermutigt zu der jetzt doch umfangreichen Arbeit wurden die Autoren auch dadurch, dass zu dieser für Düren so bedeutsamen Zeit erstaunlicher Weise nichts an zusammenhängenden und einigermaßen detaillierten Darstellungen vorhanden ist. Dabei hat sich in jenen mehr als vierzig Friedensjahren die Stadt in einem Tempo entwickelt, wie es nie vorher und nachher der Fall war. Nicht nur, dass sich die Einwohnerzahl verdreifachte, auch viele von den kommunalen und sozialen Einrichtungen, die wir heute noch kennen und nutzen, entstanden zu jener Zeit.

Blick in das Innere des 1901 entstandenen städtischen Elektrizitätswerkes an der Paradiesstraße.

Ganz auf den Bezug zur Ausstellung wurde natürlich nicht verzichtet. So sind zu verschiedenen Kapiteln Objekte mit Erläuterungen abgebildet, damit diese in Teilen erhalten bleibt, auch wenn sie in absehbarer Zeit für die Folgeabteilung abgebaut werden wird.

Eine wertvolle Ergänzung der darstellenden Texte bilden die (teilweise in Auszügen) eingefügten Quellentexte, von denen viele bisher unbekannt oder unzugänglich waren. Dazu zählen zeitgenössische Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge, persönliche Erinnerungen und offizielle Verlautbarungen, die bestimmte Sachverhalte oft erst erklärlich machen.

Das Buch "Dürens Goldene Jahre. 1871-1914", 352 Seiten, fester Einband mit Lesebändchen, wird im Rahmen eines kleinen Programms am

Dienstag, dem 11.02., 18 Uhr

im Stadtmuseum Düren vorgestellt und ist selbstverständlich dann dort auch zum Preis von 19,95 € erhältlich (Buchhandelspreis 24,95 €).


* * * * * * *
Neue Ausstellung in Vorbereitung!

28.01. <> Die seit Dezember 2012 laufende Ausstellung über „Dürens Goldene Jahre“ hat bis heute viele interessierte Dürener ins Stadtmuseum gelockt und bei ihnen einen nachhaltig positiven Eindruck hinterlassen. Die Aufarbeitung dieses Themas, nämlich die Stadtgeschichte von 1871 bis 1914, wird als Novum in der noch kurzen Existenz des Stadtmuseums auch in Form einer begleitenden Publikation präsentiert, die in den vergangenen Monaten mit viel Aufwand erstellt wurde und die im Februar der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann.

Konzentriertes und trotzdem entspanntes Arbeiten am Konzept der neuen Ausstellung

Ungeachtet dessen arbeiten die unermüdlichen Ehrenamtler im Stadtmuseum bereits an einem neuen Thema, nämlich dem Ersten Weltkrieg. Allerorten wird in diesem Jahr an die Entfesselung des Weltbrandes vor einhundert Jahren und an seine Opfer erinnert. Die vielfältigen Auswirkungen auf Düren sind bisher kaum untersucht worden – und genau das will man im Stadtmuseum jetzt anpacken. Zu einem Workshop trafen sich am vergangenen Samstag gut zwei Dutzend am Thema interessierte Mitglieder des Trägervereins, um Strukturen und Arbeitsschwerpunkte festzulegen. Weitere Treffen sowie eine Menge geistiger und handwerklicher Fleißarbeit werden nötig sein, um wie geplant die nächste Ausstellung mit dem Titel „Heimatfront“ im April dieses Jahres für die Bevölkerung eröffnen zu können.

Kreativität wird dabei mehr denn je gefragt sein, denn die mittlerweile entstandene räumliche Enge im Museum lässt eine Darstellung der Exponate und Dokumente nur auf begrenztem Raum zu. Dennoch sind alle Dürener aufgerufen, die Ausstellung durch mögliche Objekte, die sich in ihrem Besitz befinden, zu bereichern. Schon jetzt staunen die Verantwortlichen über die vielen eindrucksvollen Gegenstände und Dokumente, die einhundert Jahre nach Ausbruch des Krieges die Zeit überdauert und aus privater Hand den Weg ins Stadtmuseum gefunden haben. Wer etwas beisteueren möchte, ist jeden Dienstag ab 18 Uhr oder sonntags von 11 bis 17 Uhr im Stadtmuseum, Arnoldsweilerstraße 38, herzlich willkommen.


* * * * * * *
Von Knochensuppe und Rindfleischtee

Rezepte aus dem Ersten Weltkrieg

17.01. <>Früher aßen die Menschen andere Dinge als heute. Diese Tatsache ist wenig überraschend. Doch wenn man sich einmal näher mit Gerichten von vor rund einhundert Jahren beschäftigt, stößt man mitunter auf so manches Rezept, das damals als Delikatesse galt, nun jedoch gemeinhin Gänsehaut verursacht. Wer würde sich schon heutzutage über ein Murmeltierragout freuen, und wem würde beim Gedanken an Maikäfersuppe das Wasser im Mund zusammenlaufen? Doch in Kochbüchern aus dem späten 19. Jahrhundert findet man zahlreiche Rezepte dieser Art, und außerdem Hinweise, dass diese Gerichte nur zu besonderen Gelegenheiten gekocht wurden – sie waren also etwas ganz Besonderes und denen vorbehalten, die sich so etwas leisten konnten.

Mitarbeiter des Stadtmuseums sammelten im Herbst im Burgauer Wald schon einmal „Rohstoffe“ für die kommende Ausstellung

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, veränderte sich das Leben aller Menschen, egal ob arm oder reich. Wie stark – das lässt sich auch an den Kochbüchern und Rezepten aus dieser Zeit ablesen. Plötzlich musste man vielfach ohne Fleisch, ohne Fett und ohne Eier auskommen, und einige Lebensmittel erhielt man nur noch gegen Lebensmittelmarken. Doch die pfiffige Hausfrau griff zum Sparkochbuch und bereitete Eis und Kriegspfannkuchen ohne Eier oder Kaffee aus Getreide oder Bucheckern. Statt Kartoffelbrei gab es Kastanienpüree, und Pilze und Wildkräuter sammelte man selber im Wald. Von den Schlachttieren – sofern vorhanden – wurde fortan alles verwertet, denn man konnte es sich nicht leisten, etwas wegzuwerfen. So entstanden Rezepte für so wohlklingende Gerichte wie „Braune Knochensuppe“, „Lungenmus“, „Ochsenmaulsalat“, „Fleischreste-Pudding“ oder „Rindszunge in brauner Tunke“. Kranken und Genesenden bereitete man einen heißen „Rindfleischtee“ und Seife stellte man selber aus eventuell anfallenden und ungenießbaren Fettresten her. Der Einfallsreichtum und die Sparhinweise kannten keine Grenzen.

Doch all diese, heute ein wenig skurril anmutenden Bemühungen, den vielerorts herrschenden Hunger zu bekämpfen, sollen nicht darüber hinweg täuschen, wie groß die Not der Menschen trotz Ersatz-Produkten, Sparrezepten und Wildsammlungen wirklich war: Man kann es heute kaum noch nachempfinden, doch alleine in Deutschland starben zwischen 1914 und 1918 etwa 800.000 Menschen an Hunger und Unterernährung.

Das Thema "Ernährung in Kriegszeiten", Verwaltung des Mangels, aber eben auch die dadurch erzwungene Kreativität wird ein Schwerpunkt der Ausstellung „Heimatfront“ zum Ersten Weltkrieg in Düren sein, die im April 2014 im Stadtmuseum eröffnet wird.


* * * * * * *
Logo
Stadtmuseum Dueren