06. Kirchliches Leben
Katholische Kirche
Erste Pfarrkirche der Dürener Christen war die aus der Pfalzkapelle hervorgegangene St. Martins-Kirche. Sie wird 941, wahrscheinlich als Neubau, von Otto I. dem Aachener Marienstift nebst allen Einkünften geschenkt.

Mit dem Wachsen des Dorfes zur Stadt, das u.a. Ausdruck im Bau der Stadtbefestigung findet, wird an Stelle des romanischen ein neuer, frühgotischer Kirchenbau erstellt. Zu seinem Dach steuert das Aachener Marienstift, als Träger der Baulast, 1330 einen namhaften Betrag bei. Am 19. Januar 1348 wird das Patronat der Dürener Pfarrkirche von Karl IV. an den Jülicher Markgrafen Wilhelm übertragen.
Mit der Gründung des ersten Klosters in der Innenstadt 1459 durch die Franziskaner übernehmen diese weitgehend die seelsorgerische Betreuung der Dürener Pfarrgemeinde. Ein halbes Jahrhundert später wird mit der Übertragung des Annahauptes nach Düren die Entwicklung der Pfarre nachhaltig beeinflusst. Die Pilgerströme bedingen und ermöglichen gleichermaßen den Ausbau der Kirche, die jetzt gemeinhin St. Anna genannt wird (offiziell geschah dies erst 1868).
Der Stadtbrand von 1543 verschont auch die Annakirche nicht, deren Wiederaufbau erst 1568 beendet wird. Bereits 1555 wird jedoch die erste Orgel installiert, 1562/63 entsteht das Renaissance-Chorgestühl. Die Annakirche hat jetzt acht Altäre (gegenüber vierzehn vor dem Brand).
Die Zeiten sind, nicht nur wegen der 1517 ausgerufenen Reformation, sehr unruhig. Unklare Haltung des Landesherren Wilhelm V. und reformerische oder auch nachlässige Dienstausübung der jeweiligen Pfarrer beunruhigen die Gläubigen. Dies ändert sich erst wesentlich 1629 durch die Übertragung der Annapfarre an die Jesuiten, die die alte Kirchenordnung wieder herstellen. Sie prägten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ganz entscheidend das kirchliche Leben in Düren.
Mit der Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch die Franzosen werden auch die alten Kirchenstrukturen aufgelöst. Gegen die Kirche gerichtete, aber auch durch die Kriegsverhältnisse bedingte Maßnahmen äußerten sich darin, dass 1795 in der Dreifaltigkeitskapelle vor dem Kölntor ein Pulvermagazin eingerichtet wurde, in der Kapuzinerkirche ein solches für Heu und Früchte. In die Franziskanerkirche bauten die Militärbehörden Backöfen ein. Am 27. Mai 1798 werden alle religiösen Zeremonien außerhalb der Kirchengebäude verboten, 1802 werden bis auf wenige Ausnahmen die Klöster säkularisiert, ihre Mitglieder zwangsweise pensioniert und ihr Vermögen vom Staat beschlagnahmt.
Das bewirkt u.a., dass die Franziskanerkirche jetzt zur Annexkirche von St. Anna wird. Aus ihr entsteht 1832 die zweite Dürener Pfarrkirche St. Marien.
Das Jahr 1848 brachte für Preußen, zu dem die Rheinlande seit 1815 gehörten, das Ende des Staatskirchentums und damit erheblich mehr Bewegungsfreiheit. In der Folge gründeten sich im katholischen Umfeld u.a. ein Vinzenverein (1850), der unter Pfarrer Franz Anton Vaßen als erster freier Träger der Sozialarbeit das Dürener Waisenhaus einrichtete, und der Kolping-Verein (1853), der 1863 am Steinweg sein Gesellenhaus einweihen konnte.
Die rasch wachsende Bevölkerung der Stadt bedingte gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Einrichtung eines weiteren Pfarrbezirks. 1897 konnte die St. Joachimskirche in Nord-Düren geweiht werden, 1901 wurde sie zur Pfarre erhoben. 1923 folgte St. Bonifatius im Osten, 1938 St. Antonius und 1952 St. Josef.
Zur Pfarre St. Bonifatius gehört die Kirche St. Simon und Juda in Distelrath, im Volksmund „Ühledömche“ genannt. Der Turm stammt aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert, das Kirchenschiff wurde 1873 geweiht. Die Ansiedlung um die Kirche wurde 1698 von französischen Truppen zerstört, ein Blitzschlag ließ den wiederaufgebauten Ort 1754 erneut abbrennen.


Christliche Orden und Klöster
Orden unterschiedlichster Provenienz und Ausprägung haben in Düren eine lange und vielfältige Wirkungsgeschichte. Sie waren und sind heute noch in Mission und Seelsorge tätig, in Krankenpflege und im Bildungswesen sowie in nahezu allen Bereichen sozialer Fürsorge.
Seit dem 13. Jahrhundert bestanden an Klöstern bzw. Niederlassungen in Düren:
  • Johanniterkommende Velden
    nordwestlich Dürens, 1274 erwähnt, 1802 aufgegeben
  • Wilhelmiterkloster zum Paradies
    vor dem Philippstor gelegen, 1252 erwähnt, 2. Hälfte 16. Jahrhundert aufgegeben
  • Schottenkonvent
    in der Kämergasse (nur kurzfristige Existenz im 14. Jahrhundert)
  • Karmeliterkloster
    1317 in einem Haus am Kölntor errichtet, 1359 herzogliche Baugenehmigung für ein Kloster in der Obervorstadt; 1543 zerstört und aufgegeben. 1903 Karmelitessenkloster an der Kölner Landstraße eingeweiht.
  • Franziskanerkloster Bethanien
    1459 Klostergründung in der Philippstraße = erste Klostergründung in der Innenstadt, 1535 abgebrannt und sofortiger Neubau, 1670 erneuter Neubau, 1802 aufgegeben, 1832 zweite Dürener Pfarrkirche St. Marien, 1944 zerstört und wiederaufgebaut.
  • Cellitinnenkloster St. Gertrud
    1521 Gebäude in der Pletzergasse (Schwestern widmen sich der Krankenpflege),1619 und 1630 Neubau von Kirche und Kloster, 1802 nicht aufgehoben, Kirche 1861 abgebrochen und 1862 erneuert, 1944 zerstört. Mutterhaus nach dem Krieg im Marienkloster Niederau.
  • Annuntiatinnenkloster
    Seit 1628 in Düren, Zehnthofstraße, 1662 Erweiterung von Kloster und Kirche, 1802 aufgehoben, 1880 Abbruch der Gebäude.
  • Jesuitenkolleg
    Seit 1628 in Düren in der Pfaffengasse (später Jesuitengasse), Übernahme der Lateinschule und Ausbau zum Gymnasium. 1774 Aufhebung des Jesuitenordens. Die Dürener Kongregation der Exjesuiten engagiert sich weiter in der Seelsorge und am Gymnasium.
  • Kapuzinerkloster
    1635 Bezug des Dreifaltigkeitshospitals in der Kölnvorstadt, 1642 Umzug in die Stadt „an der Kalle“, 1655 Errichtung des Klosters und der Kirche, 1721 Klosterneubau, 1802 aufgehoben, Gebäude 1944 zerstört.
  • Elisabethinnenkloster
    1650 im Dürener Gasthaus an der Peschstraße gegründet (Krankenpflege), 1663 Bau der Kirche, 1879 Gasthauskloster und Kirche abgebrochen.
  • Ursulinenkloster
    1681 eröffnen Ursulinen eine Mädchenschule im Schwarzenbroicher Hof in der Schellengasse, 1686 Bau von Kloster und Kirche in der Kölnstraße am Kölntor, 1865 Verkauf des Klostergebäudes und Neubau ebenfalls in der Kölnstraße, 1878 Ausweisung im Kulturkampf, Rückkehr 1914, 1918 Bau eines Klostergebäudes in der Bismarckstraße, nach der Zerstörung 1944 Wiederaufbau, Träger der St. Angela-Schule.
  • Kongregation der Eucharistiner
    Seit 1920 in Düren, bis zur Zerstörung 1944 in der ehemaligen Ursulinenkirche in der Kölnstraße. Neubau der Kirche 1964, 1966 Vikariat St. Peter Julian, Auflösung der Pfarre zum 1.12.2000 und Abriss der Kirche in den Folgejahren.
Ohne eigene Niederlassung waren bzw. sind in Düren tätig:
  • Dominikaner (1368-1544)
    Besaßen wahrscheinlich am Steinweg ein Haus, „Predigerhof“ genannt.
  • Kreuzherren (1436-1802)
    Besaßen in der Schellengasse den „Kreuzbrüderhof“ bzw. das „Schwarzenbroicher-Haus“.
  • Borromäerinnen (seit 1855)
    Betreuen das 1855 gegründete Kath. Waisenhaus, heute Kinderheim St. Josef.
  • Missionare von der Heiligen Familie (1932-2001)
    Unterhielten in der Friedrichstraße das Haus „Bethanien“ als Schülerwohnheim.

Evangelisch-reformierte Gemeinde
Die Geschichte der reformierten Gemeinde Düren lässt sich bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen.
Die wenigen Reformierten im Dürener Land genossen meist nicht den Schutz der Obrigkeit. Sie wurden bestenfalls geduldet, ihre Versammlungen und Gottesdienste fanden an verborgenen und wechselnden Orten statt.
Einen Wendepunkt stellte die landesherrliche Anerkennung als Gemeinde im Jahre 1609 durch das sogenannte Reversal dar.
Reversal bedeutet soviel wie Versicherung oder offizielle Verpflichtungserklärung zur Einhaltung von Grundrechten. Durch dieses Reversal erhielten die Dürener Reformierten die Freiheit der öffentlichen Religionsausübung zugesichert.
Nach dem Reversal von 1609 folgte eine nur sehr kurze Phase konfessioneller Toleranz gegenüber den Evangelischen in unserer Region. Der Pfalz-Neuburger Wolfgang Wilhelm wechselte 1613 die Richtung und wurde katholisch, der Kurfürst von Brandenburg erklärte sich im gleichen Jahr zum reformierten Bekenntnis. Die gemeinsame Regierung des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg hörte mit dem Vertrag von Xanten im November 1614 auf. Der katholische Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm erhielt das Herzogtum Jülich und Kleve fiel an den reformierten Kurfürsten von Brandenburg.
Am Reversal wollten aber beide festhalten. Im Juni 1614 verkündete Wolfgang Wilhelm seinen Räten, Amtleuten, Städten und der Ritterschaft seines Landes in einem offenen Patent, trotz seiner Konversion zum katholischen Glauben die Bestimmungen des Reversals von 1609 hinsichtlich der Ausübung von Gottesdienst und Predigt einzuhalten.



Jüdische Gemeinde
Spuren jüdischen Lebens lassen sich in Düren schon im 13. Jahrhundert nachweisen. Nach dem Steuerverzeichnis für die Reichsorte zahlen die Dürener Juden 10 Mark Silbers. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts lebt zeitweise der Rabbiner Isaak ben Meir (um 1230-1315) in Düren, dessen Hauptwerk, das Ritualbuch „Scha’are Dura“, große Verbreitung fand. 1271 nimmt der Kölner Erzbischof Engelbert u.a. bei dem Juden Livermann von Düren ein Darlehen in Höhe von 400 Mark auf.
Die Pestepidemie von 1349 war Anlass für ein Pogrom, bei dem man die Juden der Brunnenvergiftung bezichtigte und dem wohl auch die jüdische Bevölkerung in Birgel und Düren zum Opfer fiel.
1461 wiederum erließ Herzogin Sophie von Berg ein Judenverbot für ihre Länder, zu denen auch das Herzogtum Jülich gehörte. 1476 bestätigte ihr Sohn Wilhelm IV. dieses Verbot. Herzog Johann von Jülich ordnete 1514 für Juden das Tragen eines „gelben Ringes“ an. Nach unbestätigter Überlieferung soll diese Anordnung jedoch schon 1515 nach einer Audienz des Joselmann von Rosheim bei Kaiser Maximilian wieder aufgehoben worden sein.
Diese ständig wechselnden Verhältnisse – zwischen Schutz durch Geleitbriefe und Ausweisung bis hin zu Pogromen – bedingten, dass es in Düren nur eine kleine jüdische Bevölkerung gab. Sie zählte 1799 39 Personen (einschließlich 10 Kindern unter 12 Jahren).
Die französische Besatzung des Rheinlandes brachte den Juden Fortschritt und neue Beschränkungen zugleich. Sie erhielten jetzt zwar alle Bürgerrechte, mussten aber ab 1808 ein Patent erwerben, um ihren Beruf ausüben zu können. Zur gleichen Zeit wurden sie per Dekret gezwungen, entgegen ihrer Tradition feste Vor- und Familiennamen anzunehmen.
Das 19. Jahrhundert brachte der jüdischen Bevölkerung im weiteren Verlauf weitgehende Gleichberechtigung, lediglich von der Ausübung staatlicher Ämter blieben sie weiter ausgeschlossen. In dieser Zeit wuchs die Zahl der jüdischen Einwohner Dürens auf das mehr als Fünffache, sie errichteten 1872 eine eigene Synagoge in der Schützenstraße mit angegliederter jüdischer Volksschule und assimilierten sich zunehmend der christlichen Bevölkerung.




Logo
Stadtmuseum Dueren
Ständige Ausstellung
Wahrzeichen der Stadt und Stolz der Dürener: die alte Annakirche.