Die Ständige Ausstellung
Seit Ende November 2010 ist nun auch der zweite Teil der Ständigen Ausstellung zur Dürener Stadtgeschichte, umfassend den Zeitraum von 1815 bis 1871, im großen Saal des Stadtmuseums zu sehen.
Auf den folgenden Seiten zeigen wir kleine Ausschnitte aus der Ständigen Ausstellung. Sie können – selbstverständlich – einen Besuch im Stadtmuseum nicht ersetzen.
01. Vor- und Frühgeschichte (eigener Raum)
Steinzeitliche Besiedlung ist anhand zahlreicher Funde im gesamten alten Stadtgebiet nachweisbar, allerdings keine Spuren einer Siedlung der Römerzeit innerhalb der mittelalterlichen Stadt. Einbeziehung der neuesten Forschungen von Heinrichs über die Existenz von „Marcodurum“ im Bereich von Mariaweiler.
02. Fränkische Besiedlung, Königliches Hofgut und Pfalz
Innerhalb der 747 als Versammlungsort genannten villa duria existierte westlich der 775 erstmals genannten Kapelle (Vorgängerbau der Annakirche) ein Königshof, der bis 774 zum palacium regium, einer königlichen Pfalzanlage, ausgebaut wurde. 747-779 war der Königshof bzw. die Pfalzanlage mehrfach Tagungsstätte für Gerichts-, Kirchen- und Reichsversammlungen. Kaiser Karl hat sich mehrfach in Düren aufgehalten, zuletzt 782.
03. Stadtwerdung und -befestigung
Nach der wahrscheinlichen Zerstörung 880/1 durch Normannen und dem 941 bezeugten Wiederaufbau der jetzt kleineren Kirche entwickelte sich in deren Umfeld eine Markt- und Gewerbesiedlung.
Die eigentliche Erhebung zur Stadt ist nicht überliefert, eine erste Erwähnung als städtische Siedlung datiert aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert, so dass für diesen Zeitraum der Beginn der Stadtbefestigung anzusetzen ist.
04. Düren als Marktflecken im Herzogtum Jülich, Handel und wirtschaftliche Entwicklung
Düren als Stadt der Märkte, 1325 erstmals Korn-, Vieh-, Hühner- und Brotmarkt genannt, die jeweiligen Örtlichkeiten erhalten entsprechende Straßenbezeichnungen.
Im 13. und 14. Jahrhundert wirtschaftliche Hochphase durch florierenden Woll- und Tuchhandel. Seit dem 15. Jahrhundert Metall und Textilien erzeugende und verarbeitende Gewerbe vorherrschend. Daneben bedeutender Wein- und Getreidehandel.
05. Düren als Wallfahrtsort nach dem Verbleib des Annahauptes in Düren
Den Verbleib der 1501 im Mainz gestohlenen Reliquie regelt eine päpstliche Bulle aus dem Jahre 1506. Danach Einsetzen einer lebendigen Wallfahrt. Annaverehrung als Ursprung der Annakirmes.
06. Kirchliches Leben
Neben der Pfarrkirche St. Martin bzw. St. Anna existierten bis zur Franzosenzeit teilweise bis zu 11 Ordensgemeinschaften / Klöster. Ab dem 16. Jahrhundert Aufkommen der reformierten Glaubensgemeinschaft.
07. Zerstörung Dürens 1543
Im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen dem Herzogtum Jülich und dem deutschen Kaiser Karl V. wird Düren belagert und weitgehend zerstört.
08. Niedergang der Stadt im 30jährigen Krieg und in den französischen Raubkriegen
Die Einwohnerzahl sinkt auf die Hälfte, Gewerbe und Handel gehen drastisch zurück, die Einwohner müssen ungeheure Lasten durch ständige Einquartierungen, Kontributionen, Plünderungen ertragen.
09. Französische Herrschaft 1794 - 1814
Nach der Eroberung durch Napoleon zeitweise Eingliederung in den französischen Staat mit gravierenden sozialen, gesellschaftlichen und politischen Veränderungen.
10. Eingliederung in das Königreich Preußen
Zentrale Errungenschaft der Französischen Revolution waren die gleichen staatsbürgerlichen Rechte für jeden Staatsbürger, das heißt bürgerliche Freiheit statt Leibeigenschaft und Erbuntertänigkeit. Dieses Grundprinzip der bürgerlich und liberal gedachten Gesellschaftsordnung hat mit seiner Umsetzung im Zivil-, Schuld-, Besitz- und Handelsrecht die bürgerlich-kapitalistische Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig gefördert.
Somit wurde eine moderne Konzeption von Staat und Gesellschaft entwickelt, aber auch die Ausbildung von bürokratischer Herrschaft, die den Bürger wieder zu einem Untertan der Verwaltung machte, zum Administré (= Verwalteten).
11. Die Entwicklung der Dürener Industrie
Auf Grund günstiger Standortbedingungen, maßgeblich geprägt von den aus religiösen Gründen ins Dürener Land eingewanderten protestantischen Unternehmerfamilien, legt die Dürener Industrie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Grundstein für späteren Weltruf.
12. Die Entwicklung der Infrastruktur
Der Ausbau des überregionalen Straßennetzes, teilweise privat finanziert, und vor allem der Anschluss an die Eisenbahnlinie Köln - Antwerpen 1841 eröffnen für Dürens Handel und Industrie völlig neue Absatzmärkte. Die Stadt überwindet durch Niederlegung weiter Teile der Stadtbefestigung ihre räumliche Begrenztheit und dehnt sich zunehmend nach allen Richtungen aus.
13. Anfänge des Schulwesens
Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1825 kann nicht darüber hinweg täuschen, dass insbesondere das Elementarschulwesen eine eher kümmerliche Existenz fristete.
14. Soziale Zustände
Die in jenen Jahrzehnten aufblühende Industrie zog eine große Zahl an Arbeitskräften in die Stadt, ohne damit bei der Schaffung von Wohnraum, der Versorgung mit sozialen Einrichtungen oder teilweise auch Lebensmitteln Schritt halten zu können. Bei Missernten oder Konjunkturschwankungen fielen so weite Teile der Bevölkerung ins soziale Elend.
Blick in den Ausstellungsraum