Unsere Serie in der Dürener Zeitung
In Zusammenarbeit mit der Dürener Zeitung haben wir im Sommer 2009 eine Serie „Bildersuche“ gestartet, mit der wir die Leser aufrufen, uns zu den jeweils abgebildeten Fotos nähere Erläuterungen zu geben.
Wenn Sie uns dazu etwas sagen können, rufen Sie uns einfach an unter
0 24 21 / 94 888 34 oder schreiben Sie uns eine Mail an hahne@schloemer.de


8) Detaillierte Antworten auf offene Fragen
Dürener Zeitung, 28.07.2010

Es ist Mittwoch, der 15. Dezember 1948. Vor der Birkesdorfer Geschäftsstelle der Kreissparkasse Düren haben sich zahlreiche Menschen versammelt, um einem von ihnen das letzte Geleit zu geben. Sparkassendirektor Lambert Hahn war am 10. Dezember im Alter von nur 54 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.
Franz Hützen rief uns als erster an. Als langjähriger Mitarbeiter des Dürener Instituts war er u.a. Projektleiter des City-Karrees und kannte Hahn noch persönlich. „Lambert Hahn wohnte über der Zweigstelle. Eines Tages kam er nach Hause und brach mit einem Herzinfarkt auf den obersten Treppenstufen zusammen.“ Hahn war über 26 Jahre bei der Sparkasse beschäftigt, seit 1944 als Leiter der Birkesdorfer Geschäftsstelle. Deren Gebäude ist übrigens noch das gleiche wie auf dem Foto, so Hützen, nur die Fassade ist geändert.
Erstaunlicher Weise, dies eine Anmerkung am Rande, fand sein Tod keinen Niederschlag in der damaligen Lokalpresse. Lediglich drei Todesanzeigen waren auszumachen.

Einen ausführlichen Brief erhielten wir von P. E. Bröcker, der etwas ganz Besonderes berichten konnte: Lambert Hahn war sein Onkel.
„So viel ich weiß, war das abgebildete Haus das einzige unbeschädigte Gebäude der Kreissparkasse nach den vielen Bombenangriffen. Im Erdgeschoss wurden die Geschäftsräume der Kreissparkasse eingerichtet; im Obergeschoss hatte Herr Dir. Hahn Wohnung genommen.
Etwa zwei Jahre vor seinem Tod hatte Herr Hahn schon einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich zwischenzeitlich erholt hatte. Abends nach Hause gekommen, ist er leider dann auf den oberen Stufen der Treppe mit tödlichem Herzinfarkt zusammengebrochen.
Ich hielt mich oft und gerne bei meinem Onkel Lambert auf, durfte ich ihn doch mit seinem Dienstwagen, einem Opel Kadett, Baujahr 1937, des öfteren chauffieren. Mein Vater hatte schon einen Fahrer. Gutes Essen hatte seiner Zeit einen hohen Stellenwert, und so nahm ich an manchem von seiner Haushälterin, Frau Bödefeld, bereiteten Essen gerne teil. Der gewichtige und strenge, mit Mittelscheitel und kurzen, zur Seite gekämmten Haaren frisierte Onkel Lambert pflegte beim Frisörbesuch zu sagen: ‚Ich wünsche keine Unterhaltung.’“

Die uns heute etwas ungewöhnlich anmutende Sitte der Aufbahrung verstorbener leitender Mitarbeiter wurde allem Anschein nach auch später noch fortgesetzt. DZ-Leserin Liesel Gröbel schrieb uns dazu: „Mit Interesse verfolgen mein Mann und ich die ‚Spurensuche’ in der DZ. Mein Onkel, Werner Wittgen, geb. 1907, war Filialleiter der Kreissparkasse Düren in Birkesdorf. Als er im August 1957 verstarb, wurde sein Sarg in der Kassenhalle aufgebahrt. Das Beerdigungsinstitut Hannot + Gülden aus Birkesdorf hat dies vorgenommen. Der Trauerzug ging dann durch die Kirchgasse zum Friedhof. Was gegen die Beerdigung meines Onkels spricht, dass die Anwesenden warme Mäntel tragen. Aber vielleicht haben Sie ja schon Antworten auf Ihre Fragen bekommen. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Beitrag.“

Dieser Beitrag heute dreht sich um die sogenannte
„Dürener Brotfabrik“ des Peter Quester, gelegen in der Oberstraße 37. Außer einigen Zeilen in einem Dürener Bildband der 70er Jahre war dazu leider nichts zu finden. Wer weiß, wie lange diese Firma existiert hat? Wer hat vielleicht noch andere Ansichten des Gebäudes oder sogar der Innenräume? Wer kann das heutige Foto genauer datieren?


7) Das weiche Wasser der Rur
Dürener Zeitung, 18.05.2010

Zu den Bereichen der Dürener Stadtgeschichte, die noch intensiv aufgearbeitet werden müssen, gehört mit Sicherheit auch der Arbeitsalltag in Handel, Gewerbe und Industrie.
Insofern hatten wir uns schon mehr Erkenntnisse aus unserer letzten Bildersuche erhofft. Das aus heutiger Sicht „romantische“ Foto zeigte eine Gruppe von Arbeitern, die – offensichtlich mit einer behelfsmäßigen Konstruktion – an einer Leitung arbeiten.

Einzig unser Leser Wolfgang Guder aus Kreuzau wusste etwas zu dem Bild zu sagen, das allerdings sehr detailliert. Er schreibt: „Meiner Meinung nach handelt es sich bei dem Bild um Brunnenbauarbeiten an der Rur, wie sie früher fast jedes Jahr notwendig waren. Alle Feinpapierfabriken im Raum Düren nahmen das Oberflächenwasser aus der Rur für ihre Produktion. Heute noch sind im Rurgelände an vielen Stellen die Einzugsbrunnen dieser Wassergewinnung zu finden.
Zwischen einem Einzugsbrunnen und der Rur wurde ein Graben ausgehoben und mit gewaschenem Kies verfüllt, zur Rur hin mit gröberem Kies bis zu faustdicken Steinen direkt am Wasser, zum Brunnen hin immer feiner werdend. Diese natürlichen Kiesfilter arbeiteten sehr effektiv und lieferten im Einzugsbrunnen ein klares, von Schwebestoffen freies Wasser ab. Von den Einzugsbrunnen gingen dann Sammelleitungen zu einem Pumpenhaus, von wo aus das Wasser in die Papierfabrik gelangte und hier mit verschiedenen Filtern praktisch auf Trinkwasserqualität gebracht wurde. Das Wasser war weich mit einer Härte von 6-16 DH und ideal zur Herstellung von Feinpapieren.
Was nun das Bild angeht, sehe ich links ein Saugrohr und hinter der Überdachung ein Druckrohr abgehen. Unter der provisorischen Überdachung steht evtl. die Pumpe, damals meist Kolbenpumpen, welche angetrieben wird durch eine Lokomobile. Diese ist zwar nicht sichtbar, aber man sieht den Treibriemen, der rechts von der Lokomobile zur Pumpe und zurück geht. Mit diesen großen Pumpen versuchte man, den ausgeschaufelten Einzugsgraben zu entwässern, um ein neues Filterbett einzubringen. Ich bin der Meinung, dass es sich um die jährlich in der Teichwoche anfallenden Arbeiten einer Papierfabrik an der Rur handelt, entweder Felix Heinrich Schoeller, Hugo Albert Schoeller, Schoellershammer oder Gebr. Hoesch in Kreuzau. Ich selber habe als Kind noch solche Arbeiten an der Rur gesehen, kann mich aber an Einzelheiten nicht mehr erinnern.“

Vielleicht können ja an Hand dieser Aussagen ehemalige Mitarbeiter von Papierfabriken noch weitere Details beisteuern.

Immer noch ungeklärt ist der Standort der französischen Buchhandlung, die wir auf unserem zweiten Suchbild dargestellt haben.
Allerdings laufen zur Zeit intensive Recherchen von Mitarbeitern des Stadtmuseums beim Archiv der Messageries Hachette in der Normandie, wo man noch Unterlagen zu finden hofft.
Unser
heutiges Bild  wirft gleich eine ganze Reihe von Fragen auf. Offensichtlich wird ein hochrangiger Mitarbeiter der Kreissparkasse Düren zu Grabe getragen. Kann jemand etwas über den Zeitpunkt dieses Ereignisses sagen? Sind Personen auf dem Bild zu erkennen? Warum ist der/die Verstorbene allem Anschein nach im Gebäude der Kreissparkasse aufgebahrt gewesen?


6) 650 000 Liter Kaffee und viele andere „Liebesgaben“
Dürener Zeitung, 12.01.2010

Zugegeben, das jüngste Bild unserer Serie „Spurensuche“ war eine harte Nuss. „Was um Himmels Willen haben wir heute noch mit dem Vaterländischen Frauenverein zu tun?“, mag sich manch ein Leser angesichts der Fotografie gedacht haben. Nun, immerhin handelt es sich um eine der Vorläuferorganisationen des Deutschen Roten Kreuzes. Aus den eingehenden Informationen und eigener Recherche konnte das Stadtmuseum die Geschichte des Vereins rekonstruieren.
Der Vaterländische Frauenverein wurde von der preußischen Königin und späteren deutschen Kaiserin Augusta 1866 gegründet. In Düren entstand 1871/72 ein Zweigverein, der laut Statuten den Zweck verfolgte, „in Kriegszeiten alle zur Fürsorge für die im Felde Verwundeten und Erkrankten dienenden Einrichtungen zu fördern und zu unterstützen“. Seine Mittel sollten insbesondere dazu dienen, „den verwundeten und erkrankten Kriegern in Vereinslazaretten Hilfe zu bringen, durchfahrenden sowie auch den auf dem Kriegsschauplatze stehenden Truppen Bekleidungsgegenstände, Nahrungsmittel und Erfrischungen zuzuführen sowie den hilfsbedürftigen Angehörigen der im Kriege befindlichen Soldaten Unterstützungen zu gewähren“, wie das Dürener Bürgerbuch von 1896 formulierte. Der Verein genoss großzügige Unterstützung vor allem durch das Dürener Bürgertum. 1898 konnte er sogar ein von dem Industriellen- Ehepaar Agnes und Eberhard Hoesch geschenktes Haus an der Holzstraße als Vereinsheim eröffnen. Agnes Hoesch war auch bis zu ihrem Tode 1903 langjährige Vorsitzende und hinterließ dem Verein 150 000 Mark.
Nun folgten dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 allerdings mehr als vier Jahrzehnte des äußerlichen Friedens, in denen sich der Verein, wollte er nicht überflüssig werden, weitere Aufgaben setzen musste. So sollte er „in Friedenszeiten, abgesehen von seiner und seiner Mitglieder Vorbereitung zu tüchtiger Kriegsarbeit bei Linderung außerordentlicher Notstände augenblickliche Hilfe leisten, jeder dauernden Not und den Ursachen von Notständen nach Kräften entgegentreten und das Wohl der unbemittelten Volksklassen durch Gründung und Unterstützung gemeinnütziger Einrichtungen und Anstalten nach Kräften fördern“. Auf einem vom Ehepaar Hoesch an der Rurstraße geschenkten Grundstück sollten beispielsweise Muster-Arbeiter-Häuser gebaut werden. Allem Anschein nach war der Verein auch im geselligen Bereich aktiv, wie drei Fotos von den sogenannten „Werningschen Vaterländischen Festspielen Düren 1909“ nahelegen, die uns DZ-Leser Wilhelm Bürvenich schickte.
Besondere Wirksamkeit entfaltete der Frauen-Verein mit Beginn des Ersten Weltkrieges. Büchsensammlungen, Kollekten und Spenden erbrachten im ersten Kriegsjahr über 253 000 Mark.
Dem Jahresbericht für 1914 können wir entnehmen, dass die Erfrischungsstelle am Bahnhof für die Verpflegung durchfahrender Truppen seit dem 2. August 1914 insgesamt 650 000 Liter Kaffee sowie Suppen, Brote, Lebensmittel und andere „Liebesgaben“ ausgegeben hat. Wie unserem Foto zu entnehmen war, wurden an der „Verpflegungsstation“ am Bahnhof auch Wollwaren verkauft.
„Das weitere Schicksal des Dürener Vaterländischen Frauen-Vereins liegt weitgehend im Dunkeln und wäre ein reizvolles Forschungsthema“, bilanziert Bernd Hahne vom Stadtmuseum.

Natürlich gibt es heute wieder ein
neues Bild  zur „Spurensuche“. Es zeigt eine Gruppe von Arbeitern mit ihrem Vorarbeiter, Ort und Zeitpunkt der Aufnahme sind unbekannt. Wer kann etwas dazu sagen, was die Männer dort gerade bauen beziehungsweise verlegen? Kennt jemand eine der abgebildeten Personen? Weiß jemand, wo die Arbeiter für den Fotografen posieren? Leicht wird es wieder nicht, doch womöglich lohnt sich die Spurensuche.  


5) Viele sprechen von einem kleinen Wunder
Dürener Zeitung, 21.11.2009

Zahlreiche, teilweise sehr detaillierte Rückmeldungen gab es auf unser letztes Bildersuchrätsel. Das mag auch daran gelegen haben, dass es nicht so sehr weit zurück ging: Das dort festgehaltene Unglück passierte genau am 16. Dezember 1970.

Das Wichtigste vorab: Außer dem Schaffner Bernhard Prumbach, der in seinem Häuschen im letzten Wagen saß und mit diesem in die Tiefe stürzte, kam niemand zu Schaden. Der Schaffner konnte nach kurzer Behandlung im Dürener Krankenhaus entlassen werden – körperlich nur mit leichten Blessuren, psychisch allerdings unter starkem Schock und traumatisiert, so dass er zum Hergang gar nichts erzählen konnte, wie uns seine Witwe sagte. Was sie immer noch aufbringt, ist die Tatsache, dass diese Folgen des Unfalls seitens der damaligen Bundesbahn nicht anerkannt wurden.
Dass sonst niemand verletzt oder gar getötet wurde, bezeichnen viele Leser als kleines Wunder. Befand sich doch unmittelbar an der Absturzstelle eine Haltestelle der ehemaligen Dürener Eisenbahn AG, an der jetzt die Busse der Dürener Kreisbahn in Richtung Inden abfuhren.
Ursache des Unglücks war eindeutig menschliches Versagen. Normaler Weise wurde dieser Zug, der in Düren eingesetzt wurde, morgens kurz vor sechs über das Gleis der nördlichen Brücke zurück rangiert, um dann in Gleis 3 zur Abfahrt bereit gestellt zu werden. Dazu musste natürlich eine Weiche gestellt werden, was just an diesem Morgen nicht rechtzeitig passierte. Ob der Fahrdienstleiter irrtümlich „freie Fahrt“ gab, der Lokführer (ohne Sicht auf den Fahrweg, da der Zug geschoben wurde) zu früh los fuhr – die Ergebnisse der bahninternen Untersuchungen wurden der Öffentlichkeit, wie damals üblich, nicht mitgeteilt.

„Da beim Überfahren des Prellbocks die Hauptluftleitung des Zuges zerrissen ist, kam der restliche Zug  durch die automatisch eingeleitete Zwangsbremsung vor der Mauer zum Stehen“, schrieb uns DZ-Leser Hans Georg Eich vom Regionalbereich West, der am 01.09.1970 seine Ausbildung bei der Deutschen Bundesbahn in Düren aufgenommen hatte. „Wie man auf dem in der Zeitung abgebildeten Bild sehen kann, fehlt dem abgestürzten Waggon der hintere linke Puffer. Dieser Puffer ist beim Aufprall des Waggons auf die Straße abgebrochen und hat die unter dem Gehweg verlaufende Wasserleitung zerschlagen.“

Peter Mehrlein pendelte in diesen Jahren jeden Morgen zur Ausbildung nach Köln. Als er morgens mit dem Fahrrad zum Bahnhof kam, traute er seinen Augen nicht. „Zwischen Klagemauer und gegenüberliegende Straßenseite passte keine Maus mehr.“

Jürgen Roßkamp und Willy Rövenich erinnern sich, wie einige andere auch, dass sie auf ihrem Weg zur Schule aufgefordert wurden, die Unfallstelle mit dem Fahrrad „weiträumig zu umfahren“.

Unmittelbar beobachten konnte dagegen die ganze Szenerie Frau Doinet: Sie wohnte damals im ersten Haus hinter der Brücke und wurde früh morgens durch den Aufprall förmlich aus dem Bett geworfen.

Erstaunlich ist, dass dieses Unglück nicht, wie man hätte erwarten können, einen breiten Niederschlag in der Zeitung fand. Geradezu nüchtern berichtete die Dürener Zeitung am Tag danach (auf der Seite „Land an Rhein und Maas“): „Waggon stürzte sechs Meter tief“. Einen Tag später erinnerte die Redaktion an ein ähnliches Unglück – im Jahre 1931.

Personen auf dem Foto konnten leider kaum identifiziert werden. Lediglich Doris Pfafferott aus Kreuzau ist sich sicher, ihren Vater, zu der Zeit stellvertretender Direktor des Bundesbahnbetriebsamtes Düren, im Vordergrund zu sehen. Peter Kaptain meint, im Herrn mit Baskenmütze seinen Vater Johannes, zu der Zeit Landrat des Kreises Düren, im Gespräch mit Theo Clemens sen., dem stellvertretenden Amtsdirektor von Kreuzau, zu erkennen.

Eine interessante Bemerkung machte Peter Mehrlein noch zu der Stimmung, die sich mit dem Bild vermittelt. Dass dies der Beginn der 70-er Jahre sei, könne „man angesichts der Bilder (Uniformen, Fahrzeuge, ‚graues Nord Düren’ usw.) kaum glauben. Es zeigt aber auch, wie alt und grau teilweise noch alles in dieser Zeit war.“


4) Das Zugunglück am Dürener Bahnhof
Dürener Zeitung, 22.10.2009

„Vor diesem Ehrenmal fanden jedes Jahr irgendwelche Feiern statt. Dabei standen die Primaner immer in der ersten Reihe, was für sie den Vorteil hatte, dass sie die Mädchen vom gegenüberliegenden Lyzeum besser sehen konnten.“ DZ-Leser Max Heyder verbindet so seine ganz eigenen Erinnerungen mit dem Foto aus dem vorigen Teil unserer Serie. Er hatte, wie viele andere, meist ehemalige Schüler, kein Problem damit, das Ehrenmal zu identifizieren: Es sollte an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler des Realgymnasiums (heute Gymnasium am Wirteltor) erinnern und stand im Hof der Schule, die sich damals in der Schenkelstraße befand, zwischen Schulgebäude und Direktorenhaus. Sein Bruder Ernst Heyder lieferte dazu gleich noch eine entsprechende Skizze.

Otto Küpper, Redakteur im Ruhestand und heute noch für den Aachener Zeitungsverlag tätig, fand auf dem Ehrenmal den Namen seines Onkels Bruno Frenzel wieder. „Er war von der Schulbank weg (mit dem Notabitur in der Tasche) 1916 freiwillig in den Krieg eingezogen – wie wohl auch alle Mitschüler seines Jahrgangs“, schreibt Küpper und weist damit auf die damals herrschende „Kriegsbegeisterung“ hin, die auch in den offiziellen Schriften der Schule ihren Niederschlag findet. So heißt es in einem Beitrag zur Hundertjahr-Festschrift 1928 „Unsere Schule im Weltkriege“ von Professor August Lüdenbach zum Einzug des 83. Feldartillerie-Regiments in die Garnison Düren am 1. August 1914:
„Mit gierigen Augen haben unsere Schüler den Einzug gesehen, und am Abend sind sie durch die Stadt gezogen, haben ein paar dutzendmal die Wacht am Rhein gesungen, was die Lungen hielten, und in der Nacht vielleicht von Krieg und Heldentum geträumt.“ , um dann aber fort zu fahren: „Das 83. Feldartillerie-Regiment hat viele unserer jungen Helden vom Realgymnasium aufgenommen, und an seinen zerschmetterten Geschützen floß viel edles, junges und reines Herzblut unserer lieben Jünglinge. Bei den Batterien der Dreiundachtziger hat man auch Tote zu Grabe getragen, deren Namen auf dem Ehrenmal am Realgymnasium stehen, und um die Vater und Mutter bitterlich geweint.“

In dieser Festschrift finden sich auch die gleichen Namen wie auf dem Ehrenmal, was uns Horst Böhm mit entsprechenden Kopien belegte. Nicht erinnern konnten sich die ehemaligen Schüler, wann dieses Ehrenmal errichtet worden war – dazu waren sie schlicht zu „jung“. Es war von der Vereinigung ehemaliger Schüler zum 100-jährigen Bestehen der Schule gestiftet worden und wurde im Rahmen der Feierlichkeiten am Sonntag, dem 21. Oktober 1928 eingeweiht. Ein Exemplar der gedruckten Einladung dazu wurde jetzt dem Stadtmuseum von Oliver Engels übergeben. Zerstört wurde das Ehrenmal höchst wahrscheinlich am 16.11.1944.

Unser viertes Foto stammt aus den 1960-er Jahren. Es zeigt ein spektakuläres Eisenbahnunglück am Dürener Bahnhof. Offensichtlich hat ein Zug den oberhalb der sogenannten „Klagemauer“ nördlich der zweiten Brücke befindlichen Prellbock überfahren und ist in die Josef-Schregel-Straße gestürzt. Wer kann nähere Angaben dazu machen: Wann und wie es genau geschehen ist, ob Personen dabei zu Schaden kamen? Wer kann auf dem Foto erkennbare Personen identifizieren? Weitere Fotos dazu finden Sie
hier .


3) Das Ehrenmal am Realgymnasium
Dürener Zeitung, 26.09.2009

Das war wirklich eine harte Nuss gewesen, die das Stadtmuseum unseren Lesern mit dem letzten Bildrätsel zu knacken gegeben hatte. Und, um es vorweg zu sagen: Sie wurde nicht geknackt.
Zu sehen gewesen war eine Buchhandlung, die ganz offensichtlich die französischen Besatzungstruppen nach dem Ersten Weltkrieg mit Lesestoff versorgen sollte. Aus eigenem Erinnern dürfte sie in der Tat kaum einer unserer Leser noch erkannt haben, stammte die Aufnahme doch von 1921. Allerdings gab es eine ganze Reihe von Anrufen und Hinweisen, die sich auf das Haus bezogen.
Unsere Leserin Liesel Stahlmann, Jg. 1920, meint in dem Haus die spätere Buchhandlung Zanders in der Wirtelstraße erkannt zu haben. Dorthin ging sie öfter nach dem Unterricht in der kath. Volksschule, die in der Kölnstraße lag, um sich mit der Buchhändlerin Frl. Paulus zu unterhalten, die sie in sehr guter Erinnerung hat.

Heinrich Kruse, Jg. 1918, widerspricht dieser Identifizierung mit dem ernst zu nehmenden Einwand, die Geschäfte in der Wirtelstraße hätten keine Treppenstufen gehabt. Er sieht das Geschäft eher in der Josef-Schregel-Straße, neben Zucker Bücker, worauf der im rechten Schaufenster ansatzweise erkennbare Schriftzug „Schokolade“ hindeuten könnte.

Weder diese beiden noch die anderen Hinweise und Vermutungen ließen sich bis jetzt verifizieren. Auch die Adressbücher der Stadt Düren aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg geben keinen Aufschluss, eine entsprechende Buchhandlung war dort nicht zu finden.

Unser Artikel war natürlich auch Gegenstand lebhafter Gespräche und Erörterungen am Stand des Stadtmuseums auf dem Stadtfest. Dort gab es aber noch eine weitere Aufgabe zu lösen: Sechs markante städtische Gebäude waren in die richtige Reihenfolge, nämlich nach dem Zeitpunkt ihres Entstehens, zu bringen. Es handelte sich dabei um den Bahnhof, das Leopold-Hoesch-Museum, das Stadttheater, den Kölnplatz mit Neuem Wasserturm und den Kolonnaden, das Landratsamt und das Amtsgericht. Während Bahnhof als ältestes und Amtsgericht als jüngstes Gebäude relativ schnell erkannt waren, bereitete die richtige Aufeinanderfolge der anderen markanten Sehenswürdigkeiten der Stadt insofern Schwierigkeiten, als diese vier in einem Zeitraum von gerade einmal sieben Jahren, von 1905 bis 1912, errichtet wurden. Es war jene goldene Zeit, in der die Stadt Düren, gemessen an der Zahl der in ihr wohnenden Millionäre, den dritten Platz in Preußen belegte.

Um so erstaunlicher ist für die Aktiven des Stadtmuseums, dass es unter den zahlreichen abgegebenen Lösungsvorschlägen nicht weniger als dreißig richtige gab. Diese Stadtkenner (eine Auflistung findet sich unter www.stadtmuseumdueren.de) erhalten eine Urkunde mit den Fotos der Gebäude und einem Original Stadtsiegel.

Das dritte Foto unserer Serie zeigt ein Ehrenmal für gefallene Lehrer und Schüler. Wir fragen nach dem Standort bzw. der Schule und nach dem Schicksal des Ehrenmals.
Die Namen auf dem Ehrenmal und das Foto finden Sie nochmals zur besseren Betrachtung
hier


2) Die französische Buchhandlung
Dürener Zeitung, 09.09.2009

„Das Telefon stand buchstäblich nicht mehr still“, strahlt Bernd Hahne, 2. Vorsitzender des Trägervereins Stadtmuseum, mit der August-Sonne um die Wette. „Die Resonanz der Leserinnen und Leser der Dürener Zeitung auf das erste Foto unserer Serie war wirklich toll!“

Zu sehen war der Wirteltorplatz zu Beginn der 1950-er Jahre, noch gezeichnet von den großen Lücken, die der Krieg mit seinen Bombenangriffen gerissen hatte, aber auch schon mit wieder aufgebauten Wohn- und Geschäftshäusern und lebhaftem Verkehr. Gefragt war vor allem nach einem genauen Zeitpunkt der Aufnahme.

Erster Anhaltspunkt für die meisten Leser war die Kaufhalle. Sie wurde im September 1949 an diesem Standort eröffnet, nachdem sie bis dahin in der Uhlandstraße beheimatet war. Eine Leserin wusste das deshalb so genau, weil sie dort vier Jahre lang gearbeitet hat. Und Hans Manfred Essers Vater war dort sogar einige Zeit Geschäftsführer, ehe er sich mit seinem eigenen Bekleidungsgeschäft (Hosen Esser) selbständig machte.

Bezüglich der Geschäfte auf der rechten Seite des Fotos gab es dann schon größere Unterschiede. „Fixpunkte“ waren natürlich die „Schauburg“, deren Saal noch am rechten Bildrand zu erkennen ist, Eisen Köller und das Hotel Germania. Was sich jedoch dazwischen an kleineren Geschäften befunden hatte, darüber gingen die Angaben teilweise weit auseinander.

Totale „Fehlanzeige“ war dagegen die Plakatwand mit der Ankündigung des Gastspiels der Eisrevue „Scala“. Zwar konnten sich einige noch an die Veranstaltung auf dem Annakirmesplatz erinnern, jedoch keinen Zeitpunkt mehr nennen. DZ-Leser Helmut Maus wusste dagegen noch genau, dass er mit einem Sohn der Schaustellerfamilie Casper in eine Klasse der Peschschule ging. Die Familie blieb schließlich in Düren wohnen.

Den entscheidenden Tipp gab schließlich unser Leser Wilhelm Bürvenich, der uns darauf hinwies, dass dieses Foto am 8. November 1952 in der Dürener Zeitung erschienen war. Von daher ließ sich auch schnell ermitteln, dass die „Scala“ vom 17. Oktober an mehrere Wochen in Düren gastiert hatte.

Dem ersten Nachkriegs-Adressbuch von 1954 konnten die anderen Geschäfte entnommen werden:
Außer der Kaufhalle waren dies am Wirteltorplatz noch Franz Josef Cäsar, Das Fachgeschäft für Augenoptik; Minartz - Chr. Heinen, Textil- und Bekleidungshaus; Möbelhaus Josef Courth und Rudolf Otto (der Schwiegersohn), Fachgeschäft für Innendekoration, sowie Bernartz Herren- und Knaben-Fertigkleidung.
In der Josef-Schregel-Str. folgten auf der rechten Seite Schauburg-Lichtspiele G.m.b.H.; Esser Leo Wwe. Tabakw.-Groß- u. Einzelhandlung; Josef Köller, Eisen- und Eisenwaren-Groß- und Einzelhandel, Haus- und Küchengeräte, Herde, Oefen, Werkzeuge; Ewald Grüsser, Blumenhaus; Möbel Müller KG; Lohr Sanitätshaus, Inh.: A. Paquin, Miederwaren, Bandagen, Einlagen; Nikl, Elektro - Musikhaus; Josef Hünerbein, Metzgerei; Kaiser Maria und Gerda Lebensmittel, Feinkost, Süßwaren, Weine, Spirituosen; Hotel Germania Martin Faßbender und das Dürener Kaufhaus Adolf Hoegel. Auf der linken Seite lagen Buchhandlung Dietrich Krüger, vorm. Wilhelm Solinus; Blumenhaus Theo Portz; Erich Laugsch, Schuhhaus – Schuhreparatur; Textil-Haus Hintzen; Hannemann & Koenig, Tuchhaus, und Fahrrad Schuster.

Weniger die persönliche Erinnerung als vorhandenes Wissen ist beim
zweiten Foto  unserer Serie gefragt. Gezeigt wird eine Buchhandlung, die offenbar für die französische Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg den Lese- und Unterhaltungsstoff vorrätig hielt. Die Rückseite der Postkarte trägt das Datum „Jeudi, 24 Novembre 1921“. Weiß jemand, wo sich diese Buchhandlung befand und wie lange sie dort existierte?



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