Unsere Serie in der Dürener Zeitung
In Zusammenarbeit mit der Dürener Zeitung haben wir im Sommer 2009 eine Serie „Bildersuche“ gestartet, mit der wir die Leser aufrufen, uns zu den jeweils abgebildeten Fotos nähere Erläuterungen zu geben.

Wenn Sie uns dazu etwas sagen können, rufen Sie uns einfach an unter 0 24 21 / 94 888 34 oder schreiben Sie uns eine Mail an info@stadtmuseumdueren.de



25) Kopfzerbrechen und Vergnügen

Dürener Zeitung, 19.12.2013

Zugegeben, liebe Leserinnen und Leser, unsere letzte Bildersuche ist schon eine Weile her. Damals ging es um Ihre ganz persönlichen Erinnerungen rund um die Annakirmes. Das bedeutet aber nicht, dass im Stadtmuseum in der Zwischenzeit nichts passiert wäre oder es etwa keine ungeklärten Fragen mehr gäbe. Im Gegenteil: Die Zahl der im Stadtmuseum gesammelten Fotos unterschiedlichster Art und Herkunft wächst ständig und damit auch die Menge an Fragen, die diese Fotos oft stellen.

In diesem Zusammenhang sei an dieser Stelle auch einmal ein herzliches Dankeschön ausgesprochen an alle, die sich an der Enträtselung der Fotos beteiligen oder dem Stadtmuseum sogar eigene Fotos, ja manchmal ganze Alben zur Verfügung stellen, um sie digitalisieren und anschließend auch zeigen zu können. Eine ganze Reihe solcher Schätze sind übrigens auch in der aktuellen Ausstellung "Dürens Goldene Jahre 1871-1914" zu sehen.

Um das Bildarchiv im Stadtmuseum optimal nutzen zu können, müssen die Inhalte, nach Möglichkeit auch Urheber, Entstehungsort und -zeit der Fotos möglichst genau und detailliert erfasst werden. Deshalb finden regelmäßig samstags sogenannte "Bildbetrachtungen" statt, bei denen die Fotos mit moderner Technik auf eine Leinwand vergrößert und analysiert werden. Das kann manchmal Kopfzerbrechen bereiten, macht aber meistens viel Spaß. Wer also Lust und Zeit hat, sich an dieser zwanglosen Detektivarbeit zu beteiligen, ist herzlich eingeladen. Die Termine finden Sie auf der Webseite des Stadtmuseums: www.stadtmuseumdueren.de.

Aber natürlich werden wir ab jetzt auch wieder regelmäßig an dieser Stelle Fotos zeigen, zu denen es Fragen gibt.

Mit dem heutigen Suchbild begeben wir uns in die Zeit des "Dritten Reiches", im Bildhintergrund ist nämlich die Geschäftsstelle des "Westdeutschen Grenzblattes", der Lokalausgabe der Nazi-Zeitung "Westdeutscher Beobachter" zu sehen. Der Rest ist unklar. Kann Jemand sagen, um welchen "Festzug" es sich handelt und aus welchem Anlass er veranstaltet wurde, wann er stattfand und vielleicht auch, wer die Personen auf dem Wagen sind? Wir sind, wie immer, für jeden noch so kleinen Hinweis dankbar.



24) Anekdoten und Fotos rund um die Annakirmes

Dürener Zeitung, 09.07.2013

Düren. Können Sie sich noch an den ersten Kirmesbesuch erinnern? Die erste Zuckerwatte? Den ersten Kuss auf dem Riesenrad? Wie sah die Kirmes zur Zeit des Wirtschaftswunders aus? Haben Sie noch Fotos aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg? Liebe Leser, bei der heutigen „Spurensuche“ von DZ und Stadtmuseum sind wir ganz besonders auf Ihre Hilfe angewiesen. Zum 375. Geburtstag der Annakirmes bitten wir Sie um möglichst persönliche Erinnerungen an das und Fotos vom Volksfest. Es wäre schön, wenn Sie Anekdoten, schöne und nachdenklich stimmende Geschichten rund um die Annakirmes der vergangenen Dekaden zu Papier bringen und uns schicken könnten. Auch über historische Fotos freuen wir uns. Unsere heutigen „Suchbilder“ aus der umfangreichen Sammlung von Hans-Bert Cremer und Fred Oepen dienen daher ausnahmsweise eher der Anregung.

Die Anschrift des Museums lautet: Stadtmuseum Düren, Arnoldsweilerstraße 38, 52351 Düren. „Originale von Bildern gehen garantiert zurück“, versichert Bernd Hahne vom Stadtmuseum. Per E-Mail können Sie Erinnerungen und Erlebnisse an info@stadtmuseumdueren.de und s.johnen@zeitungsverlag-aachen.de einsenden. Einsendeschluss ist Freitag, 19. Juli. Für ein persönliches Gespräch stehen Bernd Hahne vom Stadtmuseum und DZ-Redakteur Stephan Johnen am Montag, dem 15. Juli 2013, von 18 bis 20 Uhr im Museum an der Arnoldsweilerstraße zur Verfügung. Eine Auswahl der Beiträge und Fotos wird in der Zeitung veröffentlicht. Wir freuen uns, von Ihnen zu lesen oder Sie persönlich im Stadtmuseum begrüßen zu können!

Natürlich gibt es heute auch die Auflösung der vergangenen „Spurensuche“: Reichlich kahl sah das Gelände auf dem Bild aus, und doch konnten viele Leser das Meiste darauf identifizieren. Die Häuserzeile war schnell als Beginn der Straße „Am Pletzerturm“ erkannt, nicht zuletzt aufgrund der gleichförmigen Ladenzeile im Erdgeschoss. Bauunternehmer Friedrich Berbuir (sein Großvater hatte das Geschäft 1883 gegründet) datierte das Foto in die erste Hälfte der 1950er Jahre. In der Tat gehörten diese Häuser zu den ersten Wiederaufbaumaßnahmen in der Innenstadt, noch bevor das „Aufbauprogramm 500“ ins Leben gerufen wurde. Auf der jetzt noch freien Fläche davor wurde im April 1955 das neue Postamt in Betrieb genommen, wie Oliver Engels recherchiert hat.

Rechts im Bild erkannte Friedrich Berbuir in dem zweistöckigen Gebäude die Praxis „Dr. Acker“, links daneben, noch als Verkaufsbude, die Firma Rouette. Die im Hintergrund auszumachenden Häuser, die zur Wirtelstraße gehören, gehörten seiner Meinung nach zu Drossart-Breuer. Ganz rechts am Bildrand sah er die Fahrschule Gülpen. Schrott und Gerätschaften im Vordergrund lagen auf dem Gelände der Metallbaufirma Ludwigs. Die Werkstätten Hohenzollernstraße 54 bis 58 (so steht es im Adressbuch von 1928) waren einem Bombentreffer zum Opfer gefallen. Später zog die Firma nach Lendersdorf um und spezialisierte sich unter dem Namen „Gebr. Ludwigs“ auf die Fertigung von Zahnrädern, berichtet Bernd Hahne vom Stadtmuseum Düren. Bei dieser Firma hatte DZ-Leser Franz-Josef Schmitz im Jahre 1956 seine Lehre angefangen. An die Arztpraxis von Dr. Acker wiederum konnte sich auch Elsbeth Flosdorf erinnern, war doch die Tochter des Arztes eine Freundin von ihr.

Hinweise zu früheren Suchbildern
Auf das noch leere Postgelände bezog sich Heike Ketzer mit ihrer Aussage, dass die Post sich zur damaligen Zeit noch am Kriegerdenkmalsplatz befunden habe. Im Kellergeschoss des heutigen Tabakgeschäftes Richter an der Ecke Paradiesplatz habe das Obst- und Gemüsegeschäft Longerich begonnen, bevor es ebenfalls später an die Kölnstraße umzog.

„Interessante Hinweise bekommen wir auch immer wieder zu früheren Suchbildern“, hat Bernd Hahne so manchen vorherigen Teil der „Spurensuche“ noch nicht zu den Akten gelegt. So gibt es Neues zur Schoeller-Villa zu berichten: Irmgard Lemmes, Jahrgang 1922, wohnte vor dem Krieg an der Ecke Wirtel-/Schenkelstraße über dem elterlichen Geschäft. Eines Sommers lag sie krank im Bett und konnte aus dem Fenster beobachten, wie die Villa abgerissen wurde. Auf der in der DZ abgebildeten Postkarte habe sie links das Haus von Dr. Wirtz erkannt, dem Augenarzt, der während der Nazizeit bei Nacht und Nebel nach Liechtenstein „ausgewandert“ sei und dort eine Praxis eröffnet habe.

Dies passt zusammen mit Recherchen, die Dr. Horst Wallraff vom Stadtarchiv im Zusammenhang mit dem 125-jährigen Bestehen des Rheinischen Blindenfürsorgevereins Düren angestellt hat. Demnach ist Wirtz, der dem RBV-Vorstand angehörte, zwar 1933 als „Märzgefallener“ der NSDAP beigetreten, nach einem Vermerk auf seiner Karteikarte aber im Frühjahr 1943 aus der Partei ausgeschlossen worden.



23) "Reiche Leute hinter prachtvollen Mauern"

Dürener Zeitung, 14.05.2013

Da hatten wir unsere Leser aber gehörig unterschätzt: Für die meisten war unser letztes Suchbild ein Kinderspiel, fast eine Beleidigung für Düren-Kenner. Es gehört sich also, dass wir uns dafür entschuldigen.

Das in zwei Bildbänden über Düren schon einmal veröffentlichte Foto kannten natürlich viele. Die meisten gaben sogar die Fundstellen gleich mit an. Leider gab es über die dort vorhandenen hinaus keine weiteren Informationen, worauf wir im Stillen gehofft hatten. Es wäre beispielweise interessant gewesen, etwas über den Abbruch dieser Villa – jene des Teppichfabrikanten Philipp Schoeller, eines der reichsten Männer Dürens – zu erfahren, vielleicht auch noch über den Bau des an dieser Stelle errichteten "Wirteltor-Cafés", dieses wunderschönen, im damals modernen Bauhaus-Stil gestalteten, den ganzen Wirteltor-Platz dominierenden Eckhauses.

Unsere Leserin Liesel Gröbel machte sich sogar die Mühe, uns eine Textpassage aus einem der Bücher zu schicken, in der es u.a. heißt: "Vor allem waren es zwei Straßen, in denen eine Villa neben der anderen stand, meist von einem parkähnlichen Gelände umgeben. Und doch werden die meisten Dürener mehr aus Bewunderung als aus Neid durch die zum Teil kunstvoll geschmiedeten Eisentore und -gitter geschaut haben, wissend, dass jene reichen Leute hinter den prachtvollen Mauern bei weitem nicht alles für sich verbrauchten, sondern, wie schon vielfach erwähnt, einen Teil ihres Vermögens für die Stadt und ihre hilfsbedürftigen Bürger hergaben." Das passt wunderbar zu diesem Suchbild, denn die dort beginnende Bismarckstraße war nicht nur geprägt von einer Reihe dieser Villen, sondern das ganze Gelände bis weit hinter den Bismarckberg hatte auch noch eben jenem Philipp Schoeller gehört, bis er es um die 1890-er Jahre der Stadt schenkte, um die Straße dort anlegen zu lassen. Ein großes Grundstück auf der Höhe schenkten er und seine Frau Anna einige Jahre später dem Rheinischen Blindenfürsorgeverein, damit der dort das (nach Frau Schoeller benannte) Anna-Schoeller-Haus für alte und gebrechliche Blinde errichten konnte.

Zu einer interessanten Erzählung animierte unser Suchbild Anton Kick aus Niederau. Er erkannte darin die Villa von Alexander Schoeller, die später dessen Sohn Max bewohnte. Sie lag an der Schenkelstraße 7-9, also quasi gegenüber, mit ihrer Rückseite zum "Stadtgarten" (der aber wohl erst später dort entstand). Der Vater von Anton Kick war Gärtner bei Max Schoeller, die Familie bewohnte ein Kutscherhaus im Garten. Zu Weihnachten wurden die Kick-Kinder ins herrschaftliche Haus eingeladen, Anton kannte auch den Schoeller-Sohn Axel. Besonders faszinierte ihn, dass dieser mit dem Motorrad die große Freitreppe zum Garten hinunterfuhr. 1937 – die Schoeller-Villa war schon lange an die Stadt Düren verkauft – mussten die Kicks ihr schönes Gartenhaus verlassen und wurden in die Hausmeisterwohnung der (nie vollendeten) Badeanstalt an der Tivolistraße eingewiesen. Nach der Rückkehr aus der Evakuierung im April 1945 war Vater Kick der erste Totengräber in Düren, er suchte die Leichen aus den Trümmern, damit sie in einem Massengrab bestattet werden konnten.

Matthias Böhr wiederum suchte die Villa noch an einer ganz anderen Stelle. Er erinnerte sich an ein prächtiges Wohnhaus gegenüber der Einmündung des Bretzelnweges in die Neue Jülicher Straße. Es sollte auch einem Schoeller gehört haben, aber nicht Felix Heinrich, dessen prächtige Villa daneben lag. Wahrscheinlich handelt es sich um das ebenfalls in dem Buch von Wilhelm Heinrichs beschriebene Haus Neue Jülicher Straße 71, das zunächst von Guido Schoeller, dem Sohn von Felix Heinrich, und später von Beamten der Walzmühle bewohnt wurde.

Unser heutiges Suchbild sollte wieder etwas höhere Ansprüche stellen. Es zeigt eine Nachkriegsszene aus der Dürener Innenstadt, im Vordergrund ist ganz offensichtlich das "Außenlager" eines metallverarbeitenden Betriebes zu sehen. Kann jemand die Örtlichkeit identifizieren und vielleicht auch den ungefähren Zeitpunkt der Aufnahme?



22) Der erste Anruf war gleich ein Volltreffer

Dürener Zeitung, 21.03.2013

Je näher die Bilder, zu denen wir Informationen suchen, an die Jetztzeit reichen, je größer ist natürlich die Chance, echte Augenzeugen zu finden. Das hatten wir bei unserem letzten Foto nicht unbedingt erwartet.

Doch schon einer der ersten Anrufe war gleich ein "Volltreffer". Margot Floeren konnte auf der rechten Bildseite ihr Elternhaus, das Möbelhaus Esser, identifizieren. Nach ihrer Aussage stammt das Foto aus dem Jahre 1950, abgeleitet aus dem Bauzustand des Hauses, in dem sich später Quademechels und heute Forum befindet. Um in diesem Haus in Zeiten der strengen Wohnraumbewirtschaftung eine Wohnung zu bekommen, hat sie schon 1954, in relativ jungen Jahren, geheiratet.

Vor ihrem Elternhaus auf der rechten Seite sieht man das Haus von Willibald Steffes mit dem "Café Araba". Auf der linken Seite steht ein Doppelhaus, worin sich die Apotheke von Josef Kuth und das Farbengeschäft seines Bruders Richard befanden.

Maria Schröder konnte noch ergänzen, dass das Möbelhaus Esser bis zur Weierstraße durchging. Sie wusste das, weil sie mit der Schwester von Frau Floeren in eine Klasse des Mädchenlyzeums ging, während ihre Schwester mit Frau Floeren in einer Klasse war. Sie wohnte um die Ecke in der Wilhelmstraße, von wo aus sie in den Park von Krafft & Schüll blicken konnte, der sich hinter der Deutschen Bank erstreckte.

Für Lothar Müller-Westphal war klar, dass das Foto vor 1954 entstanden sein musste, denn zum "Beweis" legte er gleich eine Anzeige des Möbelhauses Wilh. Esser aus dem Dürener Adressbuch von 1954 bei. Er wies im Übrigen auch darauf hin, dass die Apotheke von Paul Kuth "Löwen-Apotheke" hieß und damit eine der ältesten in Düren war, wenn auch nicht an diesem Standort. Josef Geuenich hat in den Dürener Geschichtsblättern vom August 1965 die Geschichte dieses Hauses detailliert beschrieben, woraus hier einmal zitiert sein soll: "Apotheker Josef Kuth ... erhielt seine Approbation am 1.1.1938 und war als Apotheker bis zur Zerstörung Dürens für den zum Wehrdienst eingezogenen Apotheker Gustav Vetter [den Inhaber der alten Löwen-Apotheke] in der Löwenapotheke tätig. ... Als Josef Kuth im Juni 1945 als erster Apotheker [aus der Evakuierung wieder in Düren] eintraf, richtete er auf Anweisung der amerikanischen Besatzungsmacht in dem weniger beschädigten Röntgen-Institut in der Tivolistraße eine Notapotheke ein. Am 1.1.1946 wurde die Apotheke behelfsmäßig in das Haus Rurstraße 34 verlegt.

Die Notapotheke in der Rurstraße genügte keineswegs den sich steigernden Bedürfnissen; denn die Zahl der zurückkehrenden Menschen stieg von Tag zu Tag. Deshalb pachtete Josef Kuth am 1.10.1946 offiziell die Löwen-Apotheke, die dann am 4.3.1950 durch Kauf von den Erben Vetter endgültig in seinen Besitz überging. Indessen erbaute Josef Kuth auf dem Kaiserplatz eine neue Apotheke, die er am 9.8.1950 eröffnete."

An diese Löwen-Apotheke hatte übrigens Leserin Christine Dick ganz persönliche Erinnerungen: Sie arbeitete dort von 1972 bis 2000.

Ein ähnliches Bild, nur aus der entgegengesetzten Blickrichtung, fand Leser Oliver Engels auf S. 22 des Buchs "Verzweiflung und Hoffnung" von Egon Schiffer.

Franz-Josef Vestré wiederum hat die langen Jahre nach dem Wiederaufbau dort hautnah erlebt. Im Haus der Familie Kaltenbach, Kaiserplatz 12, das auf dem Bild noch nicht erbaut ist, betrieb er bis Anfang der 1990er Jahre eine Drogerie.

Einen interessanten Aspekt erwähnte Harald Stolz, der sich an das Büro der "Treufi" im 1. Stock des Möbelhauses Esser erinnerte. Diese Gesellschaft war (neben anderen) für die bau- und finanztechnische Betreuung der "Aufbaugemeinschaft 500" zuständig, worunter die weitgehend durchgeplante Neubebauung der zerstörten Dürener Innenstadt in mehreren Blöcken zu verstehen ist. Dies gelang nicht überall so harmonisch wie in dem Karree zwischen Kaiserplatz und Weierstraße, das nach den Plänen der Dürener Architekten Kelter und Tappert gestaltet wurde. Wenn man das weiß, kann man die ersten Anfänge dieser Bebauung, die Düren das so charakteristische Gesicht der 1950er Jahre gab, auf unserem Suchbild gut erkennen.

Unser heutiges Suchbild zeigt eine herrschaftliche Villa aus dem Düren der Vorkriegszeit. Weiß jemand, wo diese Villa lag, wem sie gehörte und wer sie bewohnte?



21) Offene Fragen rund um den "Cölnplatz"

Dürener Zeitung, 14.02.2013

"Diesmal eine leichte Aufgabe, zu der Sie sicherlich viele Zuschriften bekommen werden", begann Lothar Müller-Westphal seinen Brief, um dann fortzufahren: "Auf diesem Platz wurde später der Wasserturm erbaut, heute ist das der Friedrich-Ebert-Platz. Von rechts kommt die Kölner Landstraße, gegenüber halblinks die Kreuzstraße und direkt gegenüber die heutige Schoellerstraße. Alles zu ermitteln durch den markanten Bau des heute noch (in vereinfachter Form) existierenden 'Annaheims' Ecke Schoeller-/Roonstraße."

Wir hatten auch nicht ernsthaft damit gerechnet, dass die Identifizierung des Platzes größere Schwierigkeiten bereiten würde, obwohl die Straßenführung im Zuge der Neuordnung des damaligen "Cölnplatzes" als Vorbereitung für den Bau des "Neuen Wasserturms" im Jahre 1909 doch noch deutlich verändert wurde. Aber zu eindeutig war ja u.a. das erwähnte, 1899 eingeweihte "Rheinische Blindenasyl – Philipp Schoeller Stiftung", wie die Einrichtung des Rheinischen Blindenfürsorgevereins 1886 Düren e.V. ursprünglich hieß. Der Inhaber der Anker-Teppichfabrik hatte gemeinsam mit seiner Frau das Grundstück und 350.000 Mark für den Bau gestiftet, und da sich Anna Schoeller auch persönlich sehr um die Bewohner des Heims kümmerte, hieß es bald (nicht nur) im Volksmund "Annaheim".

Dieser repräsentative Bau, zudem noch an sehr exponierter Stelle errichtet, fand sich in jedem Führer über die Stadt Düren wieder, wie Lothar Müller-Westphal gleich anhand beigefügter Kopien belegen konnte. Wem allerdings das Annaheim nicht so vertraut war, der konnte schon ein wenig in die Irre gehen. So gab es u.a. die Vermutung, dass es sich hier um den Blick von der Ecke Veldenerstraße/Malteserstraße in Richtung der Heil-und Pflegeanstalt im Hintergrund handele; oder um die Kreuzung Tivolistr., Philippstr., August-Klotz-Str. und Schenkelstr. "Die Anzahl der Abzweigungen käme auch hin."

Andreas Pottkämper zog seinen Vater zu Rate, der den "Verdacht" äußerte, es könne sich um den Kölnplatz vor dem Bau des Wasserturms handeln. Dem stimmte Karl-Heinz Skowronek zu, und Anne Frings ergänzte, was auch vielen anderen die Orientierung erleichterte: "Das Haus am oberen Rand ist Haus 1 in der Rheinischen Klinik, dahinter sieht man den Turm, der noch heute in der Klinik steht."

Herbert Reiter schließlich trat eine klassische, durch Recherche in der einschlägigen Literatur gestützte Beweisführung an: "In der Tat handelt es sich um den Cölnplatz, heute Fr.-Ebert-Platz, und zwar vor dem Bau des Wasserturmes. Der Kreuzberg (Kruuschberg) erfuhr 1878 durch die Anlegung der Vereinsstraße nördlich (Schoellerstraße) und südlich (Euskirchener Straße) eine nivellierende Umgestaltung durch den Dürener Verschönerungsverein und wurde als Ende der Kölnstraße Kölnplatz genannt. Am 26. Juni 1950 wurde die Umbenennung in Anerkennung der Verdienste Friedrich Eberts beschlossen.

Aber weil wir ein Rätsel auch beweisen müssen, haben wir uns alle ja an die Arbeit gemacht ... so auch ich. Zuerst stellte sich mir die Frage, aus welcher Himmelsrichtung wurde das gesuchte Bild gemacht? Das war nicht wirklich schwer ... auf dem Ausgangsbild ist sehr klein oben im Norden der Wasserturm und die Rheinische Klinik an der Meckerstraße in Nord-Düren zu sehen. Ein Besuch von mir vor Ort bei der Rheinischen Klinik in Nord-Düren ergab, dass der Blickwinkel nur der Norden sein kann, weil die Konstellation der Gebäude keine andere Himmelsrichtung zulässt."

Gerne hätten wir etwas zu den anderen Gebäuden erfahren, die auf dem Bild zu sehen waren. Das war aber wohl, nicht zuletzt wegen des Zeitpunkts der Aufnahme, ziemlich schwierig. Rolf Pottkämper, Jg. 1922, äußerte immerhin die Vermutung, bei den beiden in der Mitte des Bildes erkennbaren Schornsteinen handele es sich um die Firmen Schleicher & Schüll sowie die Flachsspinnerei.

Hans Lenarduzzi plädierte ebenfalls für Schleicher & Schüll, ordnete den linken Schornstein jedoch der Firma Depiereux zu. Das weiße Haus im Vordergrund beherbergte seiner Ansicht nach ein Fahrradgeschäft mit Namen "Müko", auf der rechten Seite, vor dem Anna-Schoeller-Heim, erinnerte er sich an ein Elektrogeschäft Simons. Auf der Freifläche, wo sich später das Autohaus Münz befand, habe es eine Kiesgrube gegeben.

Unser heutiges Suchbild zeigt einen Straßenzug der Innenstadt aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Wer kann etwas zum Zeitpunkt der Aufnahme sagen, zur abgebildeten Straße oder zu den wenigen bereits wieder aufgebauten Häusern?



20) Weiteres Kapitel der Industriegeschichte

Dürener Zeitung, 19.12.2012

Auf so eine rege Beteiligung an unserem letzten Suchbild hatten wir nicht zu hoffen gewagt, war doch das Bild nicht gerade eindeutig, weder vom Standort noch vom Zeitpunkt der Aufnahme.

Allerdings lagen die Lösungsvorschläge auch teilweise weit auseinander. Am weitesten ging Magdalena Heinrichs aus der Fröbelstraße, die sich aus ihrer Kindheit erinnern wollte, dass die Fabrik eine Lumpensortiertanstalt gewesen sei, die man wegen des aus dem Schornstein quellenden schwarzen Rauchs "Truurfabrik" genannt habe.

Wohl wegen des unsicheren Standortes gab es viele, die auf die alte Ziegelei tippten, die allerdings an der Pestalozzistraße, also im östlichen Bereich des Grüngürtels, lag. Marianne Schüllberg aus der Brückenstraße konnte sich noch an "Schwazz Trinche" erinnern, die dort oft herumstromerte. Auch Resi Pahlke tippte auf die alte Ziegelei. Unterschiedliche Angaben gab es zu den Inhabern: Rey (Gisela Seiden) und Kommer (Hans Lenarduzzi).

Einen weiteren Vorschlag hatte Gerd Weidenhaupt, und auch noch ganz persönliche Erinnerungen: "Hab mir das Bild mehrmals angesehen – der Turm im hinteren Teil, da fuhren die Loren mit Lehm und Ton hoch. Das ist die Mischanlage der alten Ziegelei, unten wurden dann die Ziegel in Holzformen gepresst und mittels Förderband zum Brennofen gefahren. Oft sind wir verbotener Weise mit den Loren darunter gefahren. Wir waren oft dort drinnen und haben, – ja, Mist gebaut – was so 10-11-jährige so alles anstellten. Der Schuppen vorne links, davon waren mehrere vorhanden da wurden die Ziegel getrocknet. Da wohnte auch eine Familie Meyer, der Herr Meyer passte da auf.

Das sogenannte Baggerloch befand sich hinter dem Schützenplatz (Kirmesplatz) in der Blücherstraße und zog sich etwa bis Ende der Straße. Heute sind dort Kleingärten und Sportanlagen und genau dort befand sich die Ziegelei. Man konnte von dort aus hinter der Pestalozzistraße zur kleinen Robert-Koch-Straße in ca. 60-70 Meter gehen.

Viele Grüngürteler müssten das noch wissen, zumal wir am Bagger, wo an einem Stahlseil eine dicke Stahlkugel befestigt war, 'Tarzan' spielten!

Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, dass die Ziegelei auch den Namen 'Milke' trug.

Jedenfalls war sie bis 1959 noch dort, aber zerfallen."

Mehr und mehr aber kristallisierte sich heraus, dass es sich doch um die Scharnhorststraße handeln musste, gesehen von der Brückenstraße aus. Hans Lenarduzzi identifizierte die Fabrik als Eisengießerei, genau wie Josef Brauweiler, der in den Dürener Adressbüchern von 1925 und 1927 für die Brückenstraße 21-23 die "Rheinischen Eisenwerke Gebr. Faber GmbH" ausmachte. Im Adressbuch 1936 wiederum findet man diese Firma als Eigentümer der Häuser Brückenstr. 28 und 30, während sie im Gewerbeteil unter der Rubrik "Eisengießereien" als Faber, Hans, GmbH, Brückenstr. 28 firmiert.

Möglicher Weise hatte aber zu diesem Zeitpunkt schon die benachbarte Firma "Karl Krafft u. Söhne" ein Auge auf den Konkurrenten geworfen, wie Gerd Weidenhaupt ursprünglich vermutet hatte ("vielleicht die alte Fabrik von Karl Krafft"). Auch Josef Wunderlich erwähnt die übernahme der Eisengießerei Gebr. Faber durch Krafft. Bei der Firma selbst existieren darüber keine Unterlagen mehr, wie auf Nachfrage mitgeteilt wurde.

Elisabeth Melssen ergänzte das durch genaue Ortskenntnis: "Nach dem Foto zu urteilen müßte diese alte Fabrik auf der linken Seite der noch nicht ausgebauten Scharnhorststraße stehen. Rechts, wo das Brachland ist, müßte demnach die Antoniuskirche gestanden haben. Im Hintergrund sieht man den Wohnblock vom Grüngürtel mit dem Rundbogen. Von hier aus gesehen dann hinter dem Wohnblock, wo früher die Geschäfte Lebensmittel und Wäschegeschäft Töllner, Schwanenapotheke und Dr. Wieck und die Bäckerei Kaiser beheimatet waren, steht heute die neue Antoniuskirche. Das Haus rechts müßte demnach der Anfang der zweistöckigen Wohnhäuser ab Fröbelstraße sein."

Das bestätigte auch Manuela Reimann, die ihre Schwiegermutter befragte: "Links die Hütten sind die heutigen letzten Wohnblöcke Richtung Brückenstrasse, vorne rechts am kleinen Häuschen vorbei ging es zur Fröbelstrasse."

Sibylle Kienapfel aus der Fröbelstraße hatte sogar eine leider schon verstorbene Kusine, die im Büro der Gießerei beschäftigt war. Auf dem Freigelände gegenüber sei jährlich eine Kirmes aufgebaut worden, wo sie dann auf der Schiffschaukel fuhr. Sie erinnerte sich noch, dass vor dem Bau der im März 1939 eingeweihten Antoniuskirche im 1. Stock des Genossenschaftshauses im Grüngürtel eine "Heilig-Kreuz-Kirche" als provisorischer Gottesdienstraum bzw. Rektoratskirche existiert hatte.

Das Ehepaar Nepomuck schließlich konnte ebenfalls die Gegebenheiten identifizieren einschließlich der "Bahnerhäuser" auf der rechten Seite der Scharnhorststraße, die im übrigen von französischen Kriegsgefangenen ausgebaut worden sei. Ihrer Meinung nach wurde die "Rheinische", in deren Umgebung sie als Kinder immer Metallstücke gesammelt hatten, um sie an Schrotthändler zu verkaufen, noch vor dem Kriege abgebrochen.

Unser heutiges Suchbild zeigt einen Dürener Platz, wahrscheinlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Kann jemand den Platz oder die umstehenden Gebäude identifizieren?



19) Freiwillige Armenküche oder Brauerei?

Dürener Zeitung, 13.11.2012

Die Reaktionen auf unser letztes Suchbild kann man ganz klar in zwei Fraktionen teilen: Die einen steuerten eine Menge Einzelheiten zu den auf dem Bild zu sehenden Häusern und Geschäften bei, die anderen arbeiteten sich an dem Schornstein ab, nach dem wir gefragt hatten.

Hans Schiffer erzählte uns, dass sein Großvater mit dem Uhrengeschäft, das als eines der ersten nach der Zerstörung wieder aufgebaut wurde, ursprünglich 1889 auf dem Marktplatz angefangen hatte. Nach dem Umzug in die Kölnstraße habe man das kleine Haus zwischen dem eigenen und dem Eckhaus von Laufenberg + Leisten, das 1906 erbaut worden sei, dazu gekauft und beide verbunden. Der auf der Ecke Köln-/Wirtelstraße befindliche "Kölner Hof" sei übrigens Ende des 19. Jahrhunderts von einem Verwandten gepachtet gewesen.

Josef Wunderlich gab uns gleich eine vollständige Beschreibung nebst einigen Anekdoten der Geschäfte entlang dem Marktplatz und der Kölnstraße. Im Bettenhaus Froitzheim, von dem das halbe Dach zu sehen sei, habe etwa Käthe Thiemonds, die später ein eigenes Geschäft betrieb, als Verkäuferin gearbeitet. Im Haus Markt 8 (Möbelhaus Courth, später auf dem Wirteltorplatz), wohnten und arbeiteten die Eltern seiner Frau, die auch dort geboren wurde. Das Grundstück Kölnstraße 3, Lederwaren Mundt, ging durch bis zur Hirschgasse und war dort von der Wirtelstraße aus erreichbar. In dem zweistöckigen Haus befand sich auch noch die Buchbinderei, Linieranstalt und Geschäftsbücher-Fabrikation Boving und Müller.

Besondere Erinnerungen hat Josef Wunderlich an das Haus Kölnstraße 5. Hier befand sich das Lebensmittelgeschäft Anton Hochgürtel, und dort begann Josef Wunderlich am 1. April 1941 seine kaufmännische Lehre, die er am 31. März 1944 mit der Kaufmannsgehilfen-Prüfung abschloss. Das Geschäft hatte vier Schaufenster, in der Mitte befand sich der Eingang. Im rechten Schaufenster war der Boden ca. 60 cm zurückgebaut und man konnte so vom Bürgersteig aus die große Kaffee-Röstmaschine im Keller sehen. Am Ende des Lebensmittel-Ladens ging es über drei Stufen zur Fischhalle, die durch eine Glaswand mit Pendeltüren abgetrennt war. Die Halle war komplett gefliest, so dass Schmelz- und Reinigungswasser, auch das aus den Fischbecken, abfließen konnte. Das Personal bewegte sich auf Lattenrosten.

Im Gewölbekeller lagerten in halbrund gemauerten Fächern die Weinvorräte, die man selbst aus Fässern abfüllte. Auch dieses Grundstück ging durch bis zur Hirschgasse, wo sich ein zweistöckiges Lagerhaus befand. Während im Erdgeschoss die schweren Säcke (mit Zucker, Mehl, Salz etc.) lagerten, befanden sich im 1. Stock weiße Bohnen, grüne und gelbe Erbsen, Linsen, Malzkaffee, Kornkaffee, alle Sorten Teigwaren, alle Sorten Puddingpulver usw. Der 2. Stock barg die wahren Schätze: Bonbons, lose in Gläsern oder in Papier gewickelt, Pralinen fast aller Sorten, Kekse, Zwieback. Bewegt wurde alles mit einem eigenen Aufzug. In der Toreinfahrt stand ein Mercedes mit Anhänger, der die Filialen in Birkesdorf, Lendersdorf und Kreuzau belieferte.

Seinen ersten Arbeitstag hat Josef Wunderlich noch genau vor Augen: "Ein weiblicher Lehrling und ich begannen unsere Lehre gemeinsam. Wir wurden dem anwesenden Personal vorgestellt. Zu mir sagte der Chef: Du willst Kaufmann werden, also weißer Kittel, Oberhemd mit Krawatte, Bleistift hinter dem Ohr und saubere Hände und Fingernägel. Dann fragte er uns, ob wir heute morgen den Tag mit unserem Herrgott begonnen hätten. Als wir verneinten, mussten wir mit der Chefin, Frau Hochgürtel, zur Messe ins Eucharistiner-Klösterchen in der Kölnstraße gehen. Nach der Messe wurden wir zum Frühstück mit Chef und Chefin ins Esszimmer eingeladen. Der Tisch war gedeckt mit Köstlichkeiten, die man mit der Lebensmittelkarte schon nicht mehr erwerben konnte. Am gleichen Tag, an dem meine Lehre zu Ende ging, wurde ich zum Reichsarbeitsdienst eingezogen."

Auch bei Georg Rouette weckte unser Suchbild persönliche Erinnerungen. Seine Eltern hatten 1933 das Haus Kölnstraße 37, direkt gegenüber der Einmündung der Pletzergasse, erworben und er, damals vier Jahre alt, verbrachte dort seine Kindheit bis November 1944. Nach dem Krieg habe er jeden Stein des Hauses, in dem seine Mutter am 16. November den Tod fand, zwei mal in der Hand gehabt: beim Entschutten und beim Wiederaufbau des Hauses.

Aber auch er musste, obwohl er die Gegend genau kannte, beim Schornstein passen. Allgemeiner Konsens war, dass von der Kölnstraße eine kleine, die "Dörrsgasse" in den Innenbereich führte, benannt nach der dort ansässigen Baustoffhandlung. Die wird aber kaum einen Schornstein benötigt haben. Ob er aber zur Anker-Teppichfabrik gehörte, wie neben vielen anderen auch Anneliese Schmitz aus Hoven vermutete, oder eher zur Vereinsküche des Freiwilligen Armenvereins, die sich in der Schützenstraße befand, wie Renate Hoffmann aus Müddersheim wusste – die Antwort muss vorerst noch offen bleiben. Vielleicht treffen ja auch weitere Varianten zu, wie die von Josef Wunderlich, es könne sich um die Brotherstellung des Konsums in der Schützenstraße gehandelt haben, oder die von einer in der Kölnstraße ansässigen Brauerei. Auch die rege Diskussion in den Dürener Internet-Foren brachte keine letztgültige Klärung.

Unser heutiges Suchbild bewegt sich aus dem Stadtzentrum heraus in den Dürener Grüngürtel. Gezeigt wird eine Fabrikanlage entlang der noch nicht ausgebauten Scharnhortstraße. Wer kann etwas zu diesem Unternehmen und dem möglichen Zeitpunkt der Aufnahme sagen?



18) Ein Treffpunkt der Dürener Jungmänner

Dürener Zeitung, 07.09.2012

Der Wirteltorplatz ist ganz eindeutig einer der Lieblingsplätze der Dürener. Allerdings wohl eher in seiner früheren Ausgestaltung mit dem Kaufhaus von "Tietze Leonhard", dem repräsentativen Bau der Dürener Bank, aber vor allem mit dem Kiosk in der Platzmitte.

Unser Leser Bertram Graw, bis 1988 in Gey und jetzt in Schleswig-Holstein lebend, gab den entscheidenden Hinweis zur zeitlichen Einordnung unseres letzten Suchbildes. Nach seinen Recherchen bedeuten nämlich die Schilder mit den drei Punkten, nach denen wir auch gefragt hatten, schlicht und einfach: "Einfahrt verboten für Kraftfahrzeuge aller Art" (Varianten mit anderer Punktzahl galten für spezielle Fahrzeugklassen). Das uns heute mit diesem Inhalt bekannte Schild (weißer Balken auf rotem Grund) wurde erst 1934 eingeführt.

Eindeutig nichts zu tun hatte dieses Schild mit Düren als "Stadt der Blinden", auch wenn dies viele Leser vermuteten.

Entstanden war der Platz in seiner abgebildeten Form Mitte der 1920-er Jahre, am 28.9.1926 erhielt er, wie uns Oliver Engels mitteilte, durch den Stadtrat die Bezeichnung "Wirteltorplatz".

Am stärksten inspiriert hat unsere Leser der schöne, sechseckige Kiosk auf der Verkehrsinsel gegenüber dem Tietz.

Gisela Röttgen erinnert sich daran aus gutem Grund: Der Kiosk wurde von ihrem Großvater Hubert Leeser betrieben. Mit Ehefrau Josefine und 9 Kindern (4 Söhnen und 5 Töchtern) lebte er in Lendersdorf, wo er ein weiteres Geschäft betrieb, "einen Tante Emma-Laden, wo es alles gab, vom Stift und Zeitungen über Süßigkeiten und Tabakwaren bis zu Heringen in der Tonne. Mein Großvater besorgte die Waren für Kiosk und Geschäft und war deshalb dauernd unterwegs. Er selbst fuhr mit dem Fahrrad zum Kiosk in Düren. Man sieht sein Fahrrad am Kiosk lehnen." Wie das Fahrrad im beladenen Zustand ausgesehen haben könnte, ist auf dem Bild zu sehen. Manchmal nahm Hubert Leeser statt des Fahrrads auch einen handgezogenen Bollerwagen. Wegen der häufigen Abwesenheit des Familienvorstandes ernährte seine Gattin Josefine die neun Kinder plus zwei weitere verwaiste Kinderverwandte mit Hilfe des Ladens in Lendersdorf in der Nähe der Schule. Dieses Geschäft übernahm später Mina mit ihrem Mann Chim Jansen.

Die fünf "Leesersmädchen" Elli, Paula, Martha, Mina und Fina waren natürlich auch im Kiosk tätig und verkauften dort neben Tabakwaren, Zeitungen, Süßigkeiten und Schreibwaren auch Busfahrkarten. "Der Kiosk entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt der Dürener Jungmänner", so Gisela Röttgen.

Nach dem 2. Weltkrieg, in dem zwei der vier Leeser-Söhne fielen, übernahm die nächste Generation den Kiosk. Frau Hasseler aus Merzenich weiß noch, dass der Mann von Lisbeth Leeser – der Tante ihres Mannes –, Vertreter für Tabakwaren, sich nach seinen Touren auf einem aus Holz gezimmerten Bett direkt hinter dem Eingang aufs Ohr hauen konnte.

Eine seltsame Faszination scheint die öffentliche Toilettenanlage unter dem Kiosk ausgeübt zu haben. Marlies Schmitz-Hövel, Jg. 1934, ging jeden Dienstag mit ihrer Mutter vom Grüngürtel in die Stadt und "musste" dann, zum Leidwesen ihrer Mutter, jedes Mal genau an dieser Stelle. Sie erinnert sich auch noch, bei dem jüdischen Arzt Dr. Marx im Haus neben Tietz in Behandlung gewesen zu sein. Auch Maria-Magdalena Bank, Jg. 1928, machte mit ihrer Mutter von Arnoldsweiler regelmäßig zu Fuß die Tour in die Stadt. Dort gab es dann ein Eis für einen Groschen und einen Gruß für ihren Onkel Josef Faßbender, der auf dem Wirteltorplatz als Verkehrspolizist sein wichtiges Amt versah. Noch bevor sie in die Grundschule kam, buchstabierte ihre Mutter ihr das Schild "Zülpich": "In diese Richtung musst Du gehen, wenn Du in Deinen Geburtsort (Bürvenich) willst."

Neben dem repräsentativen Gebäude der Dürener Bank befand sich übrigens eine Reichsbanknebenstelle, wie uns Ernst Heyder mitteilte, wo er früher als kaufm. Angestellter von Felix Heinrich Schoeller das Geld für die Lohnauszahlung in einer großen, viereckigen Tasche abholte. Dort hatten nur "AAA"-Firmen ein Konto.

Regen Widerspruch erzeugte unsere Behauptung im letzten Artikel, auf der Schau "Lebendiges Düren" sei kein Wal zu sehen gewesen. Eine ganze Reihe von Lesern konnte sich daran noch erinnern, teils aus Anlass von Besuchen mit der Schulklasse. Allerdings wechselweise auf dem Kaiserplatz oder auf dem Hoeschplatz. Allem Anschein nach ist eine solche Attraktion also mehrmals in Düren zu sehen gewesen.

"Es ist ein schönes Gefühl, wenn einem ein Teil Familiengeschichte so unverhofft begegnet!", schrieb uns Peter Junker zu unseren Recherchen über Josef Effertz. Er kann sich noch gut an das Atelier seines Onkels in der Alten Jülicher Str. erinnern, an die Vielzahl von Utensilien, Farben, Leinwände, Pinsel. Er besitzt zudem noch zwei Aquarelle von ihm und würde es begrüßen, wenn man den künstlerischen Nachlass einmal entsprechend würdigen könnte. Hans Tombeux, ein weiterer Neffe von Josef Effertz, weiß noch, wie dieser Kinoplakate und Schleifen für Kränze in Handarbeit herstellte.

Auch den von Josef Effertz gestalteten Werbewagen hatten noch viele vor Augen. Herr Haas, Inhaber des alteingesessenen Nord-Dürener Unternehmens, erzählte uns, der Anhänger sei eigentlich zum Abtransport von Schutt benutzt und nur für den Reklamezweck mit einem Lattengerüst versehen worden. Er wurde für vier Wochen gemietet, Gespann und Kutscher – "Lambert" nach Aussage von Harry Müller – wurden von der Firma Haas gestellt. Der noch junge "Haase Männ" konnte durch eine kleine Tür auf die Ladefläche gelangen und so mitfahren.

Unser heutiges Suchbild zeigt einen Blick über die Dächer der alten Stadt vom Rathaus aus. Wer kann etwas zu den einzelnen Häusern, besonders aber zu dem Schornsteinin in der linken Bildhälfte sagen?



17) "Größer und leistungsfähiger denn je!"

Dürener Zeitung, 11.07.2012

Unser letztes Suchbild führte uns zurück in das Düren Ende der 1950-er Jahre – eine Stadt, in der die Wunden des vor kaum 15 Jahren beendeten Krieges noch immer deutlich zu sehen und im kollektiven Bewusstsein ebenso tief verankert waren. Eine Stadt, die sich nach einstiger, nun vergangener Größe und Schönheit neu finden und definieren musste.

Dazu ergriff man gerne jede sich bietende Gelegenheit. Etwa, wenn ein Fräulein Liselotte Böttcher aus Hannover kam und eine Ausstellung "Lebendiges Düren" organisierte, eine jener Veranstaltungen, deren publizistisches Begleitfeuer in merkwürdigem Kontrast stand zum tatsächlich Gebotenen. Und doch war man in jenen Jahren dankbar für alles, was Abwechslung versprach.

Auf dem Gelände der mittlerweile – zum Leidwesen vieler Dürener – endgültig beseitigten Ruine des einstigen Stadttheaters waren acht Zelthallen mit 6000 qm Fläche aufgebaut, in denen die zehntägige "große Herbstausstellung" eine Leistungsschau des Dürener Einzelhandels präsentieren wollte. Das war, gelinde gesagt, etwas übertrieben, denn zu den rund 60 Ausstellern zählten nicht nur eine Reihe von Organisationen wie die Kreisbauernschaft oder der DRK-Kreisverband, sondern auch etliche auswärtige Firmen aus Köln und sogar Berlin. Auch die "interessanten Sonderschauen" waren von ähnlicher Klasse wie die "Tiere aus dem Kölner Zoo", die sich im Wesentlichen aus exotischen Vögeln und "Blaumaul-Meerkatzen" zusammensetzten. Eine unbestrittene Attraktion (an die sich auch bestimmt noch viele Leserinnen und Leser erinnern) war allerdings eine jener faszinierenden Wasserorgeln, die zu meist klassischer Musik bunt beleuchtete Fontänen tanzen ließen.

Nicht geboten wurde mit Sicherheit das Skelett eines Riesen-Wals, an dessen Anblick sich Leserin Margret Schneider zu erinnern meint. Ihre Mutter hatte an der Kasse einer ähnlichen Veranstaltung auf dem Hoeschplatz gesessen, die allerdings von der Stadt organisiert worden sei.

Dem Dürener Einzelhandelsverband, der immerhin die "ideelle" Trägerschaft übernommen hatte, und den Offiziellen der Stadt bot die Eröffnung dieser Ausstellung die Möglichkeit, etwas für das Selbstbewusstsein der Stadt zu tun. So sollte der Name "Lebendiges Düren" nach den Worten des Einzelhandelsvorsitzenden Carl Giebfried-Nietzard ein Symbol für den außerordentlichen Aufschwung sein, den Düren in den letzten Jahren genommen habe. "Gerade Dürens Kaufmannschaft habe großen Anteil an diesem Wiederaufbau, der die Stadt wieder zu einem Zentrum für das weite Hinterland gemacht habe", zitierte die Dürener Zeitung. Und Oberbürgermeister Spies ergänzte, der Dürener Einzelhandel könne, "größer und leistungsfähiger denn je geworden, heute jeden Vergleich mit den Großstädten der Nachbarschaft aushalten." Diese Messe sei geeignet, den Namen Dürens, das mit seinen industriellen Erzeugnissen schon wieder Weltruf genieße, auch mit dem Angebot seiner Handelsleute in weiter Runde bekannt zu machen.

Von Werbung verstand auch jener Mann etwas, der auf unserem letzten Suchbild oben auf der Leiter stand: Josef Effertz, 1936 zum Werbefachmann geprüft, betrieb nach Krieg und Gefangenschaft in der Alten Jülicher Straße 59 ein "Kunstatelier / Werbemalerei", in dem er u.a. für zahlreiche Dürener Geschäfte und Firmen Plakate, Geschäftspapiere und Prospekte entwarf und zeichnete.

Seine Tochter Helga und ihr Mann Heinz Becker jedenfalls hatten ihn sofort erkannt und konnten einiges über ihn und sein Leben erzählen. Nach seiner Ausbildung zum "Plakat- und Reklamemaler" arbeitete er einige Jahre in Dürener Unternehmen, ehe der Krieg auch ihn zu den Waffen holte. In Italien geriet er dann in amerikanische Gefangenschaft, aus einem Lager in der Nähe von Neapel sind noch Briefe erhalten, die er an seine Frau und die beiden Kinder in der Evakuierung schickte.

Nach seiner Rückkehr baute er sich das eigene Unternehmen auf und hatte in einer Zeit, in der es noch keine Computer und kein Internet gab, gut zu tun. Proben seiner Kunst, die leider heute nicht mehr gepflegt wird, lassen sich auf jenem

Wagen erkennen, der, mit einem Nikolaus auf dem Bock, um die Weihnachtszeit durch die Stadt fuhr. Wie so viele seiner Zunft nutzte er sein Talent auch zu künstlerischen Arbeiten wie etwa Grafiken, Aquarellen oder Porträtgemälden, von denen noch einige in Düren vorhanden sind. Der 1969 verstorbene Josef Effertz wäre es wert – wie etwa auch Jean Schmitz oder Ernst Ohst –, dass man sich ernsthaft um seinen Nachlass, den künstlerischen wie den gewerblichen, bemühen würde.

Hinterlassen hat uns Josef Effertz u.a. eine Zeichnung von 1945 mit dem Titel "Unsere Sternschnuppen". Die Frage geht an unsere Leserinnen und Leser: Könnte es sich dabei um eine Dürener Gruppe handeln? Ist auf der Zeichnung jemand zu erkennen?

Unser heutiges Suchbild zeigt den Wirteltorplatz aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Wer kann etwas zum Zeitpunkt der Aufnahme sagen? Was bedeuten z.B. die Schilder an dem Mast mit den drei Punkten?



16) Ein Gesicht bekommt einen Namen

Dürener Zeitung, 14.04.2012

Das haben wir im Verlaufe unserer Serie noch nie erlebt: Auf unser letztes Suchbild gab es nur eine einzige Reaktion. Die allerdings hatte es in sich – Helmut Albert, Inhaber des Fotogeschäftes in der Kleinen Zehnthofstraße, war der kleine Junge rechts im Bild. Er konnte sich jedoch an keine Einzelheiten erinnern, auch nicht, wo sich der Bunker befunden hat. Er vermutete ihn etwa in der Mitte der Wirtelstraße, auf Höhe des Elektrofachgeschäftes Gunkel, was aber niemand bestätigen konnte.

Dagegen gibt es zu der Firma Fahnenschreiber, die uns nun schon seit mehreren Ausgaben beschäftigt, immer wieder kleine Details. Alois Keul, in Kerpen bei Blankenheim lebender ehemaliger Dürener, hatte unseren letzten Artikel zugeschickt bekommen und meldete sich als Besitzer eines ehemaligen Fahnenschreiber-Hauses. Er selbst habe in dessen Garten einen Luftschutzbunker gebaut.

Ilse Oehmen geb. Fahnenschreiber brachte dem Stadtmuseum aus ihrem Besitz zwei Fotoalben mit sehr alten Familienaufnahmen. Sie werden – neben Aufnahmen aus dem Firmenalbum – Platz finden in der neuen Abteilung zur Stadtgeschichte, die das Stadtmuseum für den kommenden Winter vorbereitet. Darin wird der Zeitraum zwischen der Gründung des Deutschen Reiches 1870/71 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 behandelt, ein Zeitraum, den man getrost als "Dürens goldene Jahre" bezeichnen kann. Die Stadt wuchs rasant, Dürens Industrie gelangte zu Weltruhm, zahlreiche öffentliche und private Bauten entstanden als Ausdruck des Reichtums der Dürener Oberschicht.

Leider aber gibt es, ähnlich wie zu der Firma Fahnenschreiber, auch zu vielen anderen Dürener Unternehmen, Einrichtungen, Organisationen und Vereinen jener Zeit nur sehr spärliche bis gar keine überlieferung. Hier ergeht deshalb noch einmal der dringende Appell des Stadtmuseums an alle Dürenerinnen und Dürener, auf Speichern, in Kellern, Schränken und Truhen nachzusehen – auch das kleinste Fundstück ist hoch willkommen.

Unser heutiges Suchbild geht wieder in die jüngere Vergangenheit zurück. Zu sehen sind die Vorbereitungen für eine Ausstellung "Lebendiges Düren" im Oktober 1959. Hat jemand unserer Leser diese Ausstellung besucht? Was wurde dort gezeigt bzw. angeboten? Wer hat dieses "Event" veranstaltet? Vielleicht hat ja auch der eine oder andere Leser selbst dort fotografiert ...



15) Die Antwort wirft neue Fragen auf

Dürener Zeitung, 21.01.2012

Das Haus aus dem letzten Bilderrätsel war schnell gefunden, auch wenn heute an dieser Stelle ein außergewöhnlich hässliches Nachfolgegebäude steht. An der nordwestlichen Ecke Bonner-/Hohenzollernstraße stand eins von zahlreichen Häusern in Düren, die die Firma Fahnenschreiber mit ihren Bauornamenten verziert hatte.

Hans Lenarduzzi hatte ein Foto von dem Haus in einem Bildband über das alte Düren entdeckt. Josef Brauweiler besitzt sogar noch eine historische Postkarte der Bonner Straße, auf der die Ecke zu erkennen ist.

Wilhelm Bürvenich wies darauf hin, dass u.a. in der Holzstraße noch Häuser mit Fahnenschreiber-Ornamenten zu finden seien. Und er gab uns einen Hinweis auf eine kleine Kuriosität: In der Herrentoilette des Dürener Friedhofs sind einige der Kacheln mit "Reklame" versehen, darunter auch eine für die Fa. Ph. Fahnenschreiber, allerdings als Anbieter von "Sanitäre Installation, Zentralheizungsanlagen".

Walter Siebertz war 1948 bei der Dachdeckerei und Bauklempnerei Josef Jakobs beschäftigt und besitzt noch eine Wetterfahne der Fa. Fahnenschreiber.

Margret Viktor wohnte 1940 in der Eberhard-Hoesch-Straße und spielte oft mit Gisela Fahnenschreiber, die nach ihrer Erinnerung in der Dechant-Vaßen-Straße wohnte. Die Fabrikantenfamilie war ziemlich reich und besaß mehrere Häuser im Bereich Gartenstraße/Oststraße, was auch Gisela Seiden bestätigen konnte.

Ansonsten liegt das Schicksal der Familie und der Firma Fahnenschreiber noch weitgehend im Dunkeln. Der handschriftliche Text in dem Album, aus dem unser letztes Suchbild stammte, gibt nur einen kurzen Überblick. Demnach gründete Philipp Fahnenschreiber 1863 die Firma, die sich anfangs in der Kölnstraße befand, wo früher das Fahrradgeschäft Jaeger & Gothe war. 1886 wurde in der van-der-Giese-Straße die Fabrik gebaut, die sich bis zur Gartenstraße ausdehnte. Mittlerweile waren die Söhne Leo und Philipp in das Unternehmen eingetreten, das sich nun "Philipp Fahnenschreiber & Söhne" nannte und bis 1943 existierte.

Philipp Fahnenschreiber sen., geb. 1842, hinterließ bei seinem Tode 1917 seiner Frau Maria geb. Schäfers und den 3 Kindern Leo, Philipp und Karoline ein großes Vermögen, allein an Grundbesitz in der Gartenstraße 6 Häuser und ein Einfamilienhaus Gartenstraße 12 mit größerem Garten, die Grundstücke zu beiden Seiten der oberen Oststraße zwischen Gartenstraße (Eschfeld) bis zur Euskirchener Straße, 6 Häuser auf der linken Seite der Oststraße, die Fabrik van-der-Giese-Straße und 2 Nachbarhäuser. Er war in Düren sehr angesehen und Vorsitzender vieler Vereine. Vielleicht lassen sich ja noch mehr Erinnerungen zu diesem Unternehmen zusammen tragen.

Unser heutiges Suchbild , das uns Frau Bach aus Frauwüllesheim übergeben hat, zeigt mehrere Personen, die sich offensichtlich in einem Luftschutzbunker befinden. Auf dem kleinen Tisch steht ein verziertes Schild mit der Bezeichnung "Bunker Wirtel-Tor". Weiß jemand, um welchen Bunker es sich dabei handelte und wo er sich befand? Hat jemand vielleicht selbst in diesem Bunker die Luftangriffe auf Düren erlebt?



14) Die zauberhafte Dame ist eine harte Nuss

Dürener Zeitung, 11.11.2011

Zu unserem vorletzten Suchbild, der Firma Wolff & Söhne am Annakirmesplatz, gab es ja zahlreiche Reaktionen (siehe Dürener Zeitung vom 28.09.2011). Etwas im Dunkeln blieb jedoch in dem Artikel jene ominöse "Bananenreiferei", deren Existenz wir mit leichten Zweifeln versahen.

Da hatten wir die Rechnung aber ohne unsere Leser gemacht. Anni Kremers aus Heimbach konnte gar nicht mehr aufhören zu erzählen. Demnach gehörte dieses "Institut" dem Obst- und Gemüsegroßhändler Külter aus Zweifall und war nichts anderes als eine große Halle, in deren schwül-warmer Luft die Südfrüchte ihre endgültige Verkaufsreife erhielten. Die Külters belieferten auch das Lebensmittelgeschäft, das die Kremers bis 1970 in Norddüren unterhielten. Zu jener Zeit betrieb übrigens einer der ersten "Discounter", der "Böse Wolf", die Gründung einer Einkaufsgemeinschaft, der die Kremers aber nicht beitreten wollten.

Nach Aussage von Doris Hanz holte Großhändler Külter die Bananenstauden mit dem LKW direkt vom Schiff in Antwerpen ab, und zwar mit einem alten grünen MAN, wie Harry Müller ergänzt. Seine Mutter hatte ein Geschäft am Altenteich, daher hatte er als Junge öfter Gelegenheit, einen Blick in den Lagerraum des Großhändlers zu werfen, der seiner Erinnerung nach allerdings kühl war.

Obwohl Külter zwei Söhne hatte, wurde der Dürener Obst- und Gemüsegroßhandel irgendwann aufgegeben. Als Nachfolger betrieb ein gewisser Diefenthal in den Räumen unter dem Namen "Deep Valley Racing" eine Automobilsportgemeinschaft. Zur "Schmutzigen Mutter" wusste Harry Müller noch zu berichten, dass die erste Trägerin dieses Namens, Tillmanns Dora, seine Tante war. Der Ehrentitel ging anscheinend nahtlos auf die Nachfolgerin über, Schepps Nellche (Lenzen), deren Lebensgefährten Karl von einem Besoffenen sogar das erste Glied des Zeigefingers abgebissen worden sein soll. Da sage noch einer, in Düren sei doch nie was los!

Nicht ganz so ergiebig waren die Reaktionen auf unser eigentliches Suchbild, die zauberhafte junge Dame im Hoeschpark. Ingeborg Peifer aus Derichsweiler, deren Eltern früher einen Garten am Annakirmes-Platz hatten, will sich erinnern, dass die Figur früher im Holzbenden-Park (damals Hopps Park) gestanden habe. Einmal sei ihr sogar der Po rot angemalt worden. Ob sie selber daran beteiligt war, konnte sie aber nicht mehr sagen …

Unser treuer "Spurensucher" Wilhelm Bürvenich machte uns darauf aufmerksam, dass das Schicksal dieser Skulptur schon einmal Thema in unserer Zeitung war. 1981, also vor genau dreißig Jahren, hatten sich Leser erinnert, dass der heutige Park früher Garten der Villa von Dr. Hermann Hoesch gewesen war. Das Gelände wurde Ende der 1920er Jahre von der Stadt erworben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Über die Entstehung und den Schöpfer der Plastik war aber auch damals nichts in Erfahrung gebracht worden. Wir werden auf jeden Fall an dem Thema bleiben.

Zu unserem heutigen Suchbild gehört eine kleine Geschichte. Frau Ilse Oehmen aus Düren hat dem Stadtmuseum leihweise ein wunderschönes Album zur Verfügung gestellt, in dem eine Dürener Firma Nachweise ihres "Schaffens" gesammelt hat. Es handelt sich um die 1863 gegründete "Dürener-Zink-Waaren- und Ornamenten-Fabrik Ph. Fahnenschreiber" , die u.a. mit ihren Dachhelmen und -reitern zahlreiche Dürener Häuser, vornehmlich der gehobenen Klasse, verzierte. Leider sind nicht alle Bilder in dem Album beschriftet, so auch unser Suchbild nicht. Es steht noch nicht einmal fest, ob sich dieses Haus in Düren befand, denn die Firma hatte zu ihrer Blütezeit überregionale Bedeutung und exportierte in viele europäische Länder. Also ist wieder einmal der Spürsinn unserer Leser gefragt.



13) Von Südfrüchten und "Meurers Mamm"

Dürener Zeitung, 28.09.2011

Die Firma Wolff & Söhne am Annakirmesplatz, hinter dem Straßenzug der Aachener Straße die alte Kettenfabrik, ganz im Hintergrund die Dreigurtbrücke – das sind Orientierungspunkte für viele Dürener, die sie auch sechzig Jahre nach dem Datum der Aufnahme unseres letzten Suchbildes noch mit Leichtigkeit identifizieren können.

Entsprechend groß war die Resonanz auf jenes Foto, aufgenommen vom Alten Wasserturm (von dem allerdings niemand sagen konnte, wann er abgebrochen wurde) in Richung Norden. Unter den Anrufern war auch eine Reihe ehemaliger Wolff-Mitarbeiter wie z.B. Matthias Schumacher, der dort 1958 eine kaufmännische Lehre begann. Außer dem Verwaltungsgebäude an der damaligen Jahn- (heute Elberfelder) Straße konnte er noch die Dreherei (in den beiden Hallen dahinter) und den Apparatebau (vor dessen Tor der LKW steht) bezeichnen. Das Haus (mit Giebel) neben dem Verwaltungsgebäude wurde erst in den 60er Jahren dazu erworben.

Hans Gülpen hat 1950 bei Wolff & Söhne Kupferschmied gelernt und dort bis 1960 gearbeitet. Er erinnert sich, dass die Kupferschmiede sehr laut und die Arbeit körperlich einseitig und sehr anstrengend war. Das bestätigt auch Karl Geuenich, selber von 1952-61 Kupferschmied.

Die neben dem Anhänger liegenden Rollen erkannten natürlich auch andere Kollegen als Trockenzylinder einer Papiermaschine, so etwa Hubert Bohlem oder Ulrich Jungbluth, die bei Dörries gearbeitet haben.

Aus einer ganz anderen Perspektive lernte Rudolf Heimlich die Fabrikgebäude kennen. Nach seiner Lehre 1958-60 reparierte er als "Haus- und Hof-Dachdecker" mit Geschäft in der Oststraße alle Dächer bei Wolff & Söhne.

Dieter Heimbüchel schließlich, mit 70 Jahren heute Besitzer eines Ladens an der Euskirchener Straße, war von 1958-78 bei der Spedition Strepp und meint sich zu erinnern, dass sie viel für Wolff & Söhne gefahren hätten.

"Der Annakirmesplatz, die Rurbrücke, der Stadtpark und der Rurdammweg waren unser Revier", erzählte Norbert Heinen, Jahrgang 1943 und damals an der Aachener Straße wohnhaft. Nur von außen kannte er die Gaststätte Meurer, deren großen Saal man zur heutigen Cannstatter Straße hin erkennen kann. Der Volksmund nannte das Etablissement "Meurers Mamm" oder auch (unerklärlicher Weise) "Zur schmutzigen Mutter".

Am Ende der Cannstatter Straße befand sich das Lager eines "Konsums", wie mehrere Anrufer berichteten, ohne jedoch noch nähere Einzelheiten zu kennen. "Außerdem", so Norbert Heinen, "gab es aber auch in dieser Straße ein Lager eines Käsehändlers. Ebenso wohnte in dieser Straße eine Familie Büsdorf, welche mit dem Schwiegersohn Franz Bremer eine Spedition betrieb. An der Ecke zum Rurdammweg hatte auch der einzige noch in Düren aktive Böttcher seine Werkstatt, Familie Nipps."

Auf der rechten Seite der Kreuzung Aachener Straße mit der Rurstraße, wo sich heute eine Tankstelle befindet, war die Kohlenhandlung Schmitz. Gegenüber auf der Ecke befand sich lange Jahre das Geschäft, in dem Harald Stolz groß geworden ist. "In dem Haus neben uns hat Knipprath angefangen", berichtet er, genannt "Knippraths Hötsche", wie Norbert Heinen ergänzt. Daneben wiederum befand sich die Metzgerei Hilgers, gut zu sehen durch die noch lange Jahre bestehende Baulücke auf der südlichen Seite der Aachener Straße, auf der sich mit dem Geschäft Thelen eine zweite Metzgerei befand.

An "Meurers Eck" erinnert sich auch Hans-Theo Katzgrau, bekannter Dürener Dachdecker, noch genau. "Da haben immer die Belgier getanzt." Das Foto datiert er im übrigen auf 1951, wie er am Zustand seiner Werkstatt in der Cannstatter Straße erkennt.

Etwas mysteriös erscheint der Hinweis auf eine "Bananenreiferei", den Bruno Klimke erhielt, nachdem er seinen Kegelbrüdern das Foto in der Zeitung gezeigt hatte. Sie soll sich neben der "schmutzigen Mutter" befunden haben. Vielleicht hat aber auch einfach nur jemand der Dame zu tief in die Augen geschaut …

Unser heutiges Suchbild schlägt eine ganz andere Richtung ein. Im kleinen Hoeschpark zwischen Pleuß-Mühle und Aachener Straße sitzt auf einem massiven Sockel eine ganz in sich versunkene Dame . Niemand weiß, wen sie darstellt und wer sie erschaffen hat. Vielleicht können unsere Leser helfen.



12) Das war vielleicht ein Hallo ...

Dürener Zeitung, 17.08.2011

Das war vielleicht ein Hallo nach unserem letzten Suchbild: Papa sitzt am Frühstückstisch und ruft: "Mama, Du bist in der Zeitung!" - "Ach was, Du bist jeck!" - "Doch, hier, kuck selber!"

So oder so ähnlich hieß es bei vielen Anrufen, die wir nach dem Abdruck des alten Gruppenfotos der Klasse 8 der Peschschule erhielten. Und viele konnten noch fast alle Namen ihrer damaligen Mitschülerinnen aus dem Gedächtnis hersagen, die Mädchennamen wohlgemerkt. Denn es handelte sich ja um mehr als 40 junge Damen im Alter von 14-16 Jahren, dazwischen ihre Klassenlehrerin Martha Keuth aus Hoven, die, so erzählte man, immer recht schnittig mit einer Vespa zur Schule kam, und Pastor Lüpschen, der Religionslehrer, der sich diese Gelegenheit wohl nicht entgehen lassen wollte. So konnten fast alle abgebildeten Personen identifiziert werden, die Namen finden sich auf unserer Startseite.

Wer sich das Foto vom 23. März 1955 genauer ansieht, der kann ein kleines Stück Zeitgeschichte daraus lesen: Die sehr unterschiedliche Kleidung der Mädchen - zwischen Strickpullover und Mantel mit Pelzbesatz, zwischen flachen Halbschuhen und Pumps -, lässt ein wenig erahnen, wer besser aus den Startlöchern der jungen Republik gekommen war.

Die meisten machten nach dem Schulabschluss eine Lehre. Entweder im Dürener Einzelhandel - Rosemarie Begasse z.B. bei Radio Weber in der Wirtelstraße, Karin Neumann bei Stüssgen - oder in einer der zahlreichen Dürener Industriefirmen: Doris Heller lernte bei Gebr. Heyder, ging dann zu Anker-Teppich, Helga Plück wurde nach 1-jähriger Handelsschule Industriekauffrau bei Isola, Evelyne Rauer Stopferin bei Th. J. Heimbach. Rita Ungermann machte in Stolberg eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester und war danach im Dürener Wöchnerinnenheim tätig. Brigitte Strömer wäre gern Schneiderin geworden, übernahm dann aber doch (in 6. Generation) das elterliche Korbmachergeschäft in Rölsdorf.

Oft wurde die berufliche Karriere aber auf klassische Weise beendet: Durch die Geburt des ersten Kindes.

Viele verloren sich aus den Augen, nicht nur, weil die eine oder andere wegzog wie Doris Heller, die es über Bayern und einige andere Stationen erst vor einigen Jahren wieder nach Düren zog. Immerhin haben die meisten es geschafft, sich vor einiger Zeit bei einem Klassentreffen wieder zu sehen.

Wenn es, angeregt durch unser "Suchbild", vielleicht noch mal zu einem solchen Klassentreffen kommt - dann wären wir gerne eingeladen.

Mit unserem heutigen Bild bleiben wir in etwa in der Zeit. Es wäre schön, wenn uns viele etwas sagen könnten zu der abgebildeten Firma und zu anderen Einzelheiten im Vorder- oder Hintergrund. Wir sind wie immer sehr gespannt auf die Reaktionen der Stadtkenner.



11) Reichlich Verwirrung um ein verwechseltes Bild

Dürener Zeitung, 02.07.2011

Und wieder hat eines unserer "Suchbilder" für einige Verwirrung gesorgt: Die Luftaufnahme einer zerstörten Stadt, die wir beim letzten Mal veröffentlichten, zeigt allem Anschein nach - trotz der eindeutigen Kennzeichnung - nicht Düren. Jedenfalls nicht das unsere.

Aber der Reihe nach. Die markante Kreuzung mit den insgesamt fünf abgehenden Straßen inspirierte manchen Leser zu eigenen Deutungen. Für Günter Hermanns zeigte das Foto den Wirteltorplatz, der allerdings, als er Karfreitag 1946 aus der Evakuierung zurück kam, schon von den Ruinen befreit gewesen sei.

Auf den Kölnplatz tippte dagegen Elfriede Groß. Die kleinen weißen Punkte waren für sie die Grabsteine des Evangelischen Friedhofs. Uwe Krämer sah in der Gabelung die Nord-Dürener "schärpe Eck", wo sich Alte und Neue Jülicher Straße teilen.

Heinrich Kruse, Jahrgang 1918 - der im übrigen schon mit der Lokalisierung unserer berühmten "französischen Buchhandlung" richtig lag - war sich ganz sicher, den Kriegerdenkmalsplatz identifizieren zu können. Für alle "Immis": Das ist der heute namenlose Kreuzungsbereich August-Klotz-, Tivoli-, Philipp- und Schenkelstraße. Er habe lange in der Veldener Straße gewohnt, so Kruse, die Fassaden der Bürgerhäuser könne man heute noch an der August-Klotz-Straße sehen.

Das hatte was für sich. Aber leider nur, solange man nicht ganz genau hinsah. Das tat Max Heyder und analysierte minutiös, warum das nicht stimmen könne. Da hätte zum Beispiel links neben der Kreuzung das weitgehend unzerstört gebliebene Gebäude der heutigen Musikschule erkennbar sein müssen. Auch der Hausrest rechts von der Kreuzung stimmte in Lage und Dimension nicht mit dem ebenso weitgehend unzerstörten Haus Schenkelstraße 6-8 überein, das heute städtische Dienststellen beherbergt.

Achim Konejung schließlich, der sich im Rahmen seiner Hürtgenwald-Forschung sehr intensiv mit alliierter Kriegsberichterstattung beschäftigt, kam zu dem bündigen Urteil: "Das ist nicht Düren!". Und er erläutert weiter: "Also, die Aufnahme scheint ja wohl kurz nach dem Krieg aufgenommen zu sein, denn Trümmer sind noch nicht viele beseitigt, aber die Zivilisten auf den Straßen scheinen von einem alliierten Tiefflieger nicht erschreckt zu sein, die gehen ganz normal über die Straße. Das würde auch bedeuten, dass die Häuser im unteren linken Bildrand heute noch vorhanden sein müssten, denn die sind ja teilweise intakt. ... Es ist durchaus möglich, dass die US-Army Air Force an dem Tag zu Dokumentationszwecken ein großes Gebiet abgeflogen hat und nachher bei der Bildauswertung die Orte vertauscht wurden, das habe ich - leider - schon öfters feststellen müssen. Eine farbige Luftaufnahme von Aachen entpuppte sich so als Luftaufnahme von Düren - erkennbar an der Ruine der Annakirche." So hat sich unser letztes Bilderrätsel als schlagendes Beispiel dafür entpuppt, dass man noch lange nicht alles glauben darf, was einem schwarz auf weiß vorliegt - in Zeiten von Photoshop eigentlich eine triviale Erkenntnis.

Dafür bieten wir mit unserem heutigen Foto einen "Augenschmaus" der besonderen Art. Vor dem Eingang des Leopold-Hoesch-Museums (das damals auch noch die Stadtbücherei beherbergte) haben sich in den 1950-er Jahren eine ganze Reihe hübscher junger Damen aufgebaut, unter die sich - ganz links - Pastor Lüpschen "geschmuggelt" hat. Sicher können sich noch einige der Abgebildeten erinnern, wann und aus welchem Anlass dieses Foto entstanden ist. Wir sind gespannt ...



10) Unsere Leser kennen die Stadtgeschichte

Dürener Zeitung, 12.03.2011

Unsere Leser kennen die Geschichte ihrer Stadt - und die entsprechende Literatur. So war das Foto in unserer Ausgabe vom 7.1.2011 schnell identifiziert. In seinem Buch "Düren 1940-1947" hat der ehemalige Stadtarchivar Dr. Domsta umfangreiche Unterlagen zum Kriegsgeschehen in Düren zusammen getragen und dabei auch den Luftangriff am 11.7.1941 beschrieben, dessen Folgen das Foto zeigte. Darauf bezogen sich die meisten Reaktionen, so auch die von Max Heyder, der aber darüber hinaus zu der auf dem Foto zu erkennenden Pumpe zu sagen wusste, dass sie zur Werksfeuerwehr von Th. J. Heimbach gehörte, die zu jener Zeit am besten ausgerüstet war. Besser noch als die städtische Löschtruppe, wie auch Hans Lenarduzzi bestätigte. Wahrscheinlich sei sie benutzt worden, um Keller leer zu pumpen.

Besondere Erinnerungen an diesen Angriff hat Wolfgang Künster, Jahrgang 1926, "weil mein Bruder als Luftschutzmelder verpflichtet war und mir nach dem Angriff davon genau berichtete. Es war der erste Luftangriff mit erheblichem Sachschaden und vielen Toten. Dank vieler Brandbomben entstand dabei ein Großbrand besonders an Wohn- und Geschäftshäusern. Das Fahrradgeschäft Schuster, Ecke Weier-/Peschstraße, wurde dabei zerstört. In der engen alten Kämergasse entstand ebenfalls großer Brandschaden. Die Häuser mit den 'Roten Laternen' konnten nicht mehr benutzt werden."

Wolfgang Künsters Bruder ist am 20. April 1944 als Kompaniemelder bei Leningrad gefallen.

Wilhelm Bürvenich wies darauf hin, dass am 21.7. ein weiterer Luftangriff erfolgte. In seinen privaten Aufzeichnungen vermerkte er damals: Sprengbombe in der Weierstraße. Ein Foto des entsprechenden Straßenabschnitts fügte er bei.

Neues zur Buchhandlung

Die meisten unserer Leser werden sich sicher noch an das zweite Suchbild unserer Serie erinnern, das eine französische Buchhandlung Anfang der 1920er Jahre zeigte. DZ-Leser Heinrich Kruse, Jg. 1918, lag damals richtig mit dem Hinweis, die Geschäfte in der Wirtelstraße hätten keine Treppenstufen gehabt. Dort hatten die meisten die Buchhandlung vermutet. Er sah das Geschäft eher in der Josef-Schregel-Straße, neben Zucker Bücker, worauf der im rechten Schaufenster ansatzweise erkennbare Schriftzug "Schokolade" hindeuten könnte.

Dafür konnte Josef Brauweiler, Mitarbeiter im Stadtmuseum, nach langer Suche jetzt endlich einen Beweis erbringen. Auf einer Postkarte, die den Langemarckpark mit Blick auf die (damalige) Eisenbahnstraße zeigt, ist im Hintergrund diese Buchhandlung mit der gleichen Beschriftung zu erkennen. Es handelt sich laut damaligen Adressbüchern um die Haus-Nr. 48 a, bewohnt von "Schiffer Josef, Photograph" und "Peifer Franz, Kaufmann". Rechts daneben, in Haus-Nr. 48, befanden sich "Bücker Wilhelm, Kaufmann" und "Hostenbach Wilhelm, Bonbonkoch[!]". Die im linken Fenster neben der Buchhandlung erkennbaren Reste von Schriftzügen könnten auf "Jonen Gertrud, Zuschneiderei", gemeldet in Haus-Nr. 48 b, hindeuten. Dass die Buchhandlung nicht als solche aufgeführt wurde, mag seinen Grund darin haben, dass Einrichtungen der Besatzungsmacht nicht identifizierbar sein sollten.

Unser heutiges Suchbild zeigt - jedenfalls laut einmontierter Beschriftung - einen Ausschnitt aus dem Dürener Stadtbild   nach einem erfolgten Bombenangriff. Vielleicht gelingt unseren Lesern ja die Identifizierung der Örtlichkeit anhand des vergrößerten Ausschnitts, der einige besonders markante Giebel   zeigt, die stehen blieben, obwohl das Innere der Häuser weitgehend ausgebrannt ist.



9) Schicksal der Brotfabrik wird nur angeschnitten

Dürener Zeitung, 07.01.2011

Dass es zur Dürener Geschichte noch jede Menge offener Fragen zu klären gibt, zeigte einmal mehr unser letzter Beitrag aus der Serie „Spurensuche“. Gezeigt worden war eine Aufnahme der „Dürener Brotfabrik“ mit der Bitte an unsere Leser, uns dazu mit eigenen Erinnerungen oder Hinweisen weiter zu helfen.

Allem Anschein nach hat dieses Unternehmen nicht sehr lange existiert. Im 1899 erschienenen „Führer durch die Stadt Düren“ wird im Gewerbeverzeichnis eine „Brodfabrik“ unter der Firma Joseph Beckers, ansässig in der Oberstraße 39, aufgeführt. Heinrich Richartz nennt in seinem wunderbaren Bildband „Düren so wie es war“ die Adresse Oberstraße 37, bei ihm lautet der Inhaber Peter Quester. Die eigentliche Fabrik lag demnach in der rückwärtigen Bebauung, zwischen Jesuitengasse und Waisenhausstraße. Auf einem Foto (um 1922) vom Annaplatz aus ist noch der quadratische Schornstein zu sehen, das Haus mit dem prächtigen Giebel rechts daneben ist die Nr. 37. Die Nr. 39, wiederum rechts daneben, ist bedeutend aufgestockt worden. Nach Richartz ging das Unternehmen „in der Mehlnotzeit des Ersten Weltkrieges“ ein, in einem Teil des leerstehenden Gebäudes richtete die Apostolische Gemeinde einen Versammlungsort ein.

Wahrscheinlich jedoch wurde das Unternehmen noch früher aufgegeben. Im Adressbuch der Stadt Düren für 1893/94 ist es noch aufgeführt, sogar mit einer Anzeige vertreten, unter dem Inhaber Joseph Becker, Oberstraße 37 und 39. Verbunden ist die Brotfabrik mit einer „Frucht-, Mehl- und Viehfutter-Handlung en gros und en detail“, wie auch auf unserem Suchbild zu sehen. In den nächsten Adressbüchern ist diese Firma dann schon nicht mehr vertreten, unter Oberstraße 37 findet sich jetzt Peter Quester als Bäckerei, später nur noch als Verkaufsstelle.

Unsere Leser Maria und Josef Wunderlich, beide alte Dürener, haben sich auf der Suche nach den Spuren der Brotfabrik sogar die Mühe gemacht, die Situation in jenem Teil der Oberstraße anhand einer Skizze aufzuzeigen. Sie gehen davon aus, dass die Tor-Einfahrt möglicher Weise zum späteren Arbeiter-Hospiz führen könnte.

Unser heutiges Suchbild zeigt eine Szene rund um die Annasäule  am Altenteich nach einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg. Wer kann uns dazu nähere Einzelheiten mitteilen, etwa zum Datum des Angriffs, zu den betroffenen Häusern, zu den Personen auf dem Foto?



8) Detaillierte Antworten auf offene Fragen

Dürener Zeitung, 28.07.2010

Es ist Mittwoch, der 15. Dezember 1948. Vor der Birkesdorfer Geschäftsstelle der Kreissparkasse Düren haben sich zahlreiche Menschen versammelt, um einem von ihnen das letzte Geleit zu geben. Sparkassendirektor Lambert Hahn war am 10. Dezember im Alter von nur 54 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

Franz Hützen rief uns als erster an. Als langjähriger Mitarbeiter des Dürener Instituts war er u.a. Projektleiter des City-Karrees und kannte Hahn noch persönlich. „Lambert Hahn wohnte über der Zweigstelle. Eines Tages kam er nach Hause und brach mit einem Herzinfarkt auf den obersten Treppenstufen zusammen.“ Hahn war über 26 Jahre bei der Sparkasse beschäftigt, seit 1944 als Leiter der Birkesdorfer Geschäftsstelle. Deren Gebäude ist übrigens noch das gleiche wie auf dem Foto, so Hützen, nur die Fassade ist geändert.

Erstaunlicher Weise, dies eine Anmerkung am Rande, fand sein Tod keinen Niederschlag in der damaligen Lokalpresse. Lediglich drei Todesanzeigen waren auszumachen.

Einen ausführlichen Brief erhielten wir von P. E. Bröcker, der etwas ganz Besonderes berichten konnte: Lambert Hahn war sein Onkel.

„So viel ich weiß, war das abgebildete Haus das einzige unbeschädigte Gebäude der Kreissparkasse nach den vielen Bombenangriffen. Im Erdgeschoss wurden die Geschäftsräume der Kreissparkasse eingerichtet; im Obergeschoss hatte Herr Dir. Hahn Wohnung genommen.

Etwa zwei Jahre vor seinem Tod hatte Herr Hahn schon einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich zwischenzeitlich erholt hatte. Abends nach Hause gekommen, ist er leider dann auf den oberen Stufen der Treppe mit tödlichem Herzinfarkt zusammengebrochen.

Ich hielt mich oft und gerne bei meinem Onkel Lambert auf, durfte ich ihn doch mit seinem Dienstwagen, einem Opel Kadett, Baujahr 1937, des öfteren chauffieren. Mein Vater hatte schon einen Fahrer. Gutes Essen hatte seiner Zeit einen hohen Stellenwert, und so nahm ich an manchem von seiner Haushälterin, Frau Bödefeld, bereiteten Essen gerne teil. Der gewichtige und strenge, mit Mittelscheitel und kurzen, zur Seite gekämmten Haaren frisierte Onkel Lambert pflegte beim Frisörbesuch zu sagen: ‚Ich wünsche keine Unterhaltung.’“

Die uns heute etwas ungewöhnlich anmutende Sitte der Aufbahrung verstorbener leitender Mitarbeiter wurde allem Anschein nach auch später noch fortgesetzt. DZ-Leserin Liesel Gröbel schrieb uns dazu: „Mit Interesse verfolgen mein Mann und ich die ‚Spurensuche’ in der DZ. Mein Onkel, Werner Wittgen, geb. 1907, war Filialleiter der Kreissparkasse Düren in Birkesdorf. Als er im August 1957 verstarb, wurde sein Sarg in der Kassenhalle aufgebahrt. Das Beerdigungsinstitut Hannot + Gülden aus Birkesdorf hat dies vorgenommen. Der Trauerzug ging dann durch die Kirchgasse zum Friedhof. Was gegen die Beerdigung meines Onkels spricht, dass die Anwesenden warme Mäntel tragen. Aber vielleicht haben Sie ja schon Antworten auf Ihre Fragen bekommen. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Beitrag.“

Dieser Beitrag heute dreht sich um die sogenannte „Dürener Brotfabrik“ des Peter Quester, gelegen in der Oberstraße 37. Außer einigen Zeilen in einem Dürener Bildband der 70er Jahre war dazu leider nichts zu finden. Wer weiß, wie lange diese Firma existiert hat? Wer hat vielleicht noch andere Ansichten des Gebäudes oder sogar der Innenräume? Wer kann das heutige Foto genauer datieren?



7) Das weiche Wasser der Rur

Dürener Zeitung, 18.05.2010

Zu den Bereichen der Dürener Stadtgeschichte, die noch intensiv aufgearbeitet werden müssen, gehört mit Sicherheit auch der Arbeitsalltag in Handel, Gewerbe und Industrie.

Insofern hatten wir uns schon mehr Erkenntnisse aus unserer letzten Bildersuche erhofft. Das aus heutiger Sicht „romantische“ Foto zeigte eine Gruppe von Arbeitern, die – offensichtlich mit einer behelfsmäßigen Konstruktion – an einer Leitung arbeiten.

Einzig unser Leser Wolfgang Guder aus Kreuzau wusste etwas zu dem Bild zu sagen, das allerdings sehr detailliert. Er schreibt: „Meiner Meinung nach handelt es sich bei dem Bild um Brunnenbauarbeiten an der Rur, wie sie früher fast jedes Jahr notwendig waren. Alle Feinpapierfabriken im Raum Düren nahmen das Oberflächenwasser aus der Rur für ihre Produktion. Heute noch sind im Rurgelände an vielen Stellen die Einzugsbrunnen dieser Wassergewinnung zu finden.

Zwischen einem Einzugsbrunnen und der Rur wurde ein Graben ausgehoben und mit gewaschenem Kies verfüllt, zur Rur hin mit gröberem Kies bis zu faustdicken Steinen direkt am Wasser, zum Brunnen hin immer feiner werdend. Diese natürlichen Kiesfilter arbeiteten sehr effektiv und lieferten im Einzugsbrunnen ein klares, von Schwebestoffen freies Wasser ab. Von den Einzugsbrunnen gingen dann Sammelleitungen zu einem Pumpenhaus, von wo aus das Wasser in die Papierfabrik gelangte und hier mit verschiedenen Filtern praktisch auf Trinkwasserqualität gebracht wurde. Das Wasser war weich mit einer Härte von 6-16 DH und ideal zur Herstellung von Feinpapieren.

Was nun das Bild angeht, sehe ich links ein Saugrohr und hinter der Überdachung ein Druckrohr abgehen. Unter der provisorischen Überdachung steht evtl. die Pumpe, damals meist Kolbenpumpen, welche angetrieben wird durch eine Lokomobile. Diese ist zwar nicht sichtbar, aber man sieht den Treibriemen, der rechts von der Lokomobile zur Pumpe und zurück geht. Mit diesen großen Pumpen versuchte man, den ausgeschaufelten Einzugsgraben zu entwässern, um ein neues Filterbett einzubringen. Ich bin der Meinung, dass es sich um die jährlich in der Teichwoche anfallenden Arbeiten einer Papierfabrik an der Rur handelt, entweder Felix Heinrich Schoeller, Hugo Albert Schoeller, Schoellershammer oder Gebr. Hoesch in Kreuzau. Ich selber habe als Kind noch solche Arbeiten an der Rur gesehen, kann mich aber an Einzelheiten nicht mehr erinnern.“

Vielleicht können ja an Hand dieser Aussagen ehemalige Mitarbeiter von Papierfabriken noch weitere Details beisteuern.

Immer noch ungeklärt ist der Standort der französischen Buchhandlung, die wir auf unserem zweiten Suchbild dargestellt haben.

Allerdings laufen zur Zeit intensive Recherchen von Mitarbeitern des Stadtmuseums beim Archiv der Messageries Hachette in der Normandie, wo man noch Unterlagen zu finden hofft.

Unser heutiges Bild  wirft gleich eine ganze Reihe von Fragen auf. Offensichtlich wird ein hochrangiger Mitarbeiter der Kreissparkasse Düren zu Grabe getragen. Kann jemand etwas über den Zeitpunkt dieses Ereignisses sagen? Sind Personen auf dem Bild zu erkennen? Warum ist der/die Verstorbene allem Anschein nach im Gebäude der Kreissparkasse aufgebahrt gewesen?



6) 650 000 Liter Kaffee und viele andere „Liebesgaben“

Dürener Zeitung, 12.01.2010

Zugegeben, das jüngste Bild unserer Serie „Spurensuche“ war eine harte Nuss. „Was um Himmels Willen haben wir heute noch mit dem Vaterländischen Frauenverein zu tun?“, mag sich manch ein Leser angesichts der Fotografie gedacht haben. Nun, immerhin handelt es sich um eine der Vorläuferorganisationen des Deutschen Roten Kreuzes. Aus den eingehenden Informationen und eigener Recherche konnte das Stadtmuseum die Geschichte des Vereins rekonstruieren.

Der Vaterländische Frauenverein wurde von der preußischen Königin und späteren deutschen Kaiserin Augusta 1866 gegründet. In Düren entstand 1871/72 ein Zweigverein, der laut Statuten den Zweck verfolgte, „in Kriegszeiten alle zur Fürsorge für die im Felde Verwundeten und Erkrankten dienenden Einrichtungen zu fördern und zu unterstützen“. Seine Mittel sollten insbesondere dazu dienen, „den verwundeten und erkrankten Kriegern in Vereinslazaretten Hilfe zu bringen, durchfahrenden sowie auch den auf dem Kriegsschauplatze stehenden Truppen Bekleidungsgegenstände, Nahrungsmittel und Erfrischungen zuzuführen sowie den hilfsbedürftigen Angehörigen der im Kriege befindlichen Soldaten Unterstützungen zu gewähren“, wie das Dürener Bürgerbuch von 1896 formulierte. Der Verein genoss großzügige Unterstützung vor allem durch das Dürener Bürgertum. 1898 konnte er sogar ein von dem Industriellen- Ehepaar Agnes und Eberhard Hoesch geschenktes Haus an der Holzstraße als Vereinsheim eröffnen. Agnes Hoesch war auch bis zu ihrem Tode 1903 langjährige Vorsitzende und hinterließ dem Verein 150 000 Mark.

Nun folgten dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 allerdings mehr als vier Jahrzehnte des äußerlichen Friedens, in denen sich der Verein, wollte er nicht überflüssig werden, weitere Aufgaben setzen musste. So sollte er „in Friedenszeiten, abgesehen von seiner und seiner Mitglieder Vorbereitung zu tüchtiger Kriegsarbeit bei Linderung außerordentlicher Notstände augenblickliche Hilfe leisten, jeder dauernden Not und den Ursachen von Notständen nach Kräften entgegentreten und das Wohl der unbemittelten Volksklassen durch Gründung und Unterstützung gemeinnütziger Einrichtungen und Anstalten nach Kräften fördern“. Auf einem vom Ehepaar Hoesch an der Rurstraße geschenkten Grundstück sollten beispielsweise Muster-Arbeiter-Häuser gebaut werden. Allem Anschein nach war der Verein auch im geselligen Bereich aktiv, wie drei Fotos von den sogenannten „Werningschen Vaterländischen Festspielen Düren 1909“ nahelegen, die uns DZ-Leser Wilhelm Bürvenich schickte.

Besondere Wirksamkeit entfaltete der Frauen-Verein mit Beginn des Ersten Weltkrieges. Büchsensammlungen, Kollekten und Spenden erbrachten im ersten Kriegsjahr über 253 000 Mark.

Dem Jahresbericht für 1914 können wir entnehmen, dass die Erfrischungsstelle am Bahnhof für die Verpflegung durchfahrender Truppen seit dem 2. August 1914 insgesamt 650 000 Liter Kaffee sowie Suppen, Brote, Lebensmittel und andere „Liebesgaben“ ausgegeben hat. Wie unserem Foto zu entnehmen war, wurden an der „Verpflegungsstation“ am Bahnhof auch Wollwaren verkauft.

„Das weitere Schicksal des Dürener Vaterländischen Frauen-Vereins liegt weitgehend im Dunkeln und wäre ein reizvolles Forschungsthema“, bilanziert Bernd Hahne vom Stadtmuseum.

Natürlich gibt es heute wieder ein neues Bild  zur „Spurensuche“. Es zeigt eine Gruppe von Arbeitern mit ihrem Vorarbeiter, Ort und Zeitpunkt der Aufnahme sind unbekannt. Wer kann etwas dazu sagen, was die Männer dort gerade bauen beziehungsweise verlegen? Kennt jemand eine der abgebildeten Personen? Weiß jemand, wo die Arbeiter für den Fotografen posieren? Leicht wird es wieder nicht, doch womöglich lohnt sich die Spurensuche.  



5) Viele sprechen von einem kleinen Wunder

Dürener Zeitung, 21.11.2009

Zahlreiche, teilweise sehr detaillierte Rückmeldungen gab es auf unser letztes Bildersuchrätsel. Das mag auch daran gelegen haben, dass es nicht so sehr weit zurück ging: Das dort festgehaltene Unglück passierte genau am 16. Dezember 1970.

Das Wichtigste vorab: Außer dem Schaffner Bernhard Prumbach, der in seinem Häuschen im letzten Wagen saß und mit diesem in die Tiefe stürzte, kam niemand zu Schaden. Der Schaffner konnte nach kurzer Behandlung im Dürener Krankenhaus entlassen werden – körperlich nur mit leichten Blessuren, psychisch allerdings unter starkem Schock und traumatisiert, so dass er zum Hergang gar nichts erzählen konnte, wie uns seine Witwe sagte. Was sie immer noch aufbringt, ist die Tatsache, dass diese Folgen des Unfalls seitens der damaligen Bundesbahn nicht anerkannt wurden.

Dass sonst niemand verletzt oder gar getötet wurde, bezeichnen viele Leser als kleines Wunder. Befand sich doch unmittelbar an der Absturzstelle eine Haltestelle der ehemaligen Dürener Eisenbahn AG, an der jetzt die Busse der Dürener Kreisbahn in Richtung Inden abfuhren.

Ursache des Unglücks war eindeutig menschliches Versagen. Normaler Weise wurde dieser Zug, der in Düren eingesetzt wurde, morgens kurz vor sechs über das Gleis der nördlichen Brücke zurück rangiert, um dann in Gleis 3 zur Abfahrt bereit gestellt zu werden. Dazu musste natürlich eine Weiche gestellt werden, was just an diesem Morgen nicht rechtzeitig passierte. Ob der Fahrdienstleiter irrtümlich „freie Fahrt“ gab, der Lokführer (ohne Sicht auf den Fahrweg, da der Zug geschoben wurde) zu früh los fuhr – die Ergebnisse der bahninternen Untersuchungen wurden der Öffentlichkeit, wie damals üblich, nicht mitgeteilt.

„Da beim Überfahren des Prellbocks die Hauptluftleitung des Zuges zerrissen ist, kam der restliche Zug  durch die automatisch eingeleitete Zwangsbremsung vor der Mauer zum Stehen“, schrieb uns DZ-Leser Hans Georg Eich vom Regionalbereich West, der am 01.09.1970 seine Ausbildung bei der Deutschen Bundesbahn in Düren aufgenommen hatte. „Wie man auf dem in der Zeitung abgebildeten Bild sehen kann, fehlt dem abgestürzten Waggon der hintere linke Puffer. Dieser Puffer ist beim Aufprall des Waggons auf die Straße abgebrochen und hat die unter dem Gehweg verlaufende Wasserleitung zerschlagen.“

Peter Mehrlein pendelte in diesen Jahren jeden Morgen zur Ausbildung nach Köln. Als er morgens mit dem Fahrrad zum Bahnhof kam, traute er seinen Augen nicht. „Zwischen Klagemauer und gegenüberliegende Straßenseite passte keine Maus mehr.“

Jürgen Roßkamp und Willy Rövenich erinnern sich, wie einige andere auch, dass sie auf ihrem Weg zur Schule aufgefordert wurden, die Unfallstelle mit dem Fahrrad „weiträumig zu umfahren“.

Unmittelbar beobachten konnte dagegen die ganze Szenerie Frau Doinet: Sie wohnte damals im ersten Haus hinter der Brücke und wurde früh morgens durch den Aufprall förmlich aus dem Bett geworfen.

Erstaunlich ist, dass dieses Unglück nicht, wie man hätte erwarten können, einen breiten Niederschlag in der Zeitung fand. Geradezu nüchtern berichtete die Dürener Zeitung am Tag danach (auf der Seite „Land an Rhein und Maas“): „Waggon stürzte sechs Meter tief“. Einen Tag später erinnerte die Redaktion an ein ähnliches Unglück – im Jahre 1931.

Personen auf dem Foto konnten leider kaum identifiziert werden. Lediglich Doris Pfafferott aus Kreuzau ist sich sicher, ihren Vater, zu der Zeit stellvertretender Direktor des Bundesbahnbetriebsamtes Düren, im Vordergrund zu sehen. Peter Kaptain meint, im Herrn mit Baskenmütze seinen Vater Johannes, zu der Zeit Landrat des Kreises Düren, im Gespräch mit Theo Clemens sen., dem stellvertretenden Amtsdirektor von Kreuzau, zu erkennen.

Eine interessante Bemerkung machte Peter Mehrlein noch zu der Stimmung, die sich mit dem Bild vermittelt. Dass dies der Beginn der 70-er Jahre sei, könne „man angesichts der Bilder (Uniformen, Fahrzeuge, ‚graues Nord Düren’ usw.) kaum glauben. Es zeigt aber auch, wie alt und grau teilweise noch alles in dieser Zeit war.“



4) Das Zugunglück am Dürener Bahnhof

Dürener Zeitung, 22.10.2009

„Vor diesem Ehrenmal fanden jedes Jahr irgendwelche Feiern statt. Dabei standen die Primaner immer in der ersten Reihe, was für sie den Vorteil hatte, dass sie die Mädchen vom gegenüberliegenden Lyzeum besser sehen konnten.“ DZ-Leser Max Heyder verbindet so seine ganz eigenen Erinnerungen mit dem Foto aus dem vorigen Teil unserer Serie. Er hatte, wie viele andere, meist ehemalige Schüler, kein Problem damit, das Ehrenmal zu identifizieren: Es sollte an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler des Realgymnasiums (heute Gymnasium am Wirteltor) erinnern und stand im Hof der Schule, die sich damals in der Schenkelstraße befand, zwischen Schulgebäude und Direktorenhaus. Sein Bruder Ernst Heyder lieferte dazu gleich noch eine entsprechende Skizze.

Otto Küpper, Redakteur im Ruhestand und heute noch für den Aachener Zeitungsverlag tätig, fand auf dem Ehrenmal den Namen seines Onkels Bruno Frenzel wieder. „Er war von der Schulbank weg (mit dem Notabitur in der Tasche) 1916 freiwillig in den Krieg eingezogen – wie wohl auch alle Mitschüler seines Jahrgangs“, schreibt Küpper und weist damit auf die damals herrschende „Kriegsbegeisterung“ hin, die auch in den offiziellen Schriften der Schule ihren Niederschlag findet. So heißt es in einem Beitrag zur Hundertjahr-Festschrift 1928 „Unsere Schule im Weltkriege“ von Professor August Lüdenbach zum Einzug des 83. Feldartillerie-Regiments in die Garnison Düren am 1. August 1914: „Mit gierigen Augen haben unsere Schüler den Einzug gesehen, und am Abend sind sie durch die Stadt gezogen, haben ein paar dutzendmal die Wacht am Rhein gesungen, was die Lungen hielten, und in der Nacht vielleicht von Krieg und Heldentum geträumt.“ , um dann aber fort zu fahren: „Das 83. Feldartillerie-Regiment hat viele unserer jungen Helden vom Realgymnasium aufgenommen, und an seinen zerschmetterten Geschützen floß viel edles, junges und reines Herzblut unserer lieben Jünglinge. Bei den Batterien der Dreiundachtziger hat man auch Tote zu Grabe getragen, deren Namen auf dem Ehrenmal am Realgymnasium stehen, und um die Vater und Mutter bitterlich geweint.“

In dieser Festschrift finden sich auch die gleichen Namen wie auf dem Ehrenmal, was uns Horst Böhm mit entsprechenden Kopien belegte. Nicht erinnern konnten sich die ehemaligen Schüler, wann dieses Ehrenmal errichtet worden war – dazu waren sie schlicht zu „jung“. Es war von der Vereinigung ehemaliger Schüler zum 100-jährigen Bestehen der Schule gestiftet worden und wurde im Rahmen der Feierlichkeiten am Sonntag, dem 21. Oktober 1928 eingeweiht. Ein Exemplar der gedruckten Einladung dazu wurde jetzt dem Stadtmuseum von Oliver Engels übergeben. Zerstört wurde das Ehrenmal höchst wahrscheinlich am 16.11.1944.

Unser viertes Foto stammt aus den 1960-er Jahren. Es zeigt ein spektakuläres Eisenbahnunglück am Dürener Bahnhof. Offensichtlich hat ein Zug den oberhalb der sogenannten „Klagemauer“ nördlich der zweiten Brücke befindlichen Prellbock überfahren und ist in die Josef-Schregel-Straße gestürzt. Wer kann nähere Angaben dazu machen: Wann und wie es genau geschehen ist, ob Personen dabei zu Schaden kamen? Wer kann auf dem Foto erkennbare Personen identifizieren? Weitere Fotos dazu finden Sie hier .



3) Das Ehrenmal am Realgymnasium

Dürener Zeitung, 26.09.2009

Das war wirklich eine harte Nuss gewesen, die das Stadtmuseum unseren Lesern mit dem letzten Bildrätsel zu knacken gegeben hatte. Und, um es vorweg zu sagen: Sie wurde nicht geknackt.

Zu sehen gewesen war eine Buchhandlung, die ganz offensichtlich die französischen Besatzungstruppen nach dem Ersten Weltkrieg mit Lesestoff versorgen sollte. Aus eigenem Erinnern dürfte sie in der Tat kaum einer unserer Leser noch erkannt haben, stammte die Aufnahme doch von 1921. Allerdings gab es eine ganze Reihe von Anrufen und Hinweisen, die sich auf das Haus bezogen.

Unsere Leserin Liesel Stahlmann, Jg. 1920, meint in dem Haus die spätere Buchhandlung Zanders in der Wirtelstraße erkannt zu haben. Dorthin ging sie öfter nach dem Unterricht in der kath. Volksschule, die in der Kölnstraße lag, um sich mit der Buchhändlerin Frl. Paulus zu unterhalten, die sie in sehr guter Erinnerung hat.

Heinrich Kruse, Jg. 1918, widerspricht dieser Identifizierung mit dem ernst zu nehmenden Einwand, die Geschäfte in der Wirtelstraße hätten keine Treppenstufen gehabt. Er sieht das Geschäft eher in der Josef-Schregel-Straße, neben Zucker Bücker, worauf der im rechten Schaufenster ansatzweise erkennbare Schriftzug „Schokolade“ hindeuten könnte.

Weder diese beiden noch die anderen Hinweise und Vermutungen ließen sich bis jetzt verifizieren. Auch die Adressbücher der Stadt Düren aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg geben keinen Aufschluss, eine entsprechende Buchhandlung war dort nicht zu finden.

Unser Artikel war natürlich auch Gegenstand lebhafter Gespräche und Erörterungen am Stand des Stadtmuseums auf dem Stadtfest. Dort gab es aber noch eine weitere Aufgabe zu lösen: Sechs markante städtische Gebäude waren in die richtige Reihenfolge, nämlich nach dem Zeitpunkt ihres Entstehens, zu bringen. Es handelte sich dabei um den Bahnhof, das Leopold-Hoesch-Museum, das Stadttheater, den Kölnplatz mit Neuem Wasserturm und den Kolonnaden, das Landratsamt und das Amtsgericht. Während Bahnhof als ältestes und Amtsgericht als jüngstes Gebäude relativ schnell erkannt waren, bereitete die richtige Aufeinanderfolge der anderen markanten Sehenswürdigkeiten der Stadt insofern Schwierigkeiten, als diese vier in einem Zeitraum von gerade einmal sieben Jahren, von 1905 bis 1912, errichtet wurden. Es war jene goldene Zeit, in der die Stadt Düren, gemessen an der Zahl der in ihr wohnenden Millionäre, den dritten Platz in Preußen belegte.

Um so erstaunlicher ist für die Aktiven des Stadtmuseums, dass es unter den zahlreichen abgegebenen Lösungsvorschlägen nicht weniger als dreißig richtige gab. Diese Stadtkenner (eine Auflistung findet sich unter www.stadtmuseumdueren.de) erhalten eine Urkunde mit den Fotos der Gebäude und einem Original Stadtsiegel.

Das dritte Foto unserer Serie zeigt ein Ehrenmal für gefallene Lehrer und Schüler. Wir fragen nach dem Standort bzw. der Schule und nach dem Schicksal des Ehrenmals.

Die Namen auf dem Ehrenmal und das Foto finden Sie nochmals zur besseren Betrachtung hier



2) Die französische Buchhandlung

Dürener Zeitung, 09.09.2009

„Das Telefon stand buchstäblich nicht mehr still“, strahlt Bernd Hahne, 2. Vorsitzender des Trägervereins Stadtmuseum, mit der August-Sonne um die Wette. „Die Resonanz der Leserinnen und Leser der Dürener Zeitung auf das erste Foto unserer Serie war wirklich toll!“

Zu sehen war der Wirteltorplatz zu Beginn der 1950-er Jahre, noch gezeichnet von den großen Lücken, die der Krieg mit seinen Bombenangriffen gerissen hatte, aber auch schon mit wieder aufgebauten Wohn- und Geschäftshäusern und lebhaftem Verkehr. Gefragt war vor allem nach einem genauen Zeitpunkt der Aufnahme.

Erster Anhaltspunkt für die meisten Leser war die Kaufhalle. Sie wurde im September 1949 an diesem Standort eröffnet, nachdem sie bis dahin in der Uhlandstraße beheimatet war. Eine Leserin wusste das deshalb so genau, weil sie dort vier Jahre lang gearbeitet hat. Und Hans Manfred Essers Vater war dort sogar einige Zeit Geschäftsführer, ehe er sich mit seinem eigenen Bekleidungsgeschäft (Hosen Esser) selbständig machte.

Bezüglich der Geschäfte auf der rechten Seite des Fotos gab es dann schon größere Unterschiede. „Fixpunkte“ waren natürlich die „Schauburg“, deren Saal noch am rechten Bildrand zu erkennen ist, Eisen Köller und das Hotel Germania. Was sich jedoch dazwischen an kleineren Geschäften befunden hatte, darüber gingen die Angaben teilweise weit auseinander.

Totale „Fehlanzeige“ war dagegen die Plakatwand mit der Ankündigung des Gastspiels der Eisrevue „Scala“. Zwar konnten sich einige noch an die Veranstaltung auf dem Annakirmesplatz erinnern, jedoch keinen Zeitpunkt mehr nennen. DZ-Leser Helmut Maus wusste dagegen noch genau, dass er mit einem Sohn der Schaustellerfamilie Casper in eine Klasse der Peschschule ging. Die Familie blieb schließlich in Düren wohnen.

Den entscheidenden Tipp gab schließlich unser Leser Wilhelm Bürvenich, der uns darauf hinwies, dass dieses Foto am 8. November 1952 in der Dürener Zeitung erschienen war. Von daher ließ sich auch schnell ermitteln, dass die „Scala“ vom 17. Oktober an mehrere Wochen in Düren gastiert hatte.

Dem ersten Nachkriegs-Adressbuch von 1954 konnten die anderen Geschäfte entnommen werden:

Außer der Kaufhalle waren dies am Wirteltorplatz noch Franz Josef Cäsar, Das Fachgeschäft für Augenoptik; Minartz - Chr. Heinen, Textil- und Bekleidungshaus; Möbelhaus Josef Courth und Rudolf Otto (der Schwiegersohn), Fachgeschäft für Innendekoration, sowie Bernartz Herren- und Knaben-Fertigkleidung.

In der Josef-Schregel-Str. folgten auf der rechten Seite Schauburg-Lichtspiele G.m.b.H.; Esser Leo Wwe. Tabakw.-Groß- u. Einzelhandlung; Josef Köller, Eisen- und Eisenwaren-Groß- und Einzelhandel, Haus- und Küchengeräte, Herde, Oefen, Werkzeuge; Ewald Grüsser, Blumenhaus; Möbel Müller KG; Lohr Sanitätshaus, Inh.: A. Paquin, Miederwaren, Bandagen, Einlagen; Nikl, Elektro - Musikhaus; Josef Hünerbein, Metzgerei; Kaiser Maria und Gerda Lebensmittel, Feinkost, Süßwaren, Weine, Spirituosen; Hotel Germania Martin Faßbender und das Dürener Kaufhaus Adolf Hoegel. Auf der linken Seite lagen Buchhandlung Dietrich Krüger, vorm. Wilhelm Solinus; Blumenhaus Theo Portz; Erich Laugsch, Schuhhaus – Schuhreparatur; Textil-Haus Hintzen; Hannemann & Koenig, Tuchhaus, und Fahrrad Schuster.

Weniger die persönliche Erinnerung als vorhandenes Wissen ist beim zweiten Foto  unserer Serie gefragt. Gezeigt wird eine Buchhandlung, die offenbar für die französische Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg den Lese- und Unterhaltungsstoff vorrätig hielt. Die Rückseite der Postkarte trägt das Datum „Jeudi, 24 Novembre 1921“. Weiß jemand, wo sich diese Buchhandlung befand und wie lange sie dort existierte?

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