Unsere Serie in der Dürener Zeitung
In Zusammenarbeit mit der Dürener Zeitung haben wir im Sommer 2009 eine Serie „Bildersuche“ gestartet, mit der wir die Leser aufrufen, uns zu den jeweils abgebildeten Fotos nähere Erläuterungen zu geben.
Wenn Sie uns dazu etwas sagen können, rufen Sie uns einfach an unter
0 24 21 / 94 888 34 oder schreiben Sie uns eine Mail an hahne@schloemer.de


14) Die zauberhafte Dame ist eine harte Nuss
Dürener Zeitung, 11.11.2011

Zu unserem vorletzten Suchbild, der Firma Wolff & Söhne am Annakirmesplatz, gab es ja zahlreiche Reaktionen (siehe Dürener Zeitung vom 28.09.2011). Etwas im Dunkeln blieb jedoch in dem Artikel jene ominöse "Bananenreiferei", deren Existenz wir mit leichten Zweifeln versahen.
Da hatten wir die Rechnung aber ohne unsere Leser gemacht. Anni Kremers aus Heimbach konnte gar nicht mehr aufhören zu erzählen. Demnach gehörte dieses "Institut" dem Obst- und Gemüsegroßhändler Külter aus Zweifall und war nichts anderes als eine große Halle, in deren schwül-warmer Luft die Südfrüchte ihre endgültige Verkaufsreife erhielten. Die Külters belieferten auch das Lebensmittelgeschäft, das die Kremers bis 1970 in Norddüren unterhielten. Zu jener Zeit betrieb übrigens einer der ersten "Discounter", der "Böse Wolf", die Gründung einer Einkaufsgemeinschaft, der die Kremers aber nicht beitreten wollten.
Nach Aussage von Doris Hanz holte Großhändler Külter die Bananenstauden mit dem LKW direkt vom Schiff in Antwerpen ab, und zwar mit einem alten grünen MAN, wie Harry Müller ergänzt. Seine Mutter hatte ein Geschäft am Altenteich, daher hatte er als Junge öfter Gelegenheit, einen Blick in den Lagerraum des Großhändlers zu werfen, der seiner Erinnerung nach allerdings kühl war.
Obwohl Külter zwei Söhne hatte, wurde der Dürener Obst- und Gemüsegroßhandel irgendwann aufgegeben. Als Nachfolger betrieb ein gewisser Diefenthal in den Räumen unter dem Namen "Deep Valley Racing" eine Automobilsportgemeinschaft. Zur "Schmutzigen Mutter" wusste Harry Müller noch zu berichten, dass die erste Trägerin dieses Namens, Tillmanns Dora, seine Tante war. Der Ehrentitel ging anscheinend nahtlos auf die Nachfolgerin über, Schepps Nellche (Lenzen), deren Lebensgefährten Karl von einem Besoffenen sogar das erste Glied des Zeigefingers abgebissen worden sein soll. Da sage noch einer, in Düren sei doch nie was los!
Nicht ganz so ergiebig waren die Reaktionen auf unser eigentliches Suchbild, die zauberhafte junge Dame im Hoeschpark. Ingeborg Peifer aus Derichsweiler, deren Eltern früher einen Garten am Annakirmes-Platz hatten, will sich erinnern, dass die Figur früher im Holzbenden-Park (damals Hopps Park) gestanden habe. Einmal sei ihr sogar der Po rot angemalt worden. Ob sie selber daran beteiligt war, konnte sie aber nicht mehr sagen …
Unser treuer "Spurensucher" Wilhelm Bürvenich machte uns darauf aufmerksam, dass das Schicksal dieser Skulptur schon einmal Thema in unserer Zeitung war. 1981, also vor genau dreißig Jahren, hatten sich Leser erinnert, dass der heutige Park früher Garten der Villa von Dr. Hermann Hoesch gewesen war. Das Gelände wurde Ende der 1920er Jahre von der Stadt erworben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Über die Entstehung und den Schöpfer der Plastik war aber auch damals nichts in Erfahrung gebracht worden. Wir werden auf jeden Fall an dem Thema bleiben.

Zu unserem heutigen Suchbild gehört eine kleine Geschichte. Frau Ilse Oehmen aus Düren hat dem Stadtmuseum leihweise ein wunderschönes Album zur Verfügung gestellt, in dem eine Dürener Firma Nachweise ihres "Schaffens" gesammelt hat. Es handelt sich um die 1863 gegründete
"Dürener-Zink-Waaren- und Ornamenten-Fabrik Ph. Fahnenschreiber" , die u.a. mit ihren Dachhelmen und -reitern zahlreiche Dürener Häuser, vornehmlich der gehobenen Klasse, verzierte. Leider sind nicht alle Bilder in dem Album beschriftet, so auch unser Suchbild nicht. Es steht noch nicht einmal fest, ob sich dieses Haus in Düren befand, denn die Firma hatte zu ihrer Blütezeit überregionale Bedeutung und exportierte in viele europäische Länder. Also ist wieder einmal der Spürsinn unserer Leser gefragt.


13) Von Südfrüchten und "Meurers Mamm"
Dürener Zeitung, 28.09.2011

Die Firma Wolff & Söhne am Annakirmesplatz, hinter dem Straßenzug der Aachener Straße die alte Kettenfabrik, ganz im Hintergrund die Dreigurtbrücke – das sind Orientierungspunkte für viele Dürener, die sie auch sechzig Jahre nach dem Datum der Aufnahme unseres letzten Suchbildes noch mit Leichtigkeit identifizieren können.
Entsprechend groß war die Resonanz auf jenes Foto, aufgenommen vom Alten Wasserturm (von dem allerdings niemand sagen konnte, wann er abgebrochen wurde) in Richung Norden. Unter den Anrufern war auch eine Reihe ehemaliger Wolff-Mitarbeiter wie z.B. Matthias Schumacher, der dort 1958 eine kaufmännische Lehre begann. Außer dem Verwaltungsgebäude an der damaligen Jahn- (heute Elberfelder) Straße konnte er noch die Dreherei (in den beiden Hallen dahinter) und den Apparatebau (vor dessen Tor der LKW steht) bezeichnen. Das Haus (mit Giebel) neben dem Verwaltungsgebäude wurde erst in den 60er Jahren dazu erworben.
Hans Gülpen hat 1950 bei Wolff & Söhne Kupferschmied gelernt und dort bis 1960 gearbeitet. Er erinnert sich, dass die Kupferschmiede sehr laut und die Arbeit körperlich einseitig und sehr anstrengend war. Das bestätigt auch Karl Geuenich, selber von 1952-61 Kupferschmied.
Die neben dem Anhänger liegenden Rollen erkannten natürlich auch andere Kollegen als Trockenzylinder einer Papiermaschine, so etwa Hubert Bohlem oder Ulrich Jungbluth, die bei Dörries gearbeitet haben.
Aus einer ganz anderen Perspektive lernte Rudolf Heimlich die Fabrikgebäude kennen. Nach seiner Lehre 1958-60 reparierte er als "Haus- und Hof-Dachdecker" mit Geschäft in der Oststraße alle Dächer bei Wolff & Söhne.
Dieter Heimbüchel schließlich, mit 70 Jahren heute Besitzer eines Ladens an der Euskirchener Straße, war von 1958-78 bei der Spedition Strepp und meint sich zu erinnern, dass sie viel für Wolff & Söhne gefahren hätten.
"Der Annakirmesplatz, die Rurbrücke, der Stadtpark und der Rurdammweg waren unser Revier", erzählte Norbert Heinen, Jahrgang 1943 und damals an der Aachener Straße wohnhaft. Nur von außen kannte er die Gaststätte Meurer, deren großen Saal man zur heutigen Cannstatter Straße hin erkennen kann. Der Volksmund nannte das Etablissement "Meurers Mamm" oder auch (unerklärlicher Weise) "Zur schmutzigen Mutter".
Am Ende der Cannstatter Straße befand sich das Lager eines "Konsums“, wie mehrere Anrufer berichteten, ohne jedoch noch nähere Einzelheiten zu kennen. "Außerdem", so Norbert Heinen, "gab es aber auch in dieser Straße ein Lager eines Käsehändlers. Ebenso wohnte in dieser Straße eine Familie Büsdorf, welche mit dem Schwiegersohn Franz Bremer eine Spedition betrieb. An der Ecke zum Rurdammweg hatte auch der einzige noch in Düren aktive Böttcher seine Werkstatt, Familie Nipps."
Auf der rechten Seite der Kreuzung Aachener Straße mit der Rurstraße, wo sich heute eine Tankstelle befindet, war die Kohlenhandlung Schmitz. Gegenüber auf der Ecke befand sich lange Jahre das Geschäft, in dem Harald Stolz groß geworden ist. "In dem Haus neben uns hat Knipprath angefangen", berichtet er, genannt "Knippraths Hötsche", wie Norbert Heinen ergänzt. Daneben wiederum befand sich die Metzgerei Hilgers, gut zu sehen durch die noch lange Jahre bestehende Baulücke auf der südlichen Seite der Aachener Straße, auf der sich mit dem Geschäft Thelen eine zweite Metzgerei befand.
An "Meurers Eck" erinnert sich auch Hans-Theo Katzgrau, bekannter Dürener Dachdecker, noch genau. "Da haben immer die Belgier getanzt." Das Foto datiert er im übrigen auf 1951, wie er am Zustand seiner Werkstatt in der Cannstatter Straße erkennt.
Etwas mysteriös erscheint der Hinweis auf eine "Bananenreiferei", den Bruno Klimke erhielt, nachdem er seinen Kegelbrüdern das Foto in der Zeitung gezeigt hatte. Sie soll sich neben der "schmutzigen Mutter" befunden haben. Vielleicht hat aber auch einfach nur jemand der Dame zu tief in die Augen geschaut …

Unser heutiges Suchbild schlägt eine ganz andere Richtung ein. Im kleinen Hoeschpark zwischen Pleuß-Mühle und Aachener Straße sitzt auf einem massiven Sockel eine ganz in sich versunkene
Dame . Niemand weiß, wen sie darstellt und wer sie erschaffen hat. Vielleicht können unsere Leser helfen.


12) Das war vielleicht ein Hallo ...
Dürener Zeitung, 17.08.2011

Das war vielleicht ein Hallo nach unserem letzten Suchbild: Papa sitzt am Frühstückstisch und ruft: "Mama, Du bist in der Zeitung!" - "Ach was, Du bist jeck!" - "Doch, hier, kuck selber!"
So oder so ähnlich hieß es bei vielen Anrufen, die wir nach dem Abdruck des alten Gruppenfotos der Klasse 8 der Peschschule erhielten. Und viele konnten noch fast alle Namen ihrer damaligen Mitschülerinnen aus dem Gedächtnis hersagen, die Mädchennamen wohlgemerkt. Denn es handelte sich ja um mehr als 40 junge Damen im Alter von 14-16 Jahren, dazwischen ihre Klassenlehrerin Martha Keuth aus Hoven, die, so erzählte man, immer recht schnittig mit einer Vespa zur Schule kam, und Pastor Lüpschen, der Religionslehrer, der sich diese Gelegenheit wohl nicht entgehen lassen wollte. So konnten fast alle abgebildeten Personen identifiziert werden, die Namen finden sich auf unserer Startseite.

Wer sich das Foto vom 23. März 1955 genauer ansieht, der kann ein kleines Stück Zeitgeschichte daraus lesen: Die sehr unterschiedliche Kleidung der Mädchen - zwischen Strickpullover und Mantel mit Pelzbesatz, zwischen flachen Halbschuhen und Pumps -, lässt ein wenig erahnen, wer besser aus den Startlöchern der jungen Republik gekommen war.
Die meisten machten nach dem Schulabschluss eine Lehre. Entweder im Dürener Einzelhandel - Rosemarie Begasse z.B. bei Radio Weber in der Wirtelstraße, Karin Neumann bei Stüssgen - oder in einer der zahlreichen Dürener Industriefirmen: Doris Heller lernte bei Gebr. Heyder, ging dann zu Anker-Teppich, Helga Plück wurde nach 1-jähriger Handelsschule Industriekauffrau bei Isola, Evelyne Rauer Stopferin bei Th. J. Heimbach. Rita Ungermann machte in Stolberg eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester und war danach im Dürener Wöchnerinnenheim tätig. Brigitte Strömer wäre gern Schneiderin geworden, übernahm dann aber doch (in 6. Generation) das elterliche Korbmachergeschäft in Rölsdorf.
Oft wurde die berufliche Karriere aber auf klassische Weise beendet: Durch die Geburt des ersten Kindes.
Viele verloren sich aus den Augen, nicht nur, weil die eine oder andere wegzog wie Doris Heller, die es über Bayern und einige andere Stationen erst vor einigen Jahren wieder nach Düren zog. Immerhin haben die meisten es geschafft, sich vor einiger Zeit bei einem Klassentreffen wieder zu sehen.
Wenn es, angeregt durch unser "Suchbild", vielleicht noch mal zu einem solchen Klassentreffen kommt - dann wären wir gerne eingeladen.

Mit unserem heutigen Bild bleiben wir in etwa in der Zeit. Es wäre schön, wenn uns viele etwas sagen könnten zu der abgebildeten
Firma und zu anderen Einzelheiten im Vorder- oder Hintergrund. Wir sind wie immer sehr gespannt auf die Reaktionen der Stadtkenner.


11) Reichlich Verwirrung um ein verwechseltes Bild
Dürener Zeitung, 02.07.2011

Und wieder hat eines unserer "Suchbilder" für einige Verwirrung gesorgt: Die Luftaufnahme einer zerstörten Stadt, die wir beim letzten Mal veröffentlichten, zeigt allem Anschein nach - trotz der eindeutigen Kennzeichnung - nicht Düren. Jedenfalls nicht das unsere.
Aber der Reihe nach. Die markante Kreuzung mit den insgesamt fünf abgehenden Straßen inspirierte manchen Leser zu eigenen Deutungen. Für Günter Hermanns zeigte das Foto den Wirteltorplatz, der allerdings, als er Karfreitag 1946 aus der Evakuierung zurück kam, schon von den Ruinen befreit gewesen sei.
Auf den Kölnplatz tippte dagegen Elfriede Groß. Die kleinen weißen Punkte waren für sie die Grabsteine des Evangelischen Friedhofs. Uwe Krämer sah in der Gabelung die Nord-Dürener "schärpe Eck", wo sich Alte und Neue Jülicher Straße teilen.
Heinrich Kruse, Jahrgang 1918 - der im übrigen schon mit der Lokalisierung unserer berühmten "französischen Buchhandlung" richtig lag - war sich ganz sicher, den Kriegerdenkmalsplatz identifizieren zu können. Für alle "Immis": Das ist der heute namenlose Kreuzungsbereich August-Klotz-, Tivoli-, Philipp- und Schenkelstraße. Er habe lange in der Veldener Straße gewohnt, so Kruse, die Fassaden der Bürgerhäuser könne man heute noch an der August-Klotz-Straße sehen.
Das hatte was für sich. Aber leider nur, solange man nicht ganz genau hinsah. Das tat Max Heyder und analysierte minutiös, warum das nicht stimmen könne. Da hätte zum Beispiel links neben der Kreuzung das weitgehend unzerstört gebliebene Gebäude der heutigen Musikschule erkennbar sein müssen. Auch der Hausrest rechts von der Kreuzung stimmte in Lage und Dimension nicht mit dem ebenso weitgehend unzerstörten Haus Schenkelstraße 6-8 überein, das heute städtische Dienststellen beherbergt.
Achim Konejung schließlich, der sich im Rahmen seiner Hürtgenwald-Forschung sehr intensiv mit alliierter Kriegsberichterstattung beschäftigt, kam zu dem bündigen Urteil: "Das ist nicht Düren!". Und er erläutert weiter: "Also, die Aufnahme scheint ja wohl kurz nach dem Krieg aufgenommen zu sein, denn Trümmer sind noch nicht viele beseitigt, aber die Zivilisten auf den Straßen scheinen von einem alliierten Tiefflieger nicht erschreckt zu sein, die gehen ganz normal über die Straße. Das würde auch bedeuten, dass die Häuser im unteren linken Bildrand heute noch vorhanden sein müssten, denn die sind ja teilweise intakt. ... Es ist durchaus möglich, dass die US-Army Air Force an dem Tag zu Dokumentationszwecken ein großes Gebiet abgeflogen hat und nachher bei der Bildauswertung die Orte vertauscht wurden, das habe ich - leider - schon öfters feststellen müssen. Eine farbige Luftaufnahme von Aachen entpuppte sich so als Luftaufnahme von Düren - erkennbar an der Ruine der Annakirche." So hat sich unser letztes Bilderrätsel als schlagendes Beispiel dafür entpuppt, dass man noch lange nicht alles glauben darf, was einem schwarz auf weiß vorliegt - in Zeiten von Photoshop eigentlich eine triviale Erkenntnis.

Dafür bieten wir mit unserem heutigen Foto einen
"Augenschmaus" der besonderen Art. Vor dem Eingang des Leopold-Hoesch-Museums (das damals auch noch die Stadtbücherei beherbergte) haben sich in den 1950-er Jahren eine ganze Reihe hübscher junger Damen aufgebaut, unter die sich - ganz links - Pastor Lüpschen "geschmuggelt" hat. Sicher können sich noch einige der Abgebildeten erinnern, wann und aus welchem Anlass dieses Foto entstanden ist. Wir sind gespannt ...


10) Unsere Leser kennen die Stadtgeschichte
Dürener Zeitung, 12.03.2011

Unsere Leser kennen die Geschichte ihrer Stadt - und die entsprechende Literatur. So war das Foto in unserer Ausgabe vom 7.1.2011 schnell identifiziert. In seinem Buch "Düren 1940-1947" hat der ehemalige Stadtarchivar Dr. Domsta umfangreiche Unterlagen zum Kriegsgeschehen in Düren zusammen getragen und dabei auch den Luftangriff am 11.7.1941 beschrieben, dessen Folgen das Foto zeigte. Darauf bezogen sich die meisten Reaktionen, so auch die von Max Heyder, der aber darüber hinaus zu der auf dem Foto zu erkennenden Pumpe zu sagen wusste, dass sie zur Werksfeuerwehr von Th. J. Heimbach gehörte, die zu jener Zeit am besten ausgerüstet war. Besser noch als die städtische Löschtruppe, wie auch Hans Lenarduzzi bestätigte. Wahrscheinlich sei sie benutzt worden, um Keller leer zu pumpen.
Besondere Erinnerungen an diesen Angriff hat Wolfgang Künster, Jahrgang 1926, "weil mein Bruder als Luftschutzmelder verpflichtet war und mir nach dem Angriff davon genau berichtete. Es war der erste Luftangriff mit erheblichem Sachschaden und vielen Toten. Dank vieler Brandbomben entstand dabei ein Großbrand besonders an Wohn- und Geschäftshäusern. Das Fahrradgeschäft Schuster, Ecke Weier-/Peschstraße, wurde dabei zerstört. In der engen alten Kämergasse entstand ebenfalls großer Brandschaden. Die Häuser mit den 'Roten Laternen' konnten nicht mehr benutzt werden."
Wolfgang Künsters Bruder ist am 20. April 1944 als Kompaniemelder bei Leningrad gefallen.
Wilhelm Bürvenich wies darauf hin, dass am 21.7. ein weiterer Luftangriff erfolgte. In seinen privaten Aufzeichnungen vermerkte er damals: Sprengbombe in der Weierstraße. Ein Foto des entsprechenden Straßenabschnitts fügte er bei.

Neues zur Buchhandlung
Die meisten unserer Leser werden sich sicher noch an das zweite Suchbild unserer Serie erinnern, das eine französische Buchhandlung Anfang der 1920er Jahre zeigte. DZ-Leser Heinrich Kruse, Jg. 1918, lag damals richtig mit dem Hinweis, die Geschäfte in der Wirtelstraße hätten keine Treppenstufen gehabt. Dort hatten die meisten die Buchhandlung vermutet. Er sah das Geschäft eher in der Josef-Schregel-Straße, neben Zucker Bücker, worauf der im rechten Schaufenster ansatzweise erkennbare Schriftzug "Schokolade“ hindeuten könnte.
Dafür konnte Josef Brauweiler, Mitarbeiter im Stadtmuseum, nach langer Suche jetzt endlich einen Beweis erbringen. Auf einer Postkarte, die den Langemarckpark mit Blick auf die (damalige) Eisenbahnstraße zeigt, ist im Hintergrund diese Buchhandlung mit der gleichen Beschriftung zu erkennen. Es handelt sich laut damaligen Adressbüchern um die Haus-Nr. 48 a, bewohnt von "Schiffer Josef, Photograph" und "Peifer Franz, Kaufmann". Rechts daneben, in Haus-Nr. 48, befanden sich "Bücker Wilhelm, Kaufmann" und "Hostenbach Wilhelm, Bonbonkoch[!]". Die im linken Fenster neben der Buchhandlung erkennbaren Reste von Schriftzügen könnten auf "Jonen Gertrud, Zuschneiderei", gemeldet in Haus-Nr. 48 b, hindeuten. Dass die Buchhandlung nicht als solche aufgeführt wurde, mag seinen Grund darin haben, dass Einrichtungen der Besatzungsmacht nicht identifizierbar sein sollten.

Unser heutiges Suchbild zeigt - jedenfalls laut einmontierter Beschriftung - einen
Ausschnitt aus dem Dürener Stadtbild
  nach einem erfolgten Bombenangriff. Vielleicht gelingt unseren Lesern ja die Identifizierung der Örtlichkeit anhand des vergrößerten Ausschnitts, der einige besonders markante Giebel   zeigt, die stehen blieben, obwohl das Innere der Häuser weitgehend ausgebrannt ist.


9) Schicksal der Brotfabrik wird nur angeschnitten
Dürener Zeitung, 07.01.2011

Dass es zur Dürener Geschichte noch jede Menge offener Fragen zu klären gibt, zeigte einmal mehr unser letzter Beitrag aus der Serie „Spurensuche“. Gezeigt worden war eine Aufnahme der „Dürener Brotfabrik“ mit der Bitte an unsere Leser, uns dazu mit eigenen Erinnerungen oder Hinweisen weiter zu helfen.
Allem Anschein nach hat dieses Unternehmen nicht sehr lange existiert. Im 1899 erschienenen „Führer durch die Stadt Düren“ wird im Gewerbeverzeichnis eine „Brodfabrik“ unter der Firma Joseph Beckers, ansässig in der Oberstraße 39, aufgeführt. Heinrich Richartz nennt in seinem wunderbaren Bildband „Düren so wie es war“ die Adresse Oberstraße 37, bei ihm lautet der Inhaber Peter Quester. Die eigentliche Fabrik lag demnach in der rückwärtigen Bebauung, zwischen Jesuitengasse und Waisenhausstraße. Auf einem Foto (um 1922) vom Annaplatz aus ist noch der quadratische Schornstein zu sehen, das Haus mit dem prächtigen Giebel rechts daneben ist die Nr. 37. Die Nr. 39, wiederum rechts daneben, ist bedeutend aufgestockt worden. Nach Richartz ging das Unternehmen „in der Mehlnotzeit des Ersten Weltkrieges“ ein, in einem Teil des leerstehenden Gebäudes richtete die Apostolische Gemeinde einen Versammlungsort ein.
Wahrscheinlich jedoch wurde das Unternehmen noch früher aufgegeben. Im Adressbuch der Stadt Düren für 1893/94 ist es noch aufgeführt, sogar mit einer Anzeige vertreten, unter dem Inhaber Joseph Becker, Oberstraße 37 und 39. Verbunden ist die Brotfabrik mit einer „Frucht-, Mehl- und Viehfutter-Handlung en gros und en detail“, wie auch auf unserem Suchbild zu sehen. In den nächsten Adressbüchern ist diese Firma dann schon nicht mehr vertreten, unter Oberstraße 37 findet sich jetzt Peter Quester als Bäckerei, später nur noch als Verkaufsstelle.
Unsere Leser Maria und Josef Wunderlich, beide alte Dürener, haben sich auf der Suche nach den Spuren der Brotfabrik sogar die Mühe gemacht, die Situation in jenem Teil der Oberstraße anhand einer Skizze aufzuzeigen. Sie gehen davon aus, dass die Tor-Einfahrt möglicher Weise zum späteren Arbeiter-Hospiz führen könnte.
Unser heutiges Suchbild zeigt eine
Szene rund um die Annasäule  am Altenteich nach einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg. Wer kann uns dazu nähere Einzelheiten mitteilen, etwa zum Datum des Angriffs, zu den betroffenen Häusern, zu den Personen auf dem Foto?


8) Detaillierte Antworten auf offene Fragen
Dürener Zeitung, 28.07.2010

Es ist Mittwoch, der 15. Dezember 1948. Vor der Birkesdorfer Geschäftsstelle der Kreissparkasse Düren haben sich zahlreiche Menschen versammelt, um einem von ihnen das letzte Geleit zu geben. Sparkassendirektor Lambert Hahn war am 10. Dezember im Alter von nur 54 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.
Franz Hützen rief uns als erster an. Als langjähriger Mitarbeiter des Dürener Instituts war er u.a. Projektleiter des City-Karrees und kannte Hahn noch persönlich. „Lambert Hahn wohnte über der Zweigstelle. Eines Tages kam er nach Hause und brach mit einem Herzinfarkt auf den obersten Treppenstufen zusammen.“ Hahn war über 26 Jahre bei der Sparkasse beschäftigt, seit 1944 als Leiter der Birkesdorfer Geschäftsstelle. Deren Gebäude ist übrigens noch das gleiche wie auf dem Foto, so Hützen, nur die Fassade ist geändert.
Erstaunlicher Weise, dies eine Anmerkung am Rande, fand sein Tod keinen Niederschlag in der damaligen Lokalpresse. Lediglich drei Todesanzeigen waren auszumachen.

Einen ausführlichen Brief erhielten wir von P. E. Bröcker, der etwas ganz Besonderes berichten konnte: Lambert Hahn war sein Onkel.
„So viel ich weiß, war das abgebildete Haus das einzige unbeschädigte Gebäude der Kreissparkasse nach den vielen Bombenangriffen. Im Erdgeschoss wurden die Geschäftsräume der Kreissparkasse eingerichtet; im Obergeschoss hatte Herr Dir. Hahn Wohnung genommen.
Etwa zwei Jahre vor seinem Tod hatte Herr Hahn schon einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich zwischenzeitlich erholt hatte. Abends nach Hause gekommen, ist er leider dann auf den oberen Stufen der Treppe mit tödlichem Herzinfarkt zusammengebrochen.
Ich hielt mich oft und gerne bei meinem Onkel Lambert auf, durfte ich ihn doch mit seinem Dienstwagen, einem Opel Kadett, Baujahr 1937, des öfteren chauffieren. Mein Vater hatte schon einen Fahrer. Gutes Essen hatte seiner Zeit einen hohen Stellenwert, und so nahm ich an manchem von seiner Haushälterin, Frau Bödefeld, bereiteten Essen gerne teil. Der gewichtige und strenge, mit Mittelscheitel und kurzen, zur Seite gekämmten Haaren frisierte Onkel Lambert pflegte beim Frisörbesuch zu sagen: ‚Ich wünsche keine Unterhaltung.’“

Die uns heute etwas ungewöhnlich anmutende Sitte der Aufbahrung verstorbener leitender Mitarbeiter wurde allem Anschein nach auch später noch fortgesetzt. DZ-Leserin Liesel Gröbel schrieb uns dazu: „Mit Interesse verfolgen mein Mann und ich die ‚Spurensuche’ in der DZ. Mein Onkel, Werner Wittgen, geb. 1907, war Filialleiter der Kreissparkasse Düren in Birkesdorf. Als er im August 1957 verstarb, wurde sein Sarg in der Kassenhalle aufgebahrt. Das Beerdigungsinstitut Hannot + Gülden aus Birkesdorf hat dies vorgenommen. Der Trauerzug ging dann durch die Kirchgasse zum Friedhof. Was gegen die Beerdigung meines Onkels spricht, dass die Anwesenden warme Mäntel tragen. Aber vielleicht haben Sie ja schon Antworten auf Ihre Fragen bekommen. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Beitrag.“

Dieser Beitrag heute dreht sich um die sogenannte
„Dürener Brotfabrik“
 des Peter Quester, gelegen in der Oberstraße 37. Außer einigen Zeilen in einem Dürener Bildband der 70er Jahre war dazu leider nichts zu finden. Wer weiß, wie lange diese Firma existiert hat? Wer hat vielleicht noch andere Ansichten des Gebäudes oder sogar der Innenräume? Wer kann das heutige Foto genauer datieren?


7) Das weiche Wasser der Rur
Dürener Zeitung, 18.05.2010

Zu den Bereichen der Dürener Stadtgeschichte, die noch intensiv aufgearbeitet werden müssen, gehört mit Sicherheit auch der Arbeitsalltag in Handel, Gewerbe und Industrie.
Insofern hatten wir uns schon mehr Erkenntnisse aus unserer letzten Bildersuche erhofft. Das aus heutiger Sicht „romantische“ Foto zeigte eine Gruppe von Arbeitern, die – offensichtlich mit einer behelfsmäßigen Konstruktion – an einer Leitung arbeiten.

Einzig unser Leser Wolfgang Guder aus Kreuzau wusste etwas zu dem Bild zu sagen, das allerdings sehr detailliert. Er schreibt: „Meiner Meinung nach handelt es sich bei dem Bild um Brunnenbauarbeiten an der Rur, wie sie früher fast jedes Jahr notwendig waren. Alle Feinpapierfabriken im Raum Düren nahmen das Oberflächenwasser aus der Rur für ihre Produktion. Heute noch sind im Rurgelände an vielen Stellen die Einzugsbrunnen dieser Wassergewinnung zu finden.
Zwischen einem Einzugsbrunnen und der Rur wurde ein Graben ausgehoben und mit gewaschenem Kies verfüllt, zur Rur hin mit gröberem Kies bis zu faustdicken Steinen direkt am Wasser, zum Brunnen hin immer feiner werdend. Diese natürlichen Kiesfilter arbeiteten sehr effektiv und lieferten im Einzugsbrunnen ein klares, von Schwebestoffen freies Wasser ab. Von den Einzugsbrunnen gingen dann Sammelleitungen zu einem Pumpenhaus, von wo aus das Wasser in die Papierfabrik gelangte und hier mit verschiedenen Filtern praktisch auf Trinkwasserqualität gebracht wurde. Das Wasser war weich mit einer Härte von 6-16 DH und ideal zur Herstellung von Feinpapieren.
Was nun das Bild angeht, sehe ich links ein Saugrohr und hinter der Überdachung ein Druckrohr abgehen. Unter der provisorischen Überdachung steht evtl. die Pumpe, damals meist Kolbenpumpen, welche angetrieben wird durch eine Lokomobile. Diese ist zwar nicht sichtbar, aber man sieht den Treibriemen, der rechts von der Lokomobile zur Pumpe und zurück geht. Mit diesen großen Pumpen versuchte man, den ausgeschaufelten Einzugsgraben zu entwässern, um ein neues Filterbett einzubringen. Ich bin der Meinung, dass es sich um die jährlich in der Teichwoche anfallenden Arbeiten einer Papierfabrik an der Rur handelt, entweder Felix Heinrich Schoeller, Hugo Albert Schoeller, Schoellershammer oder Gebr. Hoesch in Kreuzau. Ich selber habe als Kind noch solche Arbeiten an der Rur gesehen, kann mich aber an Einzelheiten nicht mehr erinnern.“

Vielleicht können ja an Hand dieser Aussagen ehemalige Mitarbeiter von Papierfabriken noch weitere Details beisteuern.

Immer noch ungeklärt ist der Standort der französischen Buchhandlung, die wir auf unserem zweiten Suchbild dargestellt haben.
Allerdings laufen zur Zeit intensive Recherchen von Mitarbeitern des Stadtmuseums beim Archiv der Messageries Hachette in der Normandie, wo man noch Unterlagen zu finden hofft.
Unser
heutiges Bild  wirft gleich eine ganze Reihe von Fragen auf. Offensichtlich wird ein hochrangiger Mitarbeiter der Kreissparkasse Düren zu Grabe getragen. Kann jemand etwas über den Zeitpunkt dieses Ereignisses sagen? Sind Personen auf dem Bild zu erkennen? Warum ist der/die Verstorbene allem Anschein nach im Gebäude der Kreissparkasse aufgebahrt gewesen?


6) 650 000 Liter Kaffee und viele andere „Liebesgaben“
Dürener Zeitung, 12.01.2010

Zugegeben, das jüngste Bild unserer Serie „Spurensuche“ war eine harte Nuss. „Was um Himmels Willen haben wir heute noch mit dem Vaterländischen Frauenverein zu tun?“, mag sich manch ein Leser angesichts der Fotografie gedacht haben. Nun, immerhin handelt es sich um eine der Vorläuferorganisationen des Deutschen Roten Kreuzes. Aus den eingehenden Informationen und eigener Recherche konnte das Stadtmuseum die Geschichte des Vereins rekonstruieren.
Der Vaterländische Frauenverein wurde von der preußischen Königin und späteren deutschen Kaiserin Augusta 1866 gegründet. In Düren entstand 1871/72 ein Zweigverein, der laut Statuten den Zweck verfolgte, „in Kriegszeiten alle zur Fürsorge für die im Felde Verwundeten und Erkrankten dienenden Einrichtungen zu fördern und zu unterstützen“. Seine Mittel sollten insbesondere dazu dienen, „den verwundeten und erkrankten Kriegern in Vereinslazaretten Hilfe zu bringen, durchfahrenden sowie auch den auf dem Kriegsschauplatze stehenden Truppen Bekleidungsgegenstände, Nahrungsmittel und Erfrischungen zuzuführen sowie den hilfsbedürftigen Angehörigen der im Kriege befindlichen Soldaten Unterstützungen zu gewähren“, wie das Dürener Bürgerbuch von 1896 formulierte. Der Verein genoss großzügige Unterstützung vor allem durch das Dürener Bürgertum. 1898 konnte er sogar ein von dem Industriellen- Ehepaar Agnes und Eberhard Hoesch geschenktes Haus an der Holzstraße als Vereinsheim eröffnen. Agnes Hoesch war auch bis zu ihrem Tode 1903 langjährige Vorsitzende und hinterließ dem Verein 150 000 Mark.
Nun folgten dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 allerdings mehr als vier Jahrzehnte des äußerlichen Friedens, in denen sich der Verein, wollte er nicht überflüssig werden, weitere Aufgaben setzen musste. So sollte er „in Friedenszeiten, abgesehen von seiner und seiner Mitglieder Vorbereitung zu tüchtiger Kriegsarbeit bei Linderung außerordentlicher Notstände augenblickliche Hilfe leisten, jeder dauernden Not und den Ursachen von Notständen nach Kräften entgegentreten und das Wohl der unbemittelten Volksklassen durch Gründung und Unterstützung gemeinnütziger Einrichtungen und Anstalten nach Kräften fördern“. Auf einem vom Ehepaar Hoesch an der Rurstraße geschenkten Grundstück sollten beispielsweise Muster-Arbeiter-Häuser gebaut werden. Allem Anschein nach war der Verein auch im geselligen Bereich aktiv, wie drei Fotos von den sogenannten „Werningschen Vaterländischen Festspielen Düren 1909“ nahelegen, die uns DZ-Leser Wilhelm Bürvenich schickte.
Besondere Wirksamkeit entfaltete der Frauen-Verein mit Beginn des Ersten Weltkrieges. Büchsensammlungen, Kollekten und Spenden erbrachten im ersten Kriegsjahr über 253 000 Mark.
Dem Jahresbericht für 1914 können wir entnehmen, dass die Erfrischungsstelle am Bahnhof für die Verpflegung durchfahrender Truppen seit dem 2. August 1914 insgesamt 650 000 Liter Kaffee sowie Suppen, Brote, Lebensmittel und andere „Liebesgaben“ ausgegeben hat. Wie unserem Foto zu entnehmen war, wurden an der „Verpflegungsstation“ am Bahnhof auch Wollwaren verkauft.
„Das weitere Schicksal des Dürener Vaterländischen Frauen-Vereins liegt weitgehend im Dunkeln und wäre ein reizvolles Forschungsthema“, bilanziert Bernd Hahne vom Stadtmuseum.

Natürlich gibt es heute wieder ein
neues Bild  zur „Spurensuche“. Es zeigt eine Gruppe von Arbeitern mit ihrem Vorarbeiter, Ort und Zeitpunkt der Aufnahme sind unbekannt. Wer kann etwas dazu sagen, was die Männer dort gerade bauen beziehungsweise verlegen? Kennt jemand eine der abgebildeten Personen? Weiß jemand, wo die Arbeiter für den Fotografen posieren? Leicht wird es wieder nicht, doch womöglich lohnt sich die Spurensuche.  


5) Viele sprechen von einem kleinen Wunder
Dürener Zeitung, 21.11.2009

Zahlreiche, teilweise sehr detaillierte Rückmeldungen gab es auf unser letztes Bildersuchrätsel. Das mag auch daran gelegen haben, dass es nicht so sehr weit zurück ging: Das dort festgehaltene Unglück passierte genau am 16. Dezember 1970.

Das Wichtigste vorab: Außer dem Schaffner Bernhard Prumbach, der in seinem Häuschen im letzten Wagen saß und mit diesem in die Tiefe stürzte, kam niemand zu Schaden. Der Schaffner konnte nach kurzer Behandlung im Dürener Krankenhaus entlassen werden – körperlich nur mit leichten Blessuren, psychisch allerdings unter starkem Schock und traumatisiert, so dass er zum Hergang gar nichts erzählen konnte, wie uns seine Witwe sagte. Was sie immer noch aufbringt, ist die Tatsache, dass diese Folgen des Unfalls seitens der damaligen Bundesbahn nicht anerkannt wurden.
Dass sonst niemand verletzt oder gar getötet wurde, bezeichnen viele Leser als kleines Wunder. Befand sich doch unmittelbar an der Absturzstelle eine Haltestelle der ehemaligen Dürener Eisenbahn AG, an der jetzt die Busse der Dürener Kreisbahn in Richtung Inden abfuhren.
Ursache des Unglücks war eindeutig menschliches Versagen. Normaler Weise wurde dieser Zug, der in Düren eingesetzt wurde, morgens kurz vor sechs über das Gleis der nördlichen Brücke zurück rangiert, um dann in Gleis 3 zur Abfahrt bereit gestellt zu werden. Dazu musste natürlich eine Weiche gestellt werden, was just an diesem Morgen nicht rechtzeitig passierte. Ob der Fahrdienstleiter irrtümlich „freie Fahrt“ gab, der Lokführer (ohne Sicht auf den Fahrweg, da der Zug geschoben wurde) zu früh los fuhr – die Ergebnisse der bahninternen Untersuchungen wurden der Öffentlichkeit, wie damals üblich, nicht mitgeteilt.

„Da beim Überfahren des Prellbocks die Hauptluftleitung des Zuges zerrissen ist, kam der restliche Zug  durch die automatisch eingeleitete Zwangsbremsung vor der Mauer zum Stehen“, schrieb uns DZ-Leser Hans Georg Eich vom Regionalbereich West, der am 01.09.1970 seine Ausbildung bei der Deutschen Bundesbahn in Düren aufgenommen hatte. „Wie man auf dem in der Zeitung abgebildeten Bild sehen kann, fehlt dem abgestürzten Waggon der hintere linke Puffer. Dieser Puffer ist beim Aufprall des Waggons auf die Straße abgebrochen und hat die unter dem Gehweg verlaufende Wasserleitung zerschlagen.“

Peter Mehrlein pendelte in diesen Jahren jeden Morgen zur Ausbildung nach Köln. Als er morgens mit dem Fahrrad zum Bahnhof kam, traute er seinen Augen nicht. „Zwischen Klagemauer und gegenüberliegende Straßenseite passte keine Maus mehr.“

Jürgen Roßkamp und Willy Rövenich erinnern sich, wie einige andere auch, dass sie auf ihrem Weg zur Schule aufgefordert wurden, die Unfallstelle mit dem Fahrrad „weiträumig zu umfahren“.

Unmittelbar beobachten konnte dagegen die ganze Szenerie Frau Doinet: Sie wohnte damals im ersten Haus hinter der Brücke und wurde früh morgens durch den Aufprall förmlich aus dem Bett geworfen.

Erstaunlich ist, dass dieses Unglück nicht, wie man hätte erwarten können, einen breiten Niederschlag in der Zeitung fand. Geradezu nüchtern berichtete die Dürener Zeitung am Tag danach (auf der Seite „Land an Rhein und Maas“): „Waggon stürzte sechs Meter tief“. Einen Tag später erinnerte die Redaktion an ein ähnliches Unglück – im Jahre 1931.

Personen auf dem Foto konnten leider kaum identifiziert werden. Lediglich Doris Pfafferott aus Kreuzau ist sich sicher, ihren Vater, zu der Zeit stellvertretender Direktor des Bundesbahnbetriebsamtes Düren, im Vordergrund zu sehen. Peter Kaptain meint, im Herrn mit Baskenmütze seinen Vater Johannes, zu der Zeit Landrat des Kreises Düren, im Gespräch mit Theo Clemens sen., dem stellvertretenden Amtsdirektor von Kreuzau, zu erkennen.

Eine interessante Bemerkung machte Peter Mehrlein noch zu der Stimmung, die sich mit dem Bild vermittelt. Dass dies der Beginn der 70-er Jahre sei, könne „man angesichts der Bilder (Uniformen, Fahrzeuge, ‚graues Nord Düren’ usw.) kaum glauben. Es zeigt aber auch, wie alt und grau teilweise noch alles in dieser Zeit war.“


4) Das Zugunglück am Dürener Bahnhof
Dürener Zeitung, 22.10.2009

„Vor diesem Ehrenmal fanden jedes Jahr irgendwelche Feiern statt. Dabei standen die Primaner immer in der ersten Reihe, was für sie den Vorteil hatte, dass sie die Mädchen vom gegenüberliegenden Lyzeum besser sehen konnten.“ DZ-Leser Max Heyder verbindet so seine ganz eigenen Erinnerungen mit dem Foto aus dem vorigen Teil unserer Serie. Er hatte, wie viele andere, meist ehemalige Schüler, kein Problem damit, das Ehrenmal zu identifizieren: Es sollte an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler des Realgymnasiums (heute Gymnasium am Wirteltor) erinnern und stand im Hof der Schule, die sich damals in der Schenkelstraße befand, zwischen Schulgebäude und Direktorenhaus. Sein Bruder Ernst Heyder lieferte dazu gleich noch eine entsprechende Skizze.

Otto Küpper, Redakteur im Ruhestand und heute noch für den Aachener Zeitungsverlag tätig, fand auf dem Ehrenmal den Namen seines Onkels Bruno Frenzel wieder. „Er war von der Schulbank weg (mit dem Notabitur in der Tasche) 1916 freiwillig in den Krieg eingezogen – wie wohl auch alle Mitschüler seines Jahrgangs“, schreibt Küpper und weist damit auf die damals herrschende „Kriegsbegeisterung“ hin, die auch in den offiziellen Schriften der Schule ihren Niederschlag findet. So heißt es in einem Beitrag zur Hundertjahr-Festschrift 1928 „Unsere Schule im Weltkriege“ von Professor August Lüdenbach zum Einzug des 83. Feldartillerie-Regiments in die Garnison Düren am 1. August 1914:
„Mit gierigen Augen haben unsere Schüler den Einzug gesehen, und am Abend sind sie durch die Stadt gezogen, haben ein paar dutzendmal die Wacht am Rhein gesungen, was die Lungen hielten, und in der Nacht vielleicht von Krieg und Heldentum geträumt.“ , um dann aber fort zu fahren: „Das 83. Feldartillerie-Regiment hat viele unserer jungen Helden vom Realgymnasium aufgenommen, und an seinen zerschmetterten Geschützen floß viel edles, junges und reines Herzblut unserer lieben Jünglinge. Bei den Batterien der Dreiundachtziger hat man auch Tote zu Grabe getragen, deren Namen auf dem Ehrenmal am Realgymnasium stehen, und um die Vater und Mutter bitterlich geweint.“

In dieser Festschrift finden sich auch die gleichen Namen wie auf dem Ehrenmal, was uns Horst Böhm mit entsprechenden Kopien belegte. Nicht erinnern konnten sich die ehemaligen Schüler, wann dieses Ehrenmal errichtet worden war – dazu waren sie schlicht zu „jung“. Es war von der Vereinigung ehemaliger Schüler zum 100-jährigen Bestehen der Schule gestiftet worden und wurde im Rahmen der Feierlichkeiten am Sonntag, dem 21. Oktober 1928 eingeweiht. Ein Exemplar der gedruckten Einladung dazu wurde jetzt dem Stadtmuseum von Oliver Engels übergeben. Zerstört wurde das Ehrenmal höchst wahrscheinlich am 16.11.1944.

Unser viertes Foto stammt aus den 1960-er Jahren. Es zeigt ein spektakuläres Eisenbahnunglück am Dürener Bahnhof. Offensichtlich hat ein Zug den oberhalb der sogenannten „Klagemauer“ nördlich der zweiten Brücke befindlichen Prellbock überfahren und ist in die Josef-Schregel-Straße gestürzt. Wer kann nähere Angaben dazu machen: Wann und wie es genau geschehen ist, ob Personen dabei zu Schaden kamen? Wer kann auf dem Foto erkennbare Personen identifizieren? Weitere Fotos dazu finden Sie
hier .


3) Das Ehrenmal am Realgymnasium
Dürener Zeitung, 26.09.2009

Das war wirklich eine harte Nuss gewesen, die das Stadtmuseum unseren Lesern mit dem letzten Bildrätsel zu knacken gegeben hatte. Und, um es vorweg zu sagen: Sie wurde nicht geknackt.
Zu sehen gewesen war eine Buchhandlung, die ganz offensichtlich die französischen Besatzungstruppen nach dem Ersten Weltkrieg mit Lesestoff versorgen sollte. Aus eigenem Erinnern dürfte sie in der Tat kaum einer unserer Leser noch erkannt haben, stammte die Aufnahme doch von 1921. Allerdings gab es eine ganze Reihe von Anrufen und Hinweisen, die sich auf das Haus bezogen.
Unsere Leserin Liesel Stahlmann, Jg. 1920, meint in dem Haus die spätere Buchhandlung Zanders in der Wirtelstraße erkannt zu haben. Dorthin ging sie öfter nach dem Unterricht in der kath. Volksschule, die in der Kölnstraße lag, um sich mit der Buchhändlerin Frl. Paulus zu unterhalten, die sie in sehr guter Erinnerung hat.

Heinrich Kruse, Jg. 1918, widerspricht dieser Identifizierung mit dem ernst zu nehmenden Einwand, die Geschäfte in der Wirtelstraße hätten keine Treppenstufen gehabt. Er sieht das Geschäft eher in der Josef-Schregel-Straße, neben Zucker Bücker, worauf der im rechten Schaufenster ansatzweise erkennbare Schriftzug „Schokolade“ hindeuten könnte.

Weder diese beiden noch die anderen Hinweise und Vermutungen ließen sich bis jetzt verifizieren. Auch die Adressbücher der Stadt Düren aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg geben keinen Aufschluss, eine entsprechende Buchhandlung war dort nicht zu finden.

Unser Artikel war natürlich auch Gegenstand lebhafter Gespräche und Erörterungen am Stand des Stadtmuseums auf dem Stadtfest. Dort gab es aber noch eine weitere Aufgabe zu lösen: Sechs markante städtische Gebäude waren in die richtige Reihenfolge, nämlich nach dem Zeitpunkt ihres Entstehens, zu bringen. Es handelte sich dabei um den Bahnhof, das Leopold-Hoesch-Museum, das Stadttheater, den Kölnplatz mit Neuem Wasserturm und den Kolonnaden, das Landratsamt und das Amtsgericht. Während Bahnhof als ältestes und Amtsgericht als jüngstes Gebäude relativ schnell erkannt waren, bereitete die richtige Aufeinanderfolge der anderen markanten Sehenswürdigkeiten der Stadt insofern Schwierigkeiten, als diese vier in einem Zeitraum von gerade einmal sieben Jahren, von 1905 bis 1912, errichtet wurden. Es war jene goldene Zeit, in der die Stadt Düren, gemessen an der Zahl der in ihr wohnenden Millionäre, den dritten Platz in Preußen belegte.

Um so erstaunlicher ist für die Aktiven des Stadtmuseums, dass es unter den zahlreichen abgegebenen Lösungsvorschlägen nicht weniger als dreißig richtige gab. Diese Stadtkenner (eine Auflistung findet sich unter www.stadtmuseumdueren.de) erhalten eine Urkunde mit den Fotos der Gebäude und einem Original Stadtsiegel.

Das dritte Foto unserer Serie zeigt ein Ehrenmal für gefallene Lehrer und Schüler. Wir fragen nach dem Standort bzw. der Schule und nach dem Schicksal des Ehrenmals.
Die Namen auf dem Ehrenmal und das Foto finden Sie nochmals zur besseren Betrachtung
hier


2) Die französische Buchhandlung
Dürener Zeitung, 09.09.2009

„Das Telefon stand buchstäblich nicht mehr still“, strahlt Bernd Hahne, 2. Vorsitzender des Trägervereins Stadtmuseum, mit der August-Sonne um die Wette. „Die Resonanz der Leserinnen und Leser der Dürener Zeitung auf das erste Foto unserer Serie war wirklich toll!“

Zu sehen war der Wirteltorplatz zu Beginn der 1950-er Jahre, noch gezeichnet von den großen Lücken, die der Krieg mit seinen Bombenangriffen gerissen hatte, aber auch schon mit wieder aufgebauten Wohn- und Geschäftshäusern und lebhaftem Verkehr. Gefragt war vor allem nach einem genauen Zeitpunkt der Aufnahme.

Erster Anhaltspunkt für die meisten Leser war die Kaufhalle. Sie wurde im September 1949 an diesem Standort eröffnet, nachdem sie bis dahin in der Uhlandstraße beheimatet war. Eine Leserin wusste das deshalb so genau, weil sie dort vier Jahre lang gearbeitet hat. Und Hans Manfred Essers Vater war dort sogar einige Zeit Geschäftsführer, ehe er sich mit seinem eigenen Bekleidungsgeschäft (Hosen Esser) selbständig machte.

Bezüglich der Geschäfte auf der rechten Seite des Fotos gab es dann schon größere Unterschiede. „Fixpunkte“ waren natürlich die „Schauburg“, deren Saal noch am rechten Bildrand zu erkennen ist, Eisen Köller und das Hotel Germania. Was sich jedoch dazwischen an kleineren Geschäften befunden hatte, darüber gingen die Angaben teilweise weit auseinander.

Totale „Fehlanzeige“ war dagegen die Plakatwand mit der Ankündigung des Gastspiels der Eisrevue „Scala“. Zwar konnten sich einige noch an die Veranstaltung auf dem Annakirmesplatz erinnern, jedoch keinen Zeitpunkt mehr nennen. DZ-Leser Helmut Maus wusste dagegen noch genau, dass er mit einem Sohn der Schaustellerfamilie Casper in eine Klasse der Peschschule ging. Die Familie blieb schließlich in Düren wohnen.

Den entscheidenden Tipp gab schließlich unser Leser Wilhelm Bürvenich, der uns darauf hinwies, dass dieses Foto am 8. November 1952 in der Dürener Zeitung erschienen war. Von daher ließ sich auch schnell ermitteln, dass die „Scala“ vom 17. Oktober an mehrere Wochen in Düren gastiert hatte.

Dem ersten Nachkriegs-Adressbuch von 1954 konnten die anderen Geschäfte entnommen werden:
Außer der Kaufhalle waren dies am Wirteltorplatz noch Franz Josef Cäsar, Das Fachgeschäft für Augenoptik; Minartz - Chr. Heinen, Textil- und Bekleidungshaus; Möbelhaus Josef Courth und Rudolf Otto (der Schwiegersohn), Fachgeschäft für Innendekoration, sowie Bernartz Herren- und Knaben-Fertigkleidung.
In der Josef-Schregel-Str. folgten auf der rechten Seite Schauburg-Lichtspiele G.m.b.H.; Esser Leo Wwe. Tabakw.-Groß- u. Einzelhandlung; Josef Köller, Eisen- und Eisenwaren-Groß- und Einzelhandel, Haus- und Küchengeräte, Herde, Oefen, Werkzeuge; Ewald Grüsser, Blumenhaus; Möbel Müller KG; Lohr Sanitätshaus, Inh.: A. Paquin, Miederwaren, Bandagen, Einlagen; Nikl, Elektro - Musikhaus; Josef Hünerbein, Metzgerei; Kaiser Maria und Gerda Lebensmittel, Feinkost, Süßwaren, Weine, Spirituosen; Hotel Germania Martin Faßbender und das Dürener Kaufhaus Adolf Hoegel. Auf der linken Seite lagen Buchhandlung Dietrich Krüger, vorm. Wilhelm Solinus; Blumenhaus Theo Portz; Erich Laugsch, Schuhhaus – Schuhreparatur; Textil-Haus Hintzen; Hannemann & Koenig, Tuchhaus, und Fahrrad Schuster.

Weniger die persönliche Erinnerung als vorhandenes Wissen ist beim
zweiten Foto  unserer Serie gefragt. Gezeigt wird eine Buchhandlung, die offenbar für die französische Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg den Lese- und Unterhaltungsstoff vorrätig hielt. Die Rückseite der Postkarte trägt das Datum „Jeudi, 24 Novembre 1921“. Weiß jemand, wo sich diese Buchhandlung befand und wie lange sie dort existierte?



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Stadtmuseum Dueren